Aktuelle Ausgabe
2012-20

Tourismusregion Südwestfalen und Kirchen bieten Spirituelles im Urlaub

Gesundheit für die Seele

Für jeden zweiten Bundesbürger zählt der Besuch von Kirchen und Klöstern laut der Studie „Religion und Tourismus“ zu den beliebtesten Urlaubsaktivitäten. Jeder 20. ist während des Urlaubs auf der Suche nach religiösen und spirituellen Erfahrungen. Diesen Trend wollen Kirchen, Tourismus-Management und weitere Beteiligte in Südwestfalen nutzen. Mit dem Projekt „Wege zum Leben. In Südwestfalen“ soll der spirituelle Tourismus in der Region gefördert werden.  

von Matthias Nückel   

Noch ist es Zukunftsmusik: Ein Wanderer ist auf dem Rothaarsteig im Sauerland unterwegs. Er macht Halt, um die schöne Aussicht zu genießen. Passend zum Ausblick bekommt er Psalmenverse auf sein Handy. Das Natur-erlebnis erhält auf diese Weise eine spirituelle Dimension. 

„Wenn jemand beim Fernblick zwei Sätze aus einem Psalm erhält, regt das vielleicht dazu an, später den ganzen Psalm zu lesen“, meint Theo Richter, Referent im Dekanat Hochsauerland-Mitte. Und er fügt hinzu: „Unsere Botschaft hat sich nicht verändert, aber wir versuchen, neue Wege zu gehen.“ Nicht in Traditionen steckenbleiben, sondern zeitgemäß auf die Menschen zugehen möchte auch Hubertus Schmidt, Geschäftsführer der Tourismus-Information Schmallenberger Sauerland. „Über die Natur als spirituelles Erlebnis können wir auch jene gewinnen, die keiner Religion nahestehen oder die sich von ihrer Religion entfernt haben“, ist die Kulturwissenschaftlerin Susanne Falk überzeugt. 

Sogenannte „niederschwellige“ Angebote sollen den Menschen bei „Wege zum Leben“ gemacht werden. Dabei wird Altes mit Neuem verbunden. „Wir müssen nicht unzählige neue Ideen umsetzen, sondern wir wollen die Schätze, die wir haben, in ein neues Licht rücken“, meint Richter. Das Vorhandene könne so präsentiert werden, dass Menschen einen Zugang zu Gott und zu Fragen des Glaubens finden. „Aber es wird auch Neues geben, etwa eine Lichtinstallation über dem Kreuzweg in Wormbach, das Angebot einer Zen-Meditation auf dem Rothaarsteig oder einen Kreuzweg des 21. Jahrhunderts“, ergänzt Falk. 

Was jetzt mit so viel Elan angegangen wird, hat vor gut zwei Jahren begonnen. Damals wurde in Wormbach über die Schaffung eines „Mythenweges“ nachgedacht. Richter und Schmidt wurden zur Vorbesprechung eingeladen. „Wir hatten schnell das Gefühl, das sei zu klein gedacht“, erzählt Schmidt rückblickend. Als die regionalen Prozesse in Nordrhein-Westfalen entstanden, wurde die Idee geboren, den ganzen südwestfälischen Raum in den Blick zu nehmen. 

Rasch fanden beiden Initiatoren Mitstreiter. „Plötzlich machten sechs Dekanate mit“, so Richter. Die evangelische Kirche ist nun ebenso beteiligt wie die Abtei Königsmünster in Meschede, die katholische Bildungsstätte St. Bonifatius in Elkeringhausen, Tourismusverbände in der Region, der Sauerländische Gebirgsverein, der Sauerländer Heimatbund oder der Kreisheimatbund Olpe. 

Unterstützt wird „Wege zum Leben“ auch vom Erzbistum Paderborn. „Ab dem nächsten Jahr wird es eine Projektstelle Pilgern und Wallfahrten geben, die mit einer Gemeindereferentin besetzt wird“, erläutert Richter. Zudem sei ein Pilgerzentrum in Wormbach im Gespräch. „Wormbach soll Mittelpunkt der Gesamtidee werden“, so Schmidt. 

„Wege zum Leben“ ist nach Richters Worten auch im Zusammenhang mit der „Perspektive 2014“ des Erzbistums zu sehen: „Wir wollen neue pastorale Orte ins Spiel bringen – sowohl für Gäste wie auch für Einheimische.“ 

Alle Beteiligten sind davon überzeugt, dass die Kulturlandschaft Südwestfalen viel zu bieten hat: Kirchen und Kapellen, Bildstöcke und Kreuzwege, aber auch Synagogen, Moscheen und Orte buddhistischer Spiritualität. „Es kommt uns entgegen, dass hier im Sauerland noch vieles vorhanden ist“, stellt Kulturwissenschaftlerin Falk fest. Dies werde einbezogen, weil es „Authentizität“ schaffe. „Es ist nun einmal etwas anderes, wenn der Bauer in Wormbach die Kirche erklärt, oder ob dort nur ein Flyer ausliegt“, nennt Richter ein praktisches Beispiel. 

Nicht zuletzt sollen auch besondere Orte in der Natur, etwa Aussichtspunkte an Landschaftsgrenzen oder symbolhafte Landschaftselemente wie Berge, Bäume und Gewässer als Möglichkeiten spiritueller Erlebnisse im Konzept ihren Platz haben. Ein solcher Ort ist der Skulpturenweg auf dem Rothaarsteig. So bietet sich die Skulptur „Stein – Zeit – Mensch“ von Nils-Udo für eine Meditation an. Der Stein zeigt Zeitlosigkeit auf, der Mensch – befindet er sich in diesem Monument – erfährt seine Zeitlichkeit, heißt es in der Beschreibung des Werkes. „Es soll sich aber nicht nur alles um den Rothaarsteig drehen“, stellt Theo Richter klar. „Auch andere Wege in der Region werden einbezogen.“ Damit das Gesamtprojekt auf einem möglichst großen Fundament steht, wird es drei Regionalkonferenzen geben. „Dazu sind alle Menschen eingeladen, die Interesse haben, mitzumachen“, betont Richter (siehe Infokasten).  

Während vieles noch Zukunftsmusik ist – wie etwa der Impuls auf‘s Handy – haben die Initiatoren von „Wege zum Leben. In Südwestfalen“ in diesem Sommer schon auf kleiner Flamme begonnen. Es gab einen Prospekt, in dem auf religiöse Veranstaltungen 2011 in der Region hingewiesen wurde. „Im nächsten Jahr gibt es dann spirituelle Tage im Sommer“, berichtet Susanne Falk. Zehn Tage soll die Veranstaltung dauern. 2013, zur „Regionale“ schließlich, wird der „Spirituelle Sommer“ durchgeführt. 

Danach soll das Programm dauerhaft sein. „Wir wollen Öffentlichkeitsarbeit betreiben, zum Beispiel ein Heft mit allen Angeboten erstellen“, sagt Falk. Ein Ziel sei es, auch Angebote zu schaffen, die mit dem Urlaub gebucht werden können. „Es geht uns darum, die Veranstaltungen zu bündeln und einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen“, betont Schmidt. 

Der Bedarf nach Spiritualität im Urlaub ist vorhanden, ist sich der Tourismus-Manager sicher. „Auch wenn die Kirche derzeit nicht ganz oben auf der Popularitätsskala steht, so gibt es mehr und mehr Menschen, die auf der Suche sind, die mit der immer schnelleren Gesellschaft nicht mehr klarkommen“, meint Hubertus Schmidt. Im Tourismus gebe es immer mehr Gesundheitsangebote, die jedoch meist mit weißen Kliniken verbunden seien. Dagegen setzt Schmidt auf die präventive Form: „Wir bieten mit ,Wege zum Leben‘ Gesundheit für die Seele.“

 

Jeder kann mitmachen 

Beim Projekt „Wege zum Leben. In Südwestfalen.“ kann jeder mitmachen, ob Einzelperson, Pfarrgemeinde oder Gruppe. Bei drei Regionalkonferenzen besteht die Möglichkeit, die Initiative kennen zu lernen und sich einzubringen. Die Termine:  

27. Sept. 2011, 18.00 Uhr: Evangelische Tagungsstätte Haus Nordhelle,  Meinerzhagen, Zum Koppenkopf 3.

6. Okt. 2011, 18.00 Uhr: Pfarrheim St. Marien, Olpe, Günsestraße 8.

10. Okt. 2011, 18.00 Uhr: Abtei Königsmünster, Meschede, Klosterberg 11.

Anmeldungen unter Tel.: 02972/97400, oder per E-Mail:  info@schmallenberger-sauerland.

 

 


23.05.2012
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