Aktuelle Ausgabe
2012-20

Sport oder Stadtbummel: Warburger Freizeitbegleiter helfen behinderten Menschen

Gemeinsam die Welt erleben

Lisa Thöne, Carolin und Vater Hans-Josef Henze. Foto: Schäfer

Warburg. Freizeitbegleiter entlasten Familien mit behinderten Famlienmitgliedern. 

von Martina Schäfer 

Sie liebt Schützenfeste und begeistert sich für die Disko. Carolin Henze (19) aus Warburg macht all das, was andere junge Frauen in ihrem Alter auch interessiert. Und doch ist sie anders. Die 19-Jährige hat das Downsyndrom, braucht Betreuung und Unterstützung. Für ihre Freizeit jedoch verlässt sich Carolin Henze nicht nur auf ihre Eltern. Vermittelt vom Familienunterstützenden Dienst der Caritas Wohn- und Werkstätten steht der jungen Frau eine eigene Freizeitbegleiterin zur Seite. 

Ob Stadtbummel, Cafébesuch, Minigolfspielen, Reiten oder Nordic Walking, Lisa Thöne weiß genau, was Carolin Henze gerade unternehmen möchte. Die 21-jährige Studentin ist seit anderthalb Jahren für die Familie Henze im Einsatz. Und Carolin Henze freut sich immer, wenn ihre Freundin Lisa kommt. Denn sie weiß: „Jetzt gibt es Action“.

 Für Lisa Thöne, die im fünften Semester Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule Paderborn studiert, ist es selbstverständlich, sich mit Carolin zu treffen, mit ihr in die Öffentlichkeit zu gehen und sich um sie zu kümmern. „Ich habe keine Berührungsängste, erlebe Carolin als kontaktfreudiges Mädchen.“

Ihr 19-jähriger Schützling möchte etwas erleben, „sie hat genau die gleichen Wünsche wie andere Mädchen auch“, bestätigt die Mutter Adelheid Westhof-Henze. Beim Stadtbummel in Warburg oder Paderborn flanieren die beiden jungen Frauen durch die Geschäfte, schauen nach Haarschmuck, Lidschatten oder Nagellack und nach trendiger Kleidung. „Carolin will immer schick sein“, meint Adelheid Westhof-Henze.

 Für die Eltern bedeutet die Freizeitbegleiterin eine große Entlastung. „Wir können mal zwei oder drei Stunden etwas für uns machen, etwas unternehmen“, so der Vater Hans-Josef Henze. Was den Eltern allerdings noch wichtiger ist: „Carolin hat Kontakt zu anderen, kann mehr am Leben teilnehmen“.  

Seit drei Jahren existiert das Angebot des Familienunterstützenden Dienstes. Eine kleine Erfolgsgeschichte: Allein im Kreis Paderborn betreuen inzwischen 64 ehrenamtliche Mitarbeiter 89 Familien, in denen Menschen mit Behinderungen leben. Im Kreis Höxter sind es 18 Freizeitbegleiter, die sich in 26 Familien engagieren. „In dieser Region könnten wir noch  Mitarbeiter gebrauchen“, betont Karin Iserlohe. Es werde stets darauf geachtet, dass individuelle Bedürfnisse der Familien im Vordergrund stehen. „Wenn Familien kleine Kinder betreuen lassen wollen, bevorzugen sie meist erfahrene Mütter oder Großmütter, wenn die Kinder älter sind, gehen die natürlich lieber mit jungen Leuten ins Kino“, berichtet Karin Iserlohe. Und die Freizeitbegleiter werden nicht ins kalte Wasser geschubst, sondern in einer 30-stündigen Ausbildung qualifiziert. „Dabei geht es um Fragen zur Pflege, zur Kommunikation, zu verschiedenen Behindertenbildern, Erste Hilfe und andere wichtige Themen“, berichtet Karin Iserlohe. Und natürlich steht das Team des Familienunterstützenden Dienstes den Familien und Freizeitbegleitern stets mit Rat und Tat zur Seite. Familie Henze und ihre Tochter Carolin empfinden den Einsatz von Lisa Thöne als große Bereicherung. „Irgendwann wird es deutlich, dass man selbst an Grenzen kommt“, sagt Adelheid Westhof-Henze. „Und da hilft uns Lisa ungemein.“ 

 


23.05.2012
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