Aktuelle Ausgabe
2012-5

Einzigartiges Denkmal in Lemgo soll Möglichkeit zur Trauer bieten

Gräber in der Ferne

Dr. Valentina Bidlingmeier, Bürgermeister Dr. Reiner Austermann, Pastor Matthias Altevogt und die Lemgoer Steinbildhauerin Carolin Engels (v.l.) präsentieren erste Elemente des Kunstwerks.

Lemgo. Für Initiator Pfarrer Matthias Altevogt von der Lutherischen Marien-Gemeinde ist es ein Integrationsprojekt, für die Künstlerin Carolin Engels „alles andere als eine Routinearbeit“. Beide engagieren sich auf ihre Weise für ein „als bislang einzigartig“ bezeichnetes Projekt: „Gräber in der Ferne“.

von Hubertus Ebbesmeyer 

Es geht um ein Denkmal gleichen Namens, das im Frühjahr 2011 auf dem Friedhof Rintelner Straße symbolträchtig unter einer Birke seinen Platz erhalten soll. „Es ist menschliches Bedürfnis und Verpflichtung zugleich, die Gräber unserer Verstorbenen aufzusuchen, um sich zu erinnern, um die Toten zu ehren, um bleibende Liebe und Verbindung auszudrücken“, sagt Pastor Altevogt. Jeder Mensch brauche einfach einen Ort zum Trauern.

Doch was, wenn verstorbene Angehörige und Freunde weit weg von hier bestattet sind? „Das erleben wir, wenn Tote in anderen Teilen der Republik bestattet sind, sowie bei Studenten, Vertriebenen, Spätaussiedlern und Gastarbeitern“, sagt Altevogt.

Um dennoch einen Ort des Gedenkens zu haben, hat sich der Arbeitskreis „Gräber in der Ferne“ für ein Denkmal entschieden. Eine Jury hat den Entwurf der Lemgoer Steinmetz- und Steinbildhauerin Carolin Engels erwählt.

Ihre Arbeit besteht aus vier quadratischen Steinplatten mit den Maßen 90 mal 90 mal 13 Zentimetern, die waagerecht und senkrecht zu einer ausgewogenen Form in einander gesteckt werden. „Zwei dieser Platten aus Anröchter Kalkstein liegen dabei aufeinander und bilden im unteren Bereich Öffnungen, in die Blumen und Kerzen gestellt werden können“, beschreibt die Künstlerin.

Für die Öffnungen des „Tisches“, der als eine Art Altar angesehen wird und auf den man ebenfalls Dinge ablegen kann, hat Carolin Engels das Symbol eines Hauses gewählt.  „Dieses steht für Heimat, Geborgenheit, Familie und Schutz“, sagt sie mit Blick auf ihr Werk, das auch Textelemente enthalten wird.

„Ihre Gräber sind fern oder unbekannt“, heißt es auf einer Seite, „Für unsere Lieben. Hier wollen wir ihrer gedenken“, auf einer anderen. Auch das Wort: „Fasse meine Tränen in deinem Krug. Ohne Zweifel, Du zählst sie“ aus Psalm 56,9 wird bald zu lesen sein. Das Kunstwerk kann von allen Seiten erschlossen werden.

Neben dem Denkmal soll eine weitere Platte auf dem Boden angeordnet werden. „Mit einer runden Öffnung in der Mitte, in die man Heimaterde einwerfen kann“, erklärt Pastor Matthias Altevogt.

„Das Innovative des Projekts und seiner Ausführung ist die bewusste Öffnung für alle Bürgergruppen“, engagiert sich auch Bürgermeister Dr. Reiner Austermann für „Gräber in der Ferne“. Es freut ihn, dass das Vorhaben auf breiten Füßen stehe. Evangelische Gemeinden, katholische und freikirchliche, Mennoniten, „Zusammenarbeit mit Osteu ropa“ e.V. (ZMO), die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, der Verein „Freundschaft – Drusba“, Lippische Landeskirche, Erzbistum Paderborn, das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium sowie ein Türkischer Arbeiterverein unterstützen das Projekt ebenso wie die Alte Hansestadt Lemgo. „Das Beste ist, dass das Denkmal für alle Menschen ist“, sagt Dr. Valentina Bidlingmeier von ZMO.

„Noch allerdings gibt es ein kleines Problem“, müssen Bürgermeister Austermann und Pastor Altevogt zugeben. „Das sich aber mit Geld lösen lässt“. Von den Gesamtkosten in Höhe von 11500 Euro seien erst 1500 Euro eingegangen. Die Initiatoren sind ob der breiten Unterstützung aber zuversichtlich, dass auch das restliche Geld bald zur Verfügung steht.

Spenden sind möglich auf das Konto 1677 bei der Sparkasse Lemgo (BLZ 482 501 10).

Infos unter: www.marien-lemgo.de/graeber-in-der-ferne

 


04.02.2012
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