Festakt zum Werler Wallfahrtsjubiläum / Erzbischof eröffnet mit Pontifikalamt die Wallfahrtssaison
Maria vereint die Christen

- Gespräch am Rande des Festaktes in der Wiesenkirche: NRW-Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg, der theol. Vizepräsident der Evangelischen Kirche in Westfalen, Albert Henz, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Generalvikar Alfons Hardt, Erzbischof Hans-Josef Becker und Pfarrer Hendrik Mattenklodt (v. li.). Foto: Nückel
Werl/Soest. Mit einem ökumenischen Festakt in der Soester Wiesenkirche, einer Vesper in der Werler Wallfahrtsbasilika und einem darauf folgenden Empfang in der Stadthalle wurde am vergangenen Samstag das 350-jährige Jubiläum der Marienwallfahrt Werl begangen. Am 1. Mai eröffnete Erzbischof Hans-Josef Becker mit einem Pontifikalamt die Wallfahrtszeit. Bei allen Veranstaltungen wurde deutlich: Maria vereint die Christen.
von Matthias Nückel
Beim Festakt in der evangelischen Wiesenkirche wurde deutlich, welch große Fortschritte es in der Beziehung der beiden Kirchen zueinander gegeben hat. Beim letzten großen Jubiläum vor 50 Jahren, sagte Erzbischof Becker in seiner Ansprache, wäre eine gemeinsame ökumenische Feier weniger denkbar gewesen. Umso mehr freuten sich nun alle Beteiligten, dass der Auftakt des 350-jährigen Wallfahrtsjubiläums in der Kirche „Maria zur Wiese“ begann, in der einst das Gnadenbild stand.
„Das Verbindende im Glauben ist uns – nicht nur hier und heute – wichtiger als das Trennende!“, betonte Becker vor den Gästen aus den Kirchen, aus Politik und Gesellschaft. „Das gilt auch für unseren gemeinsamen Blick auf Maria, die Mutter Jesu, die wir katholische Christen ,Mutter Gottes‘ nennen und in besonderer Weise verehren.“ Als bleibendes Vorbild im Glauben baue Maria Brücken zwischen den Kirchen und damit zwischen den Christen. „Gemeinsam entdecken wir heute in der Ökumene in Marias Leben unsere eigene Berufung zum Christ-Sein wieder“, betonte der Erzbischof.
Dass Maria Vorbild im Glauben sei, gelte auch für evangelische Christen, meinte der theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche in Westfalen, Albert Henz. „Inhaltlich ist uns Evangelischen die Besinnung auf Maria alles andere als fremd“, fügte er hinzu. Etwas ferner liege den Protestanten vielleicht die Wallfahrt. Doch das Pilgern habe auch in der evangelischen Kirche an Bedeutung gewonnen, stellte Henz Gemeinsamkeiten heraus.
Noch deutlicher wurde der Festredner des Nachmittags, Dompropst em. Ove Lundin, aus dem schwedischen Visby. In seiner Heimat habe Maria nach der Reformation „überlebt, ohne aufzufallen“, sagte Lundin – und zwar in der Volksfrömmigkeit. In der Schwedischen Lutherischen Kirche sei die Entwicklung vielfach anders verlaufen als in Deutschland. In Visby sei ein Marienbild bei Prozessio-nen durch die Stadt getragen worden. Maria sei auf dem Weg, ihren Platz in der evangelischen Tradition zurückzugewinnen. „Maria kann vielleicht auch evangelischen Menschen helfen, an das Mysterium der Inkarnation zu glauben“, stellte der Dompropst fest, der seinen Vortrag mit den Worten schloss: „Ich bin überzeugt, dass Maria mit einem milden Lächeln auf ihren Lippen darauf wartet, dass sie noch mehr geliebt werden wird – auch in evangelischer Sicht – und dass sie auch darauf wartet, dass wir alle – auch die Evangelischen – dem ,Evangelium nach Maria‘ folgen werden.“
Der „Hausherr“ der Wiesenkirche, Pfr. Hendrik Matten-klodt zeigte sich überzeugt, dass Maria in der Hoffnung stärke, „dass unsere je eigenen Wege zu ihr in einen gemeinsamen Weg mit ihr einmünden werden“. Und der Werler Wallfahrtsleiter. P. Ralf Preker, stellte dankbar fest: „Was vor 350 Jahren im Zeichen konfessioneller Abgrenzung begann, führt uns heute im theologischen Nachdenken, im gemeinsamen Beten, Singen und Feiern zusammen. Dank sei Gott!“
Das gemeinsame Beten und Singen fand seine Fortsetzung bei der Pontifikalvesper in der Wallfahrtsbasilika. Katholiken und Protestanten feierten zusammen den Gottesdienst. Erzbischof Becker nutzte seine Predigt über das Magnifikat dazu, auf die innere Befindlichkeit in der katholischen Kirche einzugehen. So lehre der Lobgesang Mariens: „Wenn Gott uns in den Blick nimmt, wächst unser Selbstbewusstsein.“ Weil Gott Maria Ansehen schenke und Anerkennung gewähre, stehe sie aufrecht vor ihm und gehe in dieser Haltung die großen Aufgaben an, die auf sie warten. „Hier ist kein Platz für eine Frömmigkeit, die mit buckliger Demut einhergeht!“, betonte der Erzbischof und fügte hinzu:„Eine solche ,marianisch aufrechte‘, weil ,von Gott aufgerichtete‘ Spiritualität wünsche ich mir für unsere Kirche, in der gegenwärtig viel Kleinglaube, der sich in Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit niederschlägt, anzutreffen ist.“
Schließlich sei im Magnifikat die Grundmelodie echter Freude zu spüren. Manche Mitchristen machten jedoch gegenwärtig eher einen frus-trierten Eindruck. „Dabei müssten wir erlöster, zuversichtlicher aussehen!“, so der Erzbischof. „Schließlich sind wir ja mit einer Frohen Botschaft unterwegs.“
Die echte Freude am Glauben war am Sonntag beim Pontifikalamt zur Eröffnung der Wallfahrtszeit überdeutlich zu spüren. In der überfüllten Werler Basilika erschallte das „Maria ging hinaus“ wie ein gesungenes Glaubensbekenntnis. Und nachdem der Erzbischof die Wallfahrtskerze gesegnet und entzündet hatte, begann die Eucharistiefeier mit dem Hymnus „Nun freue dich, du Christenheit“.
In seiner Predigt rief der Erzbischof dazu auf, den Glauben weiterzugeben. „Der Glaube ist Gnade, ein Geschenk Gottes. Wir haben den Auftrag, den Glauben zu bekennen und ihn nicht wie einen Schatz einzugraben“, betonte Becker. Die Entfaltung des Glaubens brauche drei Haltungen: Offenheit, Neugier und Entschiedenheit.
Und der Erzbischof hatte für die Gläubigen noch eine gute Nachricht mitgebracht: zum Patronatsfest in Werl am 2. Juli werde eine besondere Aufmerksamkeit des Papstes kommen.






