Aktuelle Ausgabe
2012-20

Rahmentarifvertrag für rund 480 000 Mitarbeiter im caritativen Dienst beschlossen

Mehr Geld für Caritas-Mitarbeiter?

Martin Schenk ist Vorsitzender der diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen und Mitglied in der Regionalkomission NRW.

Mainz/Erzbistum. Nach zweienhalbjährigem Tarifstreit sind die rund 480 000 Dienstnehmer aus dem caritativen Bereich mit den Dienstgebern auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Die zuständige Arbeitsrechtliche Kommission  stellte bundesweit einen Rahmen für den Tarif auf, von dem allerdings in den sechs neu errichteten Tarifregionen um bis zu 15 Prozent nach oben oder unten abgewichen werden kann.

Für die Tarifregion Nord­rhein-Westfalen mit rund 190 000 Mitarbeitern, zu der auch das Erzbistum Paderborn gehört, berät die Regionalkommission in dieser Woche, wie die rund 35 000 Mitarbeiter im Dienst der Caritas im Erzbistum Paderborn demnächst entlohnt werden.
Einer der 20 Konferenzteilnehmer auf der Dienstnehmerseite ist Martin Schenk, Vorsitzender der diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen. Ob der bundesweit beschlossene Rahmentarif auch so für das Erzbistum Paderborn übernommen wird, ist noch nicht genau abzusehen. Eine Entscheidung erwartet er aber spätestens für den Herbst. Die Dienstnehmerseite hätte gern ein höheres Entgelt für die überwiegend in Krankenhäusern arbeitenden Caritas-Angestellten ausgehandelt, sagt Schenk, der selbst im Dortmunder Johannes-Hospital arbeitet. Zumal da die neue Vereinbarung im Gegensatz zu sonstigen Tarifverträgen keine bestimmte Laufzeit hat, sondern solange gilt, bis etwas anderes beschlossen wird.
Die Rahmenvereinbarung sieht rückwirkend ab Januar 2008 eine Lohnerhöhung um 1,6 Prozent und eine weitere um 4,3 Prozent ab 2009 vor. Gleichzeitig soll die Arbeitszeit um eine halbe Stunde von 38,5 auf 39 Stunden pro Woche angehoben werden.
Schon jetzt hätten die Dienstgeber signalisiert, dass ihnen der Lohnabschluss zu hoch sei, da auch die Rückfinanzierung der Krankenhäuser durch die Kostenträger gedeckelt sei. Noch wisse daher niemand, wie das Geld für die höheren Löhne aufzubringen sei. Alle Einrichtungen würden derzeit ohnehin durch höhere Energie- und Lebensmittelkosten stark belastet.
Dennoch sei der Erhöhung bei der Caritas in Anbetracht der höheren Tarifabschlüsse etwa für Ärzte mit dem Marburger Bund wichtig, um ein Abwandern der Kräfte zu verhindern, meint Schenk. Die bislang letzte Tariferhöhung hatte es im November 2004 mit einem Prozent gegeben. Schenk warnt aber vor einem direkten Vergleich der Vergütungstabellen zwischen den beiden Tarifpartnern. Die reine Vergütung stelle nur eine Kriterium für das gesamte Gehalt dar. So würden bei der Caritas weiterhin Weihnachts- und Urlaubsgeld gezahlt.
Zu beachten sei auch, dass der neuerliche Abschluss nur für die Mitarbeiter im caritativen Bereich und nicht für die der sogenannten „verfassten Kirche“ (KAVO), also im Dienst des Bistums oder der Gemeinden, gelte.
Bei der neuen Rahmenregelung (AVR) sei aber im Gegensatz zur neuen KAVO die Leistungsbezogenheit des Entgeltes noch kein Thema.
Ob und wann also die Caritas-Mitarbeiter im Erzbistum Paderborn ihre Lohnerhöhung bekommen, hängt von den weiteren Verhandlungen in der Regionalkommission ab. Aus Verhandlungskreisen war allerdings zu erfahren, dass die bundesweit ausgehandelten Vereinbarungen auch in NRW und somit für Paderborn übernommen werden würden.
Allein der Bundesbeschluss habe noch keine konkrete Auswirkung auf die Arbeitsverträge der einzelnen Kollegen im Erzbistum, so Martin Schenk.
Sollte dieser Beschluss der Regionalkommission zustande kommen, müsse der Erzbischof durch Veröffentlichung im Kirchlichen Amtsblatt dieser Vereinbarung noch Gesetzeskraft verleihen. Erst dann würden sich die Beschlüsse auch auf dem Konto der Mitarbeiter bemerkbar machen.
Sollten aber die Verhandlungen der Regionalkommission scheitern – immerhin bedarf es für eine Einigung eine Mehrheit von 75 Prozent der 20 Delegierten – bleibt alles beim alten.
Die Regionalisierung der Tarife war auf Drängen der Dienstgeberseite eingeführt worden, um flexibel auf die wachsende Konkurrenz auf dem sozialen Markt reagieren zu können.
Gerd Vieler


23.05.2012
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