Aktuelle Ausgabe
2012-20

Im Kreis Paderborn entsteht ein Netz von „Hilfepunkten für Kids“

Kindern zur Seite springen

Die beiden Initiatoren Michael Schlensok aus Paderborn und Elena Kussmann aus Anröchte machen kräftig Werbung für das neue Angebot. Foto: Götte

Paderborn (jon). Gewaltandrohung älterer Jugendlicher, ein kleiner Unfall oder auch einfach die Angst vor dem großen Hund – der Weg von Kindern und Jugendlichen zur Schule, zum Spielplatz oder nach Hause kann für Kinder zu einem unüberwindlichen Hindernis werden. Denn häufig fehlt es vor Ort an Ansprechpartnern, die die Sorgen der Kleinsten ernst nehmen und für schnelle Hilfe sorgen. Die Aktion „Hilfepunkt für Kids“, die beim Caritasverband Paderborn koordiniert wird, soll im Kreis Paderborn bald Abhilfe schaffen.

von Andreas Götte

Geschäftsleute, öffentliche Institutionen und Banken entlang des Schulweges sollen Ansprechpartner und Verbündete für Kinder und Jugendliche im Konfliktfall werden. Geschäfte müssen mindestens zwei Mitarbeiter haben. Privatpersonen sind aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen.
„Wer mitmacht, bekommt eine Handlungsanweisung mit den wichtigsten Telefonnummern und Erläuterungen, was im Ernstfall zu tun ist“, sagt Friedhelm Hake, Fachbereichsleiter beim Paderborner Caritasverband. Die Ausbildung von Sozialarbeitern sei nicht finanzierbar, sodass er nun auf dieses niederschwellige Angebot setze.
Initiatoren der bürgerschaftlichen Aktion sind Michael Schlensok (25) aus Paderborn und Elena Kussmann (22) aus Anröchte. Die beiden jungen Leute studieren Soziale Arbeit an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen in Paderborn. „Wir haben von dem Projekt Notinsel gehört und wollten selber etwas auf die Beine stellen“, erklärt Schlensok.
Nach Angaben von Irmgard Kurek, Geschäftsführerin des Präventionsrates gegen Gewalt, sollen auch in kleineren Dörfern, wo es keine Schule gibt, Ansprechpartner installiert werden. Treffpunkte von Kindern seien dort häufig Spielplätze oder der Kiosk.
Die Initiatoren haben zudem auch die Eltern im Blick. Sie würden auf diese Weise erfahren, dass es auch außerhalb des Elternhauses verlässliche Partner gebe, die für den Schutz und das Wohlergehen ihrer Kinder einstünden.
Ein bunter Aufkleber mit der Aufschrift „Hilfepunkt für Kids“ soll Kinder und Jugendliche an den Eingängen von Geschäften und Behörden auf die entsprechende Hilfsmöglichkeit hinweisen. Bis spätestens zum kommenden Schuljahresende soll ein Netzwerk von Hilfepunkten im gesamten Stadt- und Kreisgebiet aufgebaut werden. Die Sachkosten in Höhe von 5 000 bis 8 000 Euro übernehmen Stadt und Kreis Paderborn. Mit im Boot sitzen zudem der Caritasverband, die Paderborner Kreispolizeibehörde, die Katholische Hochschule NRW in Paderborn und der Präventionsrat gegen Gewalt. Schirmherr der Aktion ist Landrat Manfred Müller. Die Hilfepunkte seien Kinderfreundlichkeit in ihrer reinsten Form, heißt es.
Mit dem Beginn der Aktion rechnet Caritas-Koordinator Christoph Stork im Herbst. Anfang September seien die Hinweisschilder und Handlungsanweisungen für die Hilfepunkte fertig. Viele Geschäfte hätten sich schon gemeldet, viele müssten aber auch noch angesprochen werden, damit das Angebot flächendeckend sei, sagte Stork. Er betonte, dass das Angebot für die teilnehmenden Geschäfte, anders als beim andernorts aktiven, vergleichbaren Projekt „Not­insel“, kostenlos sei.


23.05.2012
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