Aktuelle Ausgabe
2012-20

150 Jahre St. Bonifatius Hagen-Haspe

Lange soziale Tradition

Die St.-Bonifatius-Kirche auf dem „Heiligen Berg“ in Haspe.

Hagen. Die St.-Bonifatius- Gemeinde in Hagen-Haspe, gelegen auf dem „Heiligen Berg“ an der Berliner Straße, feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Zahl der Katholiken in den Gemeinden Westerbauer und Haspe aufgrund der wachsenden Industrialisierung stark anstieg, entschied man sich zum Bau einer eigenen Kirche – zumal der Weg zur Pfarrkirche St. Marien in Hagen weit und beschwerlich war. 

Schon damals zeigten sich erste Ansätze zur ökumenischen Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde Haspe. Das Grundstück für den Kirchenbau wurde erworben von einem „protestantischen Mitbürger“, der sich bereit erklärte, „das Baukapital aus seinen Mitteln herzugeben“. Als am 6. Februar 1861 die Notkirche eingeweiht wurde, die zugleich den ersten Schulraum aufwies, läuteten auch die neuen Glocken der evangelischen Gemeinde Haspe.

Mit dem Kirchbau im Jahre 1861 trat der Pfarrer Joseph Wüstefeld sein Amt an. Ein damals in der Gemeinde geflügeltes Wort ist bis heute nicht vergessen: „Der größte Bettler in der Welt, das ist der Pfarrer Wüstefeld“. Er führte 1862 die Unabhängigkeit der „Hasper Schulvikarie“ von der Pfarrei St. Marien in Hagen herbei, kaufte 1865 das heutige Kirchengrundstück, den „Heiligen Berg“, und begann 1867 mit dem Bau eines mehrklassigen Schulgebäudes, des Pfarrhauses und des ersten Krankenhauses. 1869 wurde der Grundstein für ein neues, größeres Gotteshaus gelegt, die heutige neugotische Kirche. Alle Bauten wurden 1872 vollendet. Als den Gründerjahren eine schwere wirtschaftliche Depression folgte – die Hasper Hütte stand über zwei Jahre still und die Menschen litten große Not – ließ Wüstefeld im Krankenhaus eine „Volksküche einrichten, die vom 3. März 1877 an täglich an die Notleidenden ein Essen für 10 Pfennig ausgab“.

In den Jahren ihres Bestehens hat sich die St.-Bonifatius-Gemeinde dieser sozialen Tradition und Verpflichtung nicht entzogen. So wurde z.B. 1990 – zusammen mit der evangelischen Gemeinde Haspe – die Einrichtung „Corbacher 20“ geschaffen.

Das wöchentliche „Arbeitslosenfrühstück“, der „Besuch“ des Arztmobils, die Kleiderkammer, die Begleitung alleinerziehender Mütter, persönliches und finanzielles Engagement für Entwicklungsprojekte, die unermüdliche Arbeit der jungen Sternsinger oder der Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen in Haspe kennzeichnen das soziale Engagement der Gemeinde. Ein besonderer Wermutstropfen in der Geschichte der Gemeinde war deshalb die Schließung des Heilig-Geist-Hospitals im Jahre 1998, 126 Jahre nach seiner Gründung.

Die Gemeinde errichtete als eine der ersten Kirchengemeinden in Deutschland eine großflächige Solaranlage auf ihren Dächern und gab damit den Anstoß für viele andere Kirchengemeinden, durch ähnliche Maßnahmen zum Erhalt der Schöpfung beizutragen. Der ökologische Umbau des Kirchplatzes ist ein weiteres Beispiel für das Bemühen der Gemeinde, zum Schutz von Natur und Umwelt beizutragen.

Ausgeprägte Bibelarbeit mit Bibellesungen von Politikern oder Künstlern sowie die verantwortliche Einbindung von Laien in die Gemeindearbeit oder in die liturgische Gestaltung der Gottesdienste waren in den drei Jahrzehnten, in denen Pfarrer Werner König die Gemeinde leitete, weitere wichtige Schwerpunkte. Zahlreiche Musikgruppen, in die sich viele junge Menschen einbringen, bereichern die Gottesdienste mit neuer, schwungvoller Musik. Laien feiern Wortgottesdienste oder übernehmen andere liturgische Aufgaben. Laien erbringen selbstständig und ehrenamtlich soziale Dienste.

Die Gemeinde, der fast 6000 Katholiken angehören, feiert mit ihrem neuen Pastor Ansgar Schocke das Jubiläum in vielen Veranstaltungen.


23.05.2012
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