Kommentar
Im Deutschtest durchgefallen
Seit Anfang des Monats haben Ausländer, die einen deutschen Pass möchten, die Chance auf einen Einbürgerungstest. Eine Bielefelder Gesamtschule hat ihn genauso getestet wie ein bundesdeutsches Fernsehpublikum. Mit niederschmetternden Ergebnissen.
Christian Schlichter (44) ist Chefredakteur des DOM
Im Deutschtest durchgefallen. Peinlicher geht es nicht. Die Ergebnisse des Einbürgerungstestes sind ernüchternd. Schüler einer zehnten Gesamtschulklasse aus Bielefeld stöhnten über den Fragen. Dabei waren es nicht einmal die „Ausländer“ in der Klasse, die die meisten Schwierigkeiten mit den Fragen rund um Staat und System hatten. Doch auch ein erwachsenes Fernsehpublikum stellte sich in der vergangenen Woche nicht immer besser an.
Dabei ging es doch nur um eine Kleinigkeit: Zu wissen, wie das Land und die Demokratie, in der jeder lebt, funktioniert. Zu wissen, aus welchen Werten und Prinzipien heraus das deutsche Staatswesen gelingt. So erfolgreich, dass es bereits seit über 60 Jahren keinen Krieg mehr gab.
Ein Modell also, auf das jeder stolz sein sollte. So stolz sogar, dass es den Kindern nicht mühsam im Politikunterricht beigebracht werden muss, sondern zur familiären Allgemeinbildung gehört.
Sicher, der Traum vom mündigen aufgeklärten Bürger ist eine Illusion. Aber vielleicht hat das Problem der Deutschen mit ihrer Identität, mit Stolz und Nationalität auch damit zu tun, dass sie sich nicht für ihren Staat interessieren. Vielleicht resultieren Gewalt und Vandalismus auch daher, dass Werte wie Achtung und Würde, die im Grundgesetz vorkommen, nicht mehr bekannt sind. Nichts mehr gelten. Da sind dringend Nachhilfestunden nötig, nicht nur für Kinder.






