Aktuelle Ausgabe
2012-20

Richtfest am bundesweit ersten Jugendhospiz in Olpe

Mehr Wesentliches

Über das Richtfest des ersten deutschen Jugendhospizes freuten sich auch die Gäste aus dem Kinderhospiz Balthasar.Foto: Eiden

Olpe. Aus Kindern werden Leute, und deshalb feierte pünktlich im Jubiläumsjahr des Kinderhospizes „Balthasar“ das nebenan entstehende erste deutsche Jugendhospiz sein Richtfest. Bisher gibt es hierzulande noch keine Hospizeinrichtung, die den speziellen Bedürfnissen Jugendlicher und junger Erwachsener im Alter von rund 16 bis 27 Jahren gerecht wird.

Durch die Fortschritte in der Medizin werden unsere Gäste immer älter, schon jetzt ist ein Viertel von ihnen über 16 Jahre“, erklärte Rüdiger Barth, der Leiter des Kinderhospizes „Balthasar“, das vor zehn Jahren gegründet wurde. Die Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO) will diese Versorgungslücke nunmehr schließen. Im November soll das Jugendhospiz fertig sein.
„Wir haben uns Jugendhospize in England angeschaut und die Jugendlichen gefragt, wie sie sich ihr Haus wünschen“, berichtete Barth. Damit der familiäre Charakter erhalten bleibe, seien lediglich vier Plätze für die Erkrankten und drei Übernachtungsmöglichkeiten für Eltern oder Angehörige auf den 1200 Quadratmetern vorgesehen. Zusätzlich werde es einen großen Besprechungsraum für Supervision und Konferenzen der Mitarbeiter geben, in dem auch Besuchergruppen empfangen werden können. Ein Werk- und ein Bewegungsraum, der für Rollstuhlfahrer beider Einrichtungen genutzt werden kann, ergänzen das betreuerische Angebot. Die Gebäude werden durch einen verglasten Gang miteinander verbunden, die Küche von „Balthasar“ wird auch das Jugendhospiz versorgen.
Im Vergleich zur Arbeit mit den Kindern erfordere die Betreuung der jungen Menschen eine veränderte räumliche und medizintechnische Ausstattung. Zudem habe die pädagogische Arbeit einen besonderen Stellenwert, da Jugendliche, die plötzlich mit einer unheilbaren Krankheit konfrontiert werden, in schwere Identitätskrisen fallen können; waren sie doch gerade dabei, sich vom Elternhaus abzunabeln, berufliche und private Perspektiven zu entwickeln. Auch den schon seit  Kindesalter Erkrankten drohen Krisen, wenn sie ihre altersgemäß beginnende Selbstständigkeit durch den fortschreitenden Verlust ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten wieder verlieren.
Verena Hölken, die Geschäftsführerin der GFO, legte Zahlen offen: Die Gesamtkosten des Neubaus belaufen sich auf rund 1,9 Millionen Euro, und wie das Kinderhospiz wird auch das Jugendhospiz auf Spendengelder angewiesen sein. Eine satte Starthilfe mit 500000 Euro leisten die Stiftung Deutsches Hilfswerk und mit 400000 Euro die Stiftung Wohlfahrtspflege.
In den letzten zehn Jahren fanden etwa 450 Familien im Kinderhospiz „Balthasar“ eine Herberge und seelische Wegbegleitung, oftmals bis weit über den Todeszeitpunkt des Kindes hinaus, 157 Kinder verstar­ben im Hospiz. 38 Mitarbeiter, Zivildienstleistende und Praktikanten sowie 20 Ehrenamtliche waren im vergangenen Jahr im Einsatz, hatten Zeit, den Kindern vorzulesen, ihre Hand zu halten, einfach dazusein: „Schwerstkranke und sterbende Kinder brauchen nicht wesentlich mehr, sondern mehr Wesentliches“, so Rüdiger Barth.  Die Belegung ist seit der Eröffnung kontinuierlich angestiegen, betrug im letzten Jahr 80 Prozent. Im Notfall, wenn zum Beispiel wegen Krankheit der Eltern die Kinder zu Hause nicht mehr richtig versorgt werden können, ist auch eine Aufnahme über Wochen oder Monate möglich.
Der Veranstaltungsreigen anlässlich des zehnjährigen Jubiläums gipfelt am 18. September, dem eigentlichen Geburtstag, mit einem Festakt, am 19. September mit einem Familientag für diejenigen, die bisher stationär zu Gast im Hospiz waren, und in den beiden folgenden Tagen mit einer offenen Tür für alle.Julia Eiden


23.05.2012
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