Aktuelle Ausgabe
2012-20

Glaubenskurs für Gefangene in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Werl

Glauben hinter Gittern

Nach den Kursen blieb noch Zeit für Persönliches: Die beiden evangelischen Pfarrer Rolf Stieber und Adrian Tillmanns, Diplom-Theologe Theo Halekotte und der katholische Pfarrer Ryszard Krolikowski (v. l.) im Gespräch mit zwei Inhaftierten. Foto: Berbüsse

Werl. Eine große Kapelle, ein schönes, warm leuchtendes Altar-Bild – und vergitterte Fenster. In einem Stuhlkreis vor dem Altar sitzen rund 40 Männer und wenige Frauen zusammen. Die meisten Männer tragen Turnschuhe, Jogginghosen, Kapuzenpullis: Knastkleidung. Auf den oft kräftigen Unterarmen blitzen zahlreiche Tätowierungen hervor. Alles „harte Jungs“, die lange Haftstrafen zu verbüßen haben. Doch sie alle nehmen an einem Glaubenskurs teil, feiern gerade den Abschlussgottesdienst in der Kapelle der JVA Werl.

von Birger Berbüsse

So mancher Aussentehende wäre überrascht, könnte er die Häftlinge an diesem Donnerstagabend sehen: Sie singen Kirchenlieder, lauschen andächtig den Worten der Seelsorger. Die fassen noch einmal zusammen, was die Gefangenen in den Wochen zuvor gemeinsam erarbeitet haben. Viermal kamen sie in zwei Gruppen zum Glaubenskurs „Stufen des Lebens – Quellen, aus denen Leben fließt“ zusammen. Dort – so das Ziel – sollten sie entdecken, wie biblische Texte für ihre Lebensstufen Bedeutung gewinnen können. Nach 2006 war es bereits das zweite Mal, dass ein solcher Kurs in der Werler JVA angeboten wurde. Angeregt worden war die Aktion von den beiden katholischen Seelsorgern Pfarrer Ryszard Krolikowski und Diplom-Theologe Theo Halekotte. Über die beiden evangelischen Seelsorger der Anstalt Rolf Stieber und Adrian Tillmanns war dann Kontakt zu einem solchen Kursanbieter aufgenommen worden. „Das war für uns das erste Mal, dass wir einen Glaubenskurs im Gefängnis angeboten haben“, sagt Pfarrer Kuno Klinkenborg, „also war es auch für uns ungemein spannend.“ Aufgrund der überraschend großen Resonanz habe der Kurs sogar in zwei Gruppen aufgeteilt werden müssen. Die zweite Gruppe wurde von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Iris Antepoth übernommen.
Sie fasst gerade in ihrer Predigt für die Gefangenen noch einmal zentrale Aussagen des Kurses zusammen: „Jesus ist für uns gestorben, aber auch auferstanden“, spricht sie mit sanfter Stimme. „Auch uns will er im Leben ein Wegbegleiter sein“, verweist sie auf den biblischen Gang nach Emmaus. Aber auch das Gleichnis vom Sämann spielte in dem Seminar eine besondere Rolle. „Jesus hat sich ja selbst in dieses Bild, dieses Gleichnis eingebaut“, erklärt Kuno Klinkenborg den Inhaftierten. So streue er „das Wort Gottes in unser Leben ein – manche landen zwar auf Felsen, aber manche fallen eben auch auf fruchtbaren Boden und gehen auf“. Zum Ende des Gottesdienstes wird den Gefangenen noch angeboten, sich persönlich segnen zu lassen. Zu sanfter, meditativer Musik gehen Pfarrer Klinkenborg und Iris Antepoth an den Männern entlang und sprechen jedem Einzelnen auch persönliche Worte zu. Die Gefangenen wirken in diesem Moment ehrlich bewegt.
Einer von ihnen ist Fabian Dammsel (Name von der Redaktion geändert). Der 29-Jährige verbüßt eine lebenslängliche Haftstrafe. Im Knast hat er zu Gott gefunden und bezeichnet sich selbst als „ganz bewusst katholisch“. Am Kurs hat er aus reiner Neugier teilgenommen und ist begeistert. „Das war sehr emotional, viele haben sich hier wiedergefunden“, glaubt er. Durch den Kurs habe er aus dem Knast-Alltag ausbrechen können. Der holt die Gefangenen aber früh genug wieder ein, denn um halb neun müssen alle wieder in ihren Zellen sein. Einschluss. Doch durch den Kurs wissen sie: Allein sind sie nicht.


23.05.2012
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