Dekanatsversammlung im Dekanat Märkisches Sauerland zum Thema „Armut“
Gerechtigkeit statt Gnade
Menden-Lendringsen. Knapp 70 Mitarbeiter aus Pfarrgemeinderäten, katholischen Erwachsenenverbänden und der Caritasarbeit der Gemeinden waren der Einladung des Dekanates Märkisches Sauerland gefolgt, um zum Thema „Armut in unserer Gesellschaft – Herausforderung für uns als Kirche und als Christen“ mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen.
Dechant Jürgen Senkbeil begrüßte zur ersten Dekanatsversammlung im neuen Pfarrheim St. Joseph in Lendringsen neben den Gästen besonders den Hauptreferenten Prof. Dr. Martin Heidrich von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster.
In seinem Referat beschrieb Heidrich den Armutsbegriff als „unzureichende gesellschaftlicher Teilhabe“ oder auch als „Ausgrenzung aufgrund wirtschaftlicher Unterversorgung“ und schloss damit Themen wie weltweite Armut, Armut in der Nachkriegszeit und soziale, psychische Armut für diesen Nachmittag aus.
„Armut stellt die unterste und zugleich weitestreichende Form sozialer Benachteiligung dar“, machte Heidrich deutlich. Sie schränke Handlungsspielräume des Menschen gravierend ein und schließe eine gleichberechtigte Teilhabe an den Aktivitäten und Lebensbedingungen der Gesellschaft aus: „Armut hat immer Unterversorgung in wesentlichen Lebenslagen zur Folge.“
Mit dieser Maxime stellte der Referent vor Augen, mit welcher Benachteiligung kinderreiche Familien, Alleinerziehende, Erwerbslose oder auch Familien mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft leben müssen.
Das Armutsrisiko hat laut Heidrich viele Gesichter: „Aber es trifft besonders die Kinder.“ Und genau auf deren Potenzial könne unsere Gesellschaft in Zukunft nicht verzichten. Zum Schluss stellte Heidrich die Frage nach sozialer Gerechtigkeit mit dem Zitat von Lessing: „Ich brauche keine Gnade, ich will Gerechtigkeit.“ Er verwies dabei auf die Grundwerte der katholischen Soziallehre und die deutsche Verfassung mit ihrer Vorstellung von Menschenwürde und sozialer Marktwirtschaft.
In den anschließenden Gesprächskreisen wurde mit weiteren Fachleuten diskutiert: Franz Daniel und Ulrich Klaus stellten sich dem Thema Schule und Bildung, Rüdiger Midasch war Fachmann für Menschen mit Migrationshintergrund, Peter Hötzel vertrat Suchtgefährdete und Joachim Peters Kinder, die unter Trennung und Scheidung ihrer Eltern leiden. Das Team um Pfarrer Brackhane vom Café Vinz berichtete von Menschen, die Armut sichtbar leben.
Zum Ende der Gesprächskreise wurde im Plenum deutlich, wie viel an Unterstützungsdiensten bereits in den Städten Menden, Iserlohn, Hemer und Balve vonseiten der katholischen Träger angeboten wird. Aber es bedarf nach Meinung der Teilnehmer weiterhin der Aufgabe, das Thema „Armut“ in den Gemeinden wachzuhalten: Kirche müsse sich gesellschaftspolitisch für die Benachteiligen einsetzen und öffentlich Standpunkt beziehen. „Es darf uns als Christen nicht egal sein, dass unmittelbar in unserer Nachbarschaft Menschen durch Armut benachteiligt sind und um ihre Menschenwürde kämpfen müssen“, lautete ein Fazit aus der Dekanatsversammlung.
Zum Abschluss wurden diese Gedanken von Dechant Jürgen Senkbeil und seinem Team mit hinein genommen in den Gemeindegottesdienst von St. Joseph, der somit ein Anfang war, das Thema „Armut in unserer Gesellschaft“ in den Pfarrgemeinden wachzuhalten.







