Aktuelle Ausgabe
2012-20

Erzbistum als zukünftiger Träger führt an den St.-Michael-Schulen ab 2013/14 Jungenklassen ein

Mädchen nicht mehr unter sich

Nach einer 350-jährigen Tradition wird der Hinweis „Für Mädchen“ in zwei Jahren hinfällig: Ab dem Schuljahr 2013/14 wird am Gymnasium St. Michael eine Jungenklasse eingeführt, zwei Jahre später auch an der Realschule. Foto: Wiedenhaus

Erzbistum. Noch ist alles beim Alten: Wenn in diesen Tagen der Unterricht nach den Sommerferien an den Schulen St. Michael in Paderborn wieder beginnt, sind die Mädchen unter sich. Diese 350-jährige Tradition wird allerdings bald zum „Auslaufmodell“: Als zukünftiger Träger der St.-Michael-Schulen hat das Erzbistum angekündigt, ab dem Schuljahr 2013/14 am Gymnasium und zwei Jahre später auch an der Realschule eine Jungenklasse einzurichten. Grundlage ist die Idee der „parallelen Monoedukation“ – Mädchen und Jungen werden an derselben Schule, aber in geschlechtergetrennten Klassen unterrichtet. 

von Andreas Wiedenhaus  

„Das Konzept der Mädchenerziehung bleibt also erhalten, wird aber um ein Angebot für Jungen ergänzt“, erläutert Monsignore Joachim Göbel, Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat, die Methode, das an anderen Schulen bereits seit einiger Zeit „mit Erfolg“ umgesetzt werde.

Hinter der Entscheidung hat, so Göbel, der Wunsch des Erzbistums gestanden, auch Jungen die Möglichkeit zu eröffnen, in Paderborn eine katholische Realschule bzw. ein katholisches Gymnasium zu besuchen. Besondere Aktualität bekomme das Konzept des Unterrichts in nach Geschlechtern getrennten Klassen angesichts der Tatsache, dass Jungen gerade in der Unter- und Mittelstufe gegenüber Mädchen zunehmend ins Hintertreffen gerieten: „Sie bleiben statistisch gesehen häufiger sitzen, brechen die Schule ab und erzielen weniger Schulabschlüsse.“

Gründe für diese Bildungsungleichheit sind nach Expertenmeinung einerseits die unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen von Mädchen und Jungen zwischen acht und 16 Jahren und andererseits die Verunsicherungen, die das männliche Rollenbild erfahre.

Monsignore Göbel: „Diese Benachteiligung kann durch die parallele Monoedukation ausgeglichen werden.“ Doch nicht nur die Jungen könnten dadurch gewinnen: Ein Konzept für die Jungenklassen schärfe auch das Konzept der Mädchenerziehung. Der Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung sieht die katholische Kirche in diesem Zusammenhang besonders gefordert: „Die katholischen Schulen haben den Auftrag, jungen Menschen zu helfen, fachliche und soziale Kompetenzen zu erwerben.“

Nicht zuletzt erweitert das neue Konzept den Kreis möglicher Schulbewerber, denn die Zahl der Grundschüler stagniert. Joachim Göbel: „Die weiterführenden Schulen werden in Zukunft noch mehr miteinander in Konkurrenz treten.“ Allerdings seien gerade die katholischen Schulen in diesem Zusammenhang „gut aufgestellt“. Die konkrete Umsetzung hat noch zwei Jahre Zeit, eine erste „Informationsphase“ beginnt aber schon jetzt nach den Sommerferien. Dabei werden Vertreter von anderen Schulen, die das Konzept bereits verwirklicht haben, Lehrerkollegium sowie Schüler und Eltern informieren.

Ebenso werden Arbeitskreise geschaffen die Schüler und Eltern einbinden. Der gesamte Prozess wird wissenschaftlich von der KatHo begleitet.


23.05.2012
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