Aktuelle Ausgabe
2012-20

Dekanatspastoralrat Märkisches Sauerland beriet über neue Pastoral

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Sitzung des Dekanatspastoralrates mit Weihbischof Hubert Berenbrinker und Dechant Jürgen Senkbeil. Foto : Nückel

Hemer. Um die Gestaltung der Pastoral in den neuen Räumen ging es bei einer Sitzung des Dekanatspastoralrates Märkisches Sauerland in Hemer. Weihbischof Hubert Berenbrinker war im Rahmen der Firmvisitation Gast der Konferenz. 

von Matthias Nückel 

„Wir sollten nicht in Trübsalstimmung verfallen, sondern wir können stolz sein“, sagte Weihbischof Hubert Berenbrinker zum Ende der Sitzung. Denn bei seinen Besuchen in den Gemeinden sei er immer wieder überrascht, wie viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es vor Ort noch gebe.

Das ging auch aus den vier Kurzberichten hervor, die Mitglieder des Rates vorbereitet hatten. Es gibt noch viel Engagement, doch in die Zukunft sehen Gemeinden und Verbände mit Sorgen. Die Zahl derer, die langfristig zu ehrenamtlichen Aufgaben bereit sind, sinkt.

Vor diesem Hintergrund stellte Anita Weins Fragen zur künftigen Arbeit der Pfarrgemeinderäte. „Wer schultert die Lasten? Wer sagt uns, was Ballast ist?“, meinte sie. Die Vertreterin des Pastoralverbundes Balver Land im Pastoralrat wies auf die Probleme hin, mit denen PGR-Mitglieder zu kämpfen haben. Der Pfarrgemeinderat befinde sich oft in der Zwickmühle zwischen Pastoral und Gemeindemitgliedern. „Der Pfarrgemeinderat wird für jeden ausgefallenen Gottesdienst verantwortlich gemacht“, beschrieb sie die Situation in den Gemeinden.

Anita Weins brach zugleich eine Lanze für die Ehrenamtlichen in den Räten. „Im Pfarrgemeinderat sitzen Menschen, die mit viel Herzblut Lösungen suchen“, betonte sie und fügte hinzu: „PGR-Mitglieder sind bestrebt, viele Menschen mitzunehmen.“

Birgit Dux nahm den nächsten Komplex ins Visier. Die Vertreterin des Pastoralverbundes Hemer fragte: „Was können und dürfen Laien künftig?“ Viele Laien seien unsicher und sagten: „Wir machen viel, aber was dürfen wir eigentlich?“ Hinzukommen Vorbehalte in den Gemeinden, wenn Gottesdienste von Laien gestaltet werden. Die ehrenamtliche Arbeit in den Gemeinden sei „unabdingbar“, betonte Birgit Dux, aber es stelle sich die Frage: „Wie viel gesundes Halbwissen reicht für die Glaubensweitergabe?“

Weihbischof Berenbrinker warnte, einen Gegensatz zwischen Hauptamtlichen und Laien zu konstruieren. „Das Volk Gottes ist Träger des kirchlichen Lebens“, betonte er. Die Rolle der Priester wie auch der anderen beruflich für die Kirche tätigen werde sich noch sehr stark ändern. Gleichzeitig werde das Erzbistum „noch viel in die Ausbildung Ehrenamtlicher investieren müssen“.

„Unter die Haut“, so Dekanatsreferent Rainer Beckmann, ging der Bericht von Elisabeth Adler über die Arbeit der Caritas-Konferenzen. Es war teilweise erschütternd, was sie über Erlebnisse bei Hausbesuchen erzählte. Völlig neue Probleme seien entstanden durch Patchwork-Familien oder nicht mehr funktionierende Nachbarschaften. „Wir erfahren sehr viel von Schulden, bekommen sehr viele seelische Krankheiten mit“, so Elisabeth Adler.

Die 32 Caritas-Konferenzen im Dekanat rüsten sich für die Zukunft. Eine „Zukunftswerkstatt“ sei geplant. Ziel sei es, die Nähe zu den Menschen auch in den größeren pastoralen Räumen zu erhalten, betonte Elisabeth Adler. Für die Arbeit vor Ort brauche man jedoch Menschen, die das nötige Wissen haben.

Manch anderer katholische Verband hat die Zeichen der Zeit dagegen noch nicht erkannt, wie aus dem Bericht von Heinz Völmecke hervorging. „Verbände verschließen sich oft größeren Zusammenschlüssen“, sagte der KABler, bis sie sich letztlich auflösen. Bei ersten KAB-Ortsverbänden sei dies schon geschehen.

Wolfgang Thiel vom KKV betonte, dass die Verbände um Fusionen nicht umhinkommen würden. Kolpingbruder Hans Hupack verwies auf unterschiedliche Entwicklungen. Mancher Kolping-Ortsverband habe sich nur um sich selbst gedreht, andere hätten junge Familien neu gewonnen. 

Weihbischof Berenbrinker verwies in seinem Schlusswort zunächst auf Zahlen. 1991 wohnten im Dekanat Märkisches Sauerland noch 99359 Katholiken, 2010 waren es 83974. Der Gottesdienstbesuch ging im gleichen Zeitraum von rund 19 auf etwa 13 Prozent zurück. „Wir müssen uns gemeinsam auf die Suche machen: Wie können wir die Situation am besten meistern?“, sagte Berenbrinker.

Bei allem, was man tut, darf man jedoch eines nicht vergessen: „Wichtig ist es, in den Kirchen zum Gebet zusammenzukommen“, betonte der Weihbischof und fügte hinzu: „Die Kirche muss ein Ort des Gebetes bleiben!“


23.05.2012
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