In Bigge schließt der Weltladen „Die Brücke“ nach 23 Jahren
Gelebter Glaube
Olsberg-Bigge. „Es ist ein Stück Lebensinhalt“, sagt Maria Gierse. „Und gelebter Glaube.“ 23 Jahre lang hat sie den kleinen Eine-Welt-Laden an der Hauptstraße in Bigge geführt. Doch nun muss der Weltladen „Die Brücke“ Ende des Monats schließen, weil die Gemeinde St. Martin das Haus verkaufen muss.
Die Regale sind schon fast leer. Ausverkauf im Bigger Weltladen. „Das Herz hängt dran“, bekennt die Grundschullehrerin, die das Geschäft sechs Stunden die Woche offen hält. Dass der Laden nun schließen muss, obwohl der ihn tragende Eine-Welt-Verein noch durchgehalten hätte, geht ihr nahe, sagt sie.
Als die Gemeinde St. Martin in Bigge 1985 ihr Pfarrheim fertigstellte, stand in dem Haus der Gemeinde an der Hauptstraße 54 ein Raum leer. Die Lage war ideal für den Verkauf von Eine-Welt-Produkten. Die Gemeinde half beim Einrichten und kaufte die Regale. In den ersten Jahren betrug der Umsatz um die 22000 Mark im Jahr. Ein gutes Ergebnis für das nur von Ehrenamtlichen stundenweise geöffnete kleine Geschäft. Im vergangenen Jahr war es noch ein Umsatz von 6900 Euro. Verluste hat der Weltladen nie gemacht, und das obwohl der Renner unter den Produkten, fair gehandelte Bananen, zum Selbstkostenpreis abgegen werden. „Bei 2,30 Euro das Kilogramm kann ich nichts mehr draufschlagen“, erklärt Maria Gierse. Dass der Weltladen nun schließen muss, liegt daran, dass die Gemeinde St. Martin das Gebäude verkaufen muss. In dem Haus wohnten die Kirchenmusiker der Gemeinde. Seit März steht es in den oberen Etagen leer.
Allerdings hat auch das Interesse an der Eine-Welt-Arbeit nachgelassen, bekennt Maria Gierse. Zu Zeiten der Gründung des Ladens seien die Menschen „politisch sensibler“ gewesen, vor allem auch für Entwicklungspolitik. Was sie persönlich damals für ihr Engagement motiviert habe, sei die grundlegende Einsicht, dass „Gott alle Menschen in seinem Ebenbild schuf“. Und diese Würde des Menschen verlange: „Jeder braucht fairen Lohn“, ist Maria Gierse sicher. Denn: „Wenn wir langfristig Ungerechtigkeit überwinden wollen, ist ein annähernd gerechter Welthandel unabdingbar.“ Und fairer Lohn wird gezahlt bei den Produkten der GEPA, die die vielen Eine-Welt-Läden anbieten. Schließlich sind die Gesellschafter der
GEPA kirchliche Organisationen wie Misereor, der BDKJ oder „Brot für die Welt“. Die bescheidenen Gewinne, die der Bigger Weltladen erwirtschaftete, wurden denn auch in Misereor-Projekte gesteckt. Etwa im Nordosten Brasiliens, wo Kleinbauern unterstützt werden – eine Alternative zur industriellen Landwirtschaft. Das war Maria Gierse so wichtig, dass sie sich das Projekt auch einmal vor Ort angeschaut hat.
In gewisser Weise ist der Umsatzrückgang im Weltladen „Die Brücke“ in Bigge auch dem Erfolg des fairen Handels zu verdanken. Denn
GEPA-Produkte sind inzwischen auch in Supermärkten erhältlich. Manchmal würden Stammkunden zugeben, die Produkte dort zu kaufen, wenn der Weltladen geschlossen ist. Das mache ihr aber nichts aus, versichert Maria Gierse: „Wir freuen uns darüber.“ Auf jeden Fall will sie sich weiter engagieren. Ihre Mitstreiterin Maria Potthoff habe schon ihren Keller als Lager angeboten. Die beiden wollen dann Aktionsverkäufe organisieren, etwa beim Pfarrfest oder auch mal auf dem Markt. Ein bißchen hofft sie auch noch auf eine andere Lösung: Wenn alle Pfarrgemeinden Olsbergs sich zusammentäten, könnten sie die 160 Euro Miete aufbringen, die ein Ladenlokal in Bigge monatlich kosten würde. Denn für den kleinen Eine-Welt-Verein ist das zu viel.Markus Jonas







