73-jähriger Lippstädter setzt imposanter Privatsammlung mit 1000. Kreuz die Krone auf
Kreuzgang mit klaren Ordnungsregeln
Lippstadt. Mit einem Exem-plar, das Adolf Kossikow Mitte der 90er-Jahre bei einem Umzug eher zufällig in die Hände fiel, fing alles an. Mittlerweile zieren über 1 000 Kreuze das Treppenhaus des 73-jährigen Lippstädters. Über vier Etagen ist dabei nichts dem Zufall überlassen. Vielmehr herrschen dort klare Ordnungsregeln. Kruzifixe gruppieren sich streng nach Material und Form. Metall hängt neben Metall, Holz neben Holz. Nach Epochen geordnet und natürlich akribisch gelistet – „sonst verliere ich ja den Überblick“ –, hat die ausgefallene Sammlung jedoch noch mehr zu bieten. Denn: Der leidenschaftliche Sammler hat fast zu jedem Exemplar eine eigene Geschichte parat.
von Stefan Niggenaber
Wie seine Leidenschaft für Kreuze jeglicher Art begann, daran kann sich der gebürtige Lippstädter noch heute ganz genau erinnern. Die Initialzündung erfolgte Mitte der 90er-Jahre, als Adolf Kossikow einem guten Bekannten beim Umzug half. „Dabei fiel mir plötzlich ein Kreuz in die Hände, das mein Freund nicht mehr haben wollte“, berichtet der 73-Jährige. Weil es ihm so gut gefiel, habe er es mitgenommen und in seinem Schlafzimmer über der Tür aufgehängt. Von da an wanderte Adolf Kossikows Blick beim abendlichen Zubettgehen und beim Aufstehen immer wieder und fast schon unwillkürlich auf das Kruzifix. Im Laufe der Zeit gesellten sich immer mehr Kreuze dazu. Und plötzlich sei er auf die Idee gekommen, doch Kreuze zu sammeln.
Aus diesen Anfängen sei im Laufe der Zeit eine echte Sammelleidenschaft entstanden, sagt Adolf Kossikow. Jahrelang klapperte er mit seiner Frau Agnes Trödel- und Antiquitätenmärkte ab, sprach Freunde und Bekannte auf neue Kreuze an. Dabei wurden sie nicht bloß einmal fündig. Jedes neue Stück fand anfangs zunächst Platz im Schlafzimmer, bis dieses bei etwa 300 Kreuzen „aus allen Nähten platzte“. Kurzerhand verlagerten die Kossikows, und spätestens jetzt hatte auch Gattin Agnes Feuer gefangen, ihre Sammlung ins Treppenhaus. Und so zieren mittlerweile über 1 000 Kreuze die Hausflure. Von neugotischen, barocken, neuzeitlichen und keltischen Kreuzen über die verschiedensten Metall- und Holzkorpora, Kreuzen aus Messing, Kupfer und Bronze bis hin zu Coesfelder und Biedermeier-Kreuzen sowie einigen ganz seltenen Exemplaren (das älteste Kreuz ist stolze 280 Jahre alt) ist dort alles zu finden. Und obwohl Adolf Kossikow zu (fast) jedem einzelnen Kreuz eine Geschichte parat hat, er an allen seinen Stücken in gleichem Maße hänge, hat der Lippstädter zu einem einzelnen Kreuz dann doch eine ganz besondere Beziehung. Zu seiner ersten heiligen Kommunion habe er von seinem Patenonkel ein Holzkreuz geschenkt bekommen, erinnert sich der 73-Jährige zurück. Genau dieses Kreuz hänge noch heute neben seinem Bett – und habe ihn auf allen Stationen seines Lebens begleitet. „Überall wo ich auch war, habe ich dieses Kreuz mit hin- und auch wieder zurückgenommen.“
Was er tun wird, wenn auch im Treppenhaus kein Platz mehr für all die Kreuze ist, zu denen sich in aller Regelmäßigkeit noch immer neue Stücke hinzugesellen, das weiß Adolf Kossikow genau: So langsam müsse er es mal ein wenig ruhiger angehen lassen. Doch zu besonderen Stücken könne er wohl auch in Zukunft einfach nicht „Nein“ sagen.







