Aktuelle Ausgabe
2012-20

37. Begegnung der Künstler in Schwerte diskutierte über Sakralräume als Sehnsuchtsorte

Großes Lob aus dem Vatikan

Diskussion mit Diözesanbaumeisterin Emanuela von Branca, Prof. Eckhard Frick, Dr. Michaela Stoffels (Moderation) sowie den Architekten Cordula Rau und Rainer Fisch (v. li.). Fotos: Nückel

Schwerte. Zum 37. Mal fand am vergangenen Wochenende die Begegnung der Künstler in der Katholischen Akademie Schwerte statt. Etwa 130 Kunstschaffende hatten sich eingefunden, um über Sakralräume als Sehnsuchtsräume zu diskutieren. Doch einen kleinen Paukenschlag im positiven Sinn gab es schon beim Grußwort von Monsignore Gergely Kovacs. 

von Matthias Nückel 

„Ich bin hier, um zuzuhören und zu lernen“, sagte Kovacs. Der Büroleiter des Päpstlichen Kulturrats fügte hinzu: Er werde die Erkenntnisse aus Schwerte mit nach Rom nehmen und dort weitergeben. Die Bemühungen um den Dialog zwischen Kunst und Kirche in Deutschland – sei es die Begegnung der Künstler im Erzbistum Paderborn oder der Aschermittwoch der Künstler in anderen Diözesen – sind für Kovacs vorbildlich.

Papst Benedikt XVI., so versicherte Kovacs, sei sehr am Dialog mit der Kunst interessiert. „Es stimmt nicht, dass die Kirche kein Ohr für die Kunst hat“, betonte der Monsignore. „Wir wollen die Tür öffnen.“ Und dann machte Kovacs den Kunstschaffenden Mut, ihrerseits die Initiative zu ergreifen: „Beide Seiten sollten an der Tür ziehen, um sie weiter zu öffnen!“

In seiner Predigt beim Abschlussgottesdienst stellte Erzbischof Hans-Josef Becker die Gemeinsamkeiten von Kirche und Kunst heraus. Der jüdische und der christliche Glaube hätten sich immer auch künstlerisch geäußert, betonte er. Eine kunstvergessene Christenheit würde kaum vermuten lassen, dass sie auf einen herrlichen Bräutigam wartet, nämlich auf den wiederkommenden Christus.

Künstlerisches Schaffen brauche aber immer auch die Rückkopplung an die Quellen des Glaubens, mahnte der Erzbischof. Am Anfang der Kunst stehe das – wie auch immer geartete – Bemühen um einen lebendigen Kontakt zu Gott.

Die Verbindung von Religion und Kunst machte Akademiedirektor Dr. Peter Klasvogt in seiner Begüßung ebenfalls deutlich. Wo die Machbarkeit aufhöre, sei der Raum für Sehnsucht, meinte er und fügte hinzu: „Das ist die Stunde des religiös Begabten und die Stunde des Künstlers.“

In Vorträgen und in einer Podiumsdiskussion wurde das Thema der Tagung „Kirchen als Sehnsuchtsräume“ erörtert. Der Berliner Architekt Rainer Fisch betonte, Sakralräume seien Sehnsuchtsräume. Das zeige sich etwa im Engagement, dass kirchlich nicht Gebundene für die Erhaltung von Kirchen aufbrächten. „Bei der Gestaltung von anderen Sehnsuchtsräumen greifen Architekten oft auf Sakralarchitektur zurück“, machte Fisch deutlich.

Der These Fischs, dass ein Raum zum Sehnsuchtsraum werde, wenn man sich darin besser fühle, widersprach Prof. Dr. Eckhard Frick SJ. Er meinte, ein sakraler Raum sei auch ein Raum des Konfliktes, der Konfrontation und der Trauer. Der Sakralraum müsse eben nicht nur Raum zum Wohlfühlen sein.

Kritisch setzten sich einige Diskussionsteilnehmer mit modernen Kirchbauten auseinander. „Wenn ich eine Kirche vor mir habe, die aussieht wie eine Turnhalle, dann bekomme ich keine Erfahrung einer anderen Wirklichkeit“, betonte Architekt Fisch. Eine Kirche dürfe nicht banal sein.

Es gebe jedoch Kirchen, die banal seien, stimmte Diözesanbaumeisterin Emanuela von Branca zu. „Heute fehlt oft die Sorgfalt, warum der Altar hier oder eine Figur dort steht“, kritisierte sie. Bei der Gestaltung von Kirchen müsse es zwar auch einen Freiraum geben. Doch dieser dürfe nicht zur Banalisierung führen. „Deshalb ist die Sorgfalt nötig“, betonte von Branca.

Professor Frick fügte hinzu: „Eine Kirche muss explizit religiös sein.“ Und der Jesuit stellte fest: „Die Kirche muss mit dem Heiligen konfrontieren.“ 


23.05.2012
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