Aktuelle Ausgabe
2012-20

Neue Küche, neuer Anstrich: Häftlinge renovierten die „Kirche“ in der Justizvollzugsanstalt Detmold

Gottesdienstraum hinter Gittern

Die Gefängnisseelsorger Lothar Dzialdowski (l.) und Harald Blümel im frisch renovierten Kirchenraum der JVA Detmold. Das Kreuz fertigten die Häftlinge aus der alten Wandvertäfelung des Versammlungsraums. Foto: Müller

Detmold. Schlichter PVC-Fußboden, niedrige Decken, vergitterte Fenster – die „Kirche“ in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Detmold ist eher zweckmäßig als schön. Trotzdem hat sie alles, was zum Gottesdienst dazugehört: Altar, Kreuz, Orgel – selbst ein Weihwasserbecken für katholische Häftlinge ist vorhanden. Seit Ostern erstrahlt der Raum zudem in neuem Glanz: Häftlinge der JVA haben ihn renoviert. 

von Kay Müller 

Zwei Monate lang wurde unter Anleitung von Burkhard Dohmann (Leiter der Arbeitstherapie in der JVA) gewerkelt, um die Kirche hinter Gittern auf Vordermann zu bringen. So wurde eine separate Küche eingebaut, die künftig für Kochprojekte und andere Gruppenangebote genutzt werden soll. Der katholische Gefängnisseelsorger Lothar Dzialdowski und sein evangelischer Kollege Pfarrer Harald Blümel freuen sich über die neuen räumlichen Möglichkeiten: „In den acht Jahren, in denen ich hier Gefängnisseelsorger bin, wurde hier noch nichts verändert. Insofern wurde es mal Zeit für eine Renovierung“, so Dzialdowski.

Die „Kirche“ in der JVA Detmold ist liturgischer Raum und Treffpunkt zugleich: Sonntags wird dort Gottesdienst gefeiert, an anderen Tagen treffen sich die Häftlinge dort auch schon mal zum Karten spielen oder zu anderen Gruppenangeboten. So gibt es einmal in der Woche einen Gesprächskreis, einmal im Monat stehen biblische Themen im Mittelpunkt. „Im Rahmen der Reihe ,Kirchen und Kino‘ zeigen wir hier zum Beispiel aber auch Filme, die christliche Werte vermitteln sollen“, erklärt Dzialdowski.

Die Angebote der Gefängnisseelsorge würden im Haus gut angenommen, sagt Häftling Dirk Klein, der an der Renovierung beteiligt war: „Die Gefangenen haben eine sehr feine Antenne für Glaubensfragen. Jeder braucht hier drinnen etwas, an dem er sich festhalten kann.“ Klein selbst hat sich im Gefängnis taufen lassen. Den regelmäßigen Gottesdienstbesuch braucht er, um abschalten und zu sich finden zu können. „Das ist genau wie bei den Menschen draußen, nur hier drinnen vielleicht noch ein bisschen extremer“, sagt er.

Etwa 20 bis 30 Häftlinge kommen zu den Sonntagsgottesdiensten. Bedenkt man, dass in Detmold etwa 160 Gefangene leben, erreichen Dzialdowski und Blümel damit eine Quote, die manchen Gemeindepfarrer blass vor Neid werden lassen könnte. Ein weiterer Unterschied zur Kirche „draußen“ ist das enge ökumenische Miteinander: Die Gottesdienste werden im wöchentlichen Wechsel mal katholisch, mal evangelisch gefeiert. „Für die Gefangenen spielt die Konfession aber ohnehin keine Rolle“, weiß Harald Blümel. Neben seiner halben Stelle in der JVA hat der Pfarrer der Lippischen Landeskirche noch eine halbe Stelle als Gemeindepfarrer in Extertal. Da begegnen einem mitunter harte Kontraste: „Hier im Gefängnis ist eine ganz andere Welt“, so Blümel.

Positive Erfahrungen wie die Kirchenrenovierung lassen die Seelsorger erkennen, dass ihre Arbeit auch außerhalb der Gefängnismauern geschätzt wird. So wurde die Renovierung von den beiden Kirchen, dem Land NRW und dem Freundeskreis der Gefängnisseelsorge e.V. in Detmold finanziell unterstützt. Auch ein ortsansässiger Baustoffhändler und mehrere Einzelspender zeigten sich großzügig. „Sogar ein Gefangener selbst hat einen Beitrag dafür gespendet“, freut sich Dzialdowski.

 

 


23.05.2012
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