Dietmar Bach fährt zum 25. Mal nach Lourdes
Jede Wallfahrt ist einzigartig
Rüthen-Kallenhardt. Wenn er es möchte, dann kann er die anderen einfach ausblenden. Dann sieht Dietmar Bauch die zahllosen Pilger und Touristen gar nicht mehr. Steht ganz alleine im Heiligenbezirk von Lourdes. Und spricht zur Muttergottes. Ganz vertrauensvoll und erfüllt mit Dankbarkeit. Denn durch sie überwand er einst seine tiefste Lebenskrise. Seitdem fährt er jedes Jahr zur Jungfrau Maria. In diesem Mai bereits zum 25. Mal.
von Birger Berbüsse
„Ein Marienverehrer bin ich schon immer gewesen“, sagt Dietmar Bauch über sich selbst. Zwei Menschen haben ihn dabei besonders geprägt: sein damaliger Pastor zu Messdienerzeiten in Warstein und seine Mutter. Besonders durch sie sei er zur Marienverehrung gekommen. Mit ihr betete er täglich zur Gottesmutter, baute ihm Mai einen Marienaltar auf, ging die Prozessionen mit, betete den Rosenkranz. „Zu Maria konnte ich immer sprechen wie zu einer Mutter“, beschreibt der Bäckermeister seine enge Verbindung zu ihr.
Seine eigene, psychisch kranke Mutter jedoch nahm sich Anfang der 80er-Jahre das Leben. Und das warf Dietmar Bauch völlig aus der Bahn. „Daran wäre ich fast kaputt gegangen“, blickt der großgewachsene, kräftige Mann mit leiser Stimme zurück. Doch dann riet ihm seine Frau: „Fahr doch mal nach Lourdes.“ Diesen Rat nahm ihr Mann an und fuhr mit einer Pilgergruppe in den französischen Wallfahrtsort. „Mit Zweifeln und durchaus skeptisch“, gibt er ganz offen zu. Das habe sich aber nach seiner Ankunft schnell gelegt. Lourdes selbst, die Menschen, die Atmosphäre, all das schlug den damals 35-Jährigen in ihren Bann. Seine eigenen Probleme traten angesichts der Leiden, die er zu sehen bekam, dagegen schnell in den Hintergrund. „In den ersten Tagen konnte ich überhaupt nicht für mein Anliegen bitten“, sagt Dietmar Bauch. Doch an seinem letzten Tag in Lourdes wagte er es doch – „Und nach diesem Tag ging es mir wirklich besser!“
Von einem Wunder will er zwar nicht sprechen, aber in ihm sei wirklich etwas geschehen, seine Last war weg. Im nächsten Jahr fuhr er wieder hin. Diesmal, nicht um zu bitten, sondern um zu danken. So wurde die Fahrt nach Lourdes für den Kallenhardter zur Tradition. „Routine ist es aber nicht“, darauf legt er Wert. Schließlich sei jede Wallfahrt einzigartig. Er muss es wissen.
In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten hat Dietmar Bauch in Lourdes viele Kontakte geknüpft, Freundschaften geschlossen und Menschen geholfen. Jedes Jahr kümmert er sich an einem Tag um einen Behinderten. Er unterstützt seine Pilgergruppe als Fahnenträger, Lektor, Messdiener oder hält auch mal eine Andacht. In erster Linie fahre er zwar als einfacher Pilger nach Lourdes. „Ich sehe es aber auch als meine Aufgabe, andere Menschen auf diesem Weg zu begleiten“, so Bauch. Weshalb er auch in seiner Heimat kräftig die Werbetrommel für die Muttergottes rührt, mit Filmvorführungen, Vorträgen und Ratschlägen. Mehr als 300 Menschen hat er so über die Jahre schon zu Maria mitgenommen.
Dabei, das sagt der Marienverehrer selbst, könne man der Jungfrau Maria auch zu Hause seine Bitten und seinen Dank vortragen. „Aber das Gefühl an der Grotte in Lourdes ist ganz anders“, schwärmt Dietmar Bauch von seinen dortigen Erfahrungen. Warum genau, das vermag er nicht zu sagen: Lourdes könne nicht erklärt, sondern müsse gespürt werden. Dann versucht er es doch: „In Lourdes spürt man, dass der Himmel die Erde berührt hat“
Auf dieses Gefühl freut er sich auch in diesem Jahr. Am 18. Mai geht Dietmar Bauch wieder auf Wallfahrt. Dieses Jahr will er Maria vor allem für eine Sache danken: „Dass ich 25 Jahre hintereinander herkommen durfte!“ Um etwas bitten wird er aber auch: „Dass noch einmal genauso viele Jahre in Lourdes hinzukommen.“







