Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Konzil verpflichtend für die Zukunft

Viele Bischöfe haben sich nach den Vorkommnissen der vergangenen Tage zu Wort gemeldet. Während viele von ihnen organisatorische Mängel im Vatikan aufführten, hat sich Paderborns Erzbischof eher den Inhalten das Konzils gewidmet

 
Hans-Josef Becker (60) ist Erbzischof von Paderborn

Mit großer Betroffenheit und Sorge verfolge ich die innerkirchlichen und gesellschaftlichen Debatten um die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft Pius X.
Zunächst möchte ich unmissverständlich feststellen: Die Leugnung des Holocaust durch Bischof Richard Williamson ist empörend und völlig inakzeptabel! Eine solch ungeheuerliche Bestreitung der systematischen Vernichtung von Millionen von Juden sowie jedwede Form von Antisemitismus haben in der katholischen Kirche nichts verloren.
Das zeitliche Zusammentreffen mit dem als Versöhnungsgeste zu verstehenden Dekret zur Aufhebung der Strafe der Exkommunikation der besagten Bischöfe ist sehr unglücklich. Dem großen Entgegenkommen Papst Benedikt XVI., der für die Aussagen Williamsons nicht verantwortlich zu machen ist, muss nun seitens der Priesterbruderschaft Pius X. eine klare und glaubwürdige Erklärung der Treue zur Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils folgen.
Angesichts der Unruhe und Enttäuschung vieler katholischer Christen bezüglich der Vorkommnisse der vergangenen Tage möchte ich im fünfzigsten Jahr der Ankündigung des Zweiten Vatikanischen Konzils die Meilensteine dieser bedeutenden Kirchenversammlung ausdrücklich würdigen: Das Zweite Vatikanische Konzil steht auch heute für die Öffnung der katholischen Kirche zur Welt, für eine konstruktive Ökumene, für den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen, allen voran dem Judentum, und für die Respektierung der Religions- und Gewissensfreiheit. Das Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils verpflichtet auch in der Zukunft.


23.05.2012
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