Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Gesetze allein reichen nicht

 

von Andreas Wiedenhaus

 

Das klingt gut: Ein „Nationaler Aktionsplan“ soll nach dem Willen der Bundesregierung die Teilhabe von Behinderten verbessern. Für die Integration in das Arbeitsleben sollen laut Ministerium zusätzlich 100 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren zur Verfügung stehen. Eine „Nationale Konferenz zur inklusiven Bildung“ ist für 2012 angekündigt.

Angesichts der zahllosen Initiativen, Zielsetzungen und Versprechungen in diesem Bereich, die kaum etwas gebracht haben, wundert es nicht, dass es schon reichlich Kritik von Seiten der Behinderten- und Sozialverbände für die gerade veröffentlichten Planungen gegeben hat: Kritisiert wird unter anderem ein „Etikettenschwindel“, weil die 100 Millionen Euro sowieso für die Förderung Behinderter verwendet werden müssten, schließlich stammten sie aus den Ausgleichsabgaben von Unternehmen.

Der Caritasverband vermisst „konkrete Selbstverpflichtungen aller relevanten Akteure“ und pocht in diesem Zusammenhang besonders auf die Umsetzung der Inklusion im Schulsystem.

Geld und Pläne sind das eine. Fraglich bleibt, wieweit sich dadurch die Situation Behinderter wirklich verbessern lässt. Denn die Grundstimmung in unserer Gesellschaft geht in eine andere Richtung: Gefragt ist, wer Leistung bringt – und das nur im materiellen Sinn. Auch an dieser Entwicklung ist die Politik nicht ganz unbeteiligt.

Wie mag das alles in den Ohren derjenigen klingen, die immer noch nicht „mittendrin“ sind, weil sie ganz einfach keinen barrierefreien Zugang zu Kinos, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Rathäusern haben?

 

 


23.05.2012
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