Aktuelle Ausgabe
2012-20

Der feierliche Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung begann mit einem Bußakt

„Lass uns Vergebung finden“

Erzbischof Hans-Josef Becker während des Bußaktes. Rechts neben ihm der Apostolische Nuntius, Jean-Claude Perisset.Foto: KNA

Paderborn. Ein deutliches Zeichen, in dessen Mittelpunkt die Bitte um Vergebung stand, setzten die Deutschen Bischöfe zu Beginn des Eröffnungsgottesdienstes der Frühjahrsvollversammlung im Hohen Dom: Mit einem Bußakt erinnerten sie an die Menschen, die unter sexuellem Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen litten oder von Priestern missbraucht wurden. 

von Andreas Wiedenhaus 

Die Bischöfe der deutschen Diözesen ziehen durch die Rote Pforte in den Paderborner Dom ein. An der Spitze der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. In den Händen hält er ein Holzkreuz. Im Blitzlichtgewitter zahlreicher Fotografen und Kamerateams bewegt sich die Prozession langsam durch den Mittelgang des Gotteshauses, das die Gläubigen heute kaum fassen kann. Im Chorraum stellt Erzbischof Zollitsch das Kreuz auf den Altar. Dann beugt er die Knie. Alle Bischöfe knien vor dem Kreuz nieder.

„Wir knien als Sünder und unser Gewissen klagt uns an“, mit diesen Worten beginnt Erzbischof Zollitsch den Bußakt. „Wir empfinden tiefe Scham. Männer der Kirche haben junge Menschen, die ihnen anvertraut waren, missbraucht und ihrem Leben schweren Schaden zugefügt“, heißt es in einem weiteren Gebet des Bußaktes: „Allzu oft haben die Verantwortlichen weggeschaut.“

Die Missbrauchsfälle, die die katholische Kirche im vergangenen Jahr in eine schwere Krise gestürzt haben, spricht der Freiburger Erzbischof auch in seiner Predigt während des Gottesdienstes noch einmal ausführlich an.

Gott sei dort, so Zollitsch, wo der Mensch Erbarmen spüre. Und auch die Kirche habe in den vergangenen Monaten neu ein großes Gespür dafür entwickelt, dass alles auf die Barmherzigkeit ankomme: „Wir haben erleben müssen, wie nach und nach große Verfehlungen von Männern der Kirche aufgedeckt wurden.“ Der sexuelle Missbrauch junger Menschen gehöre zur Realität der Kirche. Der Missbrauch von jungen Menschen, die doch eigentlich Schutz und Förderung durch das kirchliche Leben hätten erwarten dürfen und auch verdient hätten. Erzbischof Zollitsch wörtlich: „Es ist uns nur allzu klar zu Bewusstsein gekommen, dass diese Schuld niemals ungeschehen gemacht und auch nicht entschädigt werden kann. Es sind nur Zeichen der Reue und die Bitte um Verzeihen möglich.“

Das Entscheidende, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, sei das Erbarmen mit dem Schuldigen und das Verzeihen. Die aber seien für Menschen oftmals kaum möglich. Aber wo sie gewährt würden, ereigne sich Göttliches: „Gott selbst ist es, der über alle menschlichen Möglichkeiten hinaus Erbarmen gewährt. Deshalb haben wir diesen festlichen Gottesdienst mit einer Bußfeier begonnen, in der wir um Gottes erbarmende Liebe gebetet haben: für die Sünder und für die Kirche als ganze, wegen der begangenen Taten und wegen aller Defizite in der Liebe, im Glauben und in der Hoffnung.“


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002