Ende einer Odyssee: Generalvikar Alfons Hardt segnet Figur an der St.-Hedwigs-Kapelle Oerlinghausen
Gipsengel erinnert an die Nähe Gottes
Oerlinghausen. Hundert Augenpaare richten den Blick nach oben, als Generalvikar Alfons Hardt die segnenden Worte spricht. Im Blick haben die Gläubigen einen vor fünf Jahrzehnten vom Oerlinghauser Bildhauer Bruno Buschmann erschaffenen Engel.
von Karin Prignitz
Bereits im Oktober vergangenen Jahres war der 350 Kilogramm schwere himmlische Wächter mit Hilfe eines Krans über die hohen Baumwipfel hinweg Richtung St.-Hedwigs-Kapelle am Ende der Hermannstraße geschwebt. Einige Meter über dem kleinen Gotteshaus hat er nun einen würdigen Platz gefunden – und in der Zwischenzeit sogar ein schützendes Dach über dem Kopf erhalten.
Ein Muss, wie Bruno Buschmann betont, denn schließlich ist sein Engel aus Gips geformt. „Deshalb war er in der Zwischenzeit auch gut verpackt.“ Nachdem der 82-Jährige noch einmal viele Stunden lang künstlerische Hand angelegt, Hände, Füße, Hals und Flügel in ihre ursprüngliche Form gebracht, den Engel imprägniert und ihn wegen der Proportionen 50 Zentimeter höher hat ziehen lassen, erstrahlt er in neuem, erhabenen Glanz. Jetzt hält er auch das Buch der Bücher in seinen Händen und schaut zuversichtlich zu den vielen Menschen hinunter, die zum offiziellen Festakt gekommen sind.
„Der Engel erinnert uns an die Nähe Gottes“, meint Alfons Hardt, und einer fühlt sich ganz besonders angesprochen: Josef Engel, der Vorstandsvorsitzende des Hedwigs-Hauses. „Eine seltsame Fügung.“
Derweil erinnert Dr. Johannes Stefan Müller, der Leiter des St.-Hedwigs-Hauses, noch einmal an die lange Geschichte des Gips-Engels. Bruno Buschmann hatte ihn vor 50 Jahren nach den Plänen von Professor Arnold Rickert geformt – eigentlich für den Neubau einer evangelischen Kirche im Ruhrgebiet. Daraus wurde jedoch nichts. Nachdem er Jahrzehntelang im Atelier von Rickerts Kollegin Eva Limberg aufbewahrt wurde, flog er zurück zu Bruno Buschmann in die Bergstadt.
Dort wurde schließlich Johannes Müller auf die Figur aufmerksam. „Manchmal muss man einen langen Atem haben.“ Müller dankt nun allen, die mitgeholfen haben, allen voran den Mitarbeitern von „euwatec“.
Der gemeinnützige Träger führt Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte für arbeitslose Jugendliche und langzeitarbeitslose Erwachsene in Ostwestfalen-Lippe durch. Der aktuelle Einsatz ist fast beendet. Nach den aufwendigen Vorarbeiten, zu denen die stählerne Konstruktion in Form einer Sieben gehört, an der der Engel hängt, sind Trockenmauern gebaut und heimisches Gehölz gepflanzt worden. Euwatec-Anleiter Bernd Zeisberg verweist auf den hohen ökologischen Wert.
Den unvergleichlichen Wohnwert hat seit einigen Tagen eine Schwarzdrossel entdeckt. „Sie hat ihr Nest unter dem Dach des Engels gebaut“, erläutert Zeisberg. Bruno Buschmann will seinen Engel aufmerksam im Auge behalten. Und er hat einen großen Wunsch: „Dass er irgendwann mal in Bronze gegossen wird. So, wie es ursprünglich vorgesehen war.“







