Hubertus Bordfeld fotografierte die schönsten Flecken und heiligen Orte der Höxteraner Heimat
Kapellen im Lauf der Jahreszeiten
Gehrden. Über 90 Kapellen im Kreis Höxter hat Hubertus Bordfeld ausfindig gemacht. Und sie alle fotografisch festgehalten sowie ihrer Geschichte nachgeforscht.
von Richard Schleyer
Der 64-jährige gelernte Elek-troingenieur Hubertus Bordfeld war sonntags viel mit seinem Hund Joschi unterwegs. So landeten sie auch auf dem Bergrücken hoch über Pömbsen und er genoss die herrliche Aussicht von der dem heiligen Johannes geweihten Kapelle aus. In der Stille dort oben begann Bordfeld zu sinnieren. Was die früheren Geschlechter wohl veranlasst habe, dort eine Kapelle zu errichten und was diese in ihrer Geschichte schon alles erlebt habe. Und so reifte in ihm der Gedanke, doch den Kapellen seiner Heimat einmal nachzuspüren.
Bordfeld nahm sich die Landkarte her, um seinen Plan ganz systematisch umzusetzen. Er begann im Norden der Region, der Gegend um Marienmünster. Jeden Sonntag das Jahr über wollte er sich einen Ort vornehmen und eventuelle Kapellen dort aufsuchen. Er richtete es sich so ein, dass er stets zum Sonntagsgottesdienst am Ort war. Nach der Messe gesellte er sich zu den älteren Damen, damit die ihm etwas von den Kapellen am Ort erzählen könnten. Meist hatte er Erfolg mit seinen Recherchen. Viele fuhren sogar mit, um ihm die Kapellen zu zeigen. Oder sie beschrieben ihm den Weg. Und wenn er dann des Mittags an einem Bauernhof anklopfte, zu dem eine Kapelle gehörte, holten der Bauer oder die Bäuerinnen stets den Opa vom Sofa, weil der die Geschichte noch am besten wisse. Einen Ort und zwei Kapellen pro Besuch, das hatte sich Bordfeld vorgenommen. Aber in Ovenhausen beispielsweise boten sich ihm gleich sieben Kapellen an. Da musste er eben mehrmals hinfahren.
Neun Monate lang, vom Winterende bis zum Spätherbst 2010 zog Bordfeld so mit „Kapellenhund Joschi“ durch die Höxterschen Lande, bis er seine Kapellen zusammen hatte. „Jetzt kenn ich die Gegend in- und auswendig“, meint der inzwischen in Gehrden ansässige Fotospezialist. Und versichert. „Ich weiß jetzt, wie schön unsere Heimat ist und will gar nicht mehr in die Fremde reisen.“ Noch schneebedeckt und in voller Frühjahrsblüte durchreiste er das Weserbergland, fotografierte Kapellen im Herbstlaub und in der gleißenden Sommersonne. Die einen waren tief versteckt im Wald errichtet, die anderen weithin sichtbar auf den Höhen erbaut. Und überall fanden sich gläubige Menschen, treue ältere Dorfbewohnern, die die heiligen Orte pflegten, sauber hielten, mit Blumen bepflanzten und auch ihre stillen Gebete dort sprachen. Wobei, wie Bordfeld herausfand, das Kapellennetz im Norden, zwischen Steinheim und Höxter, dichter geknüpft ist als im Süden, in der Warburger Börde.







