Kommentar
Gehet hinaus in alle Welt
von Matthias Nückel
Die Zahl von rund 180000 Austritten aus der katholischen Kirche im Jahr 2010 ist erschreckend. Die Ursache ist schnell gefunden: Die „Glaubwürdigkeitskrise“ wegen der Missbrauchsfälle. Doch das ist zu kurz gedacht. Denn die Ursachen liegen tiefer.
Dazu ein Blick zurück: Als der Solidaritätszuschlag für die neuen Bundesländer eingeführt wurde, stieg die Zahl der Kirchenaustritte dramatisch. Einige Politiker hatten die Höhe des Soli mit der Kirchensteuer verglichen und offen zum Kirchenaustritt aufgerufen. Das verfehlte seine Wirkung nicht. Wer jedoch den Gründen für den Austritt nachging, musste schnell erkennen, dass der Soli nur letzter Anlass war. Diejenigen, die wegen der paar Euro die Kirche verließen, hatten sich lange zuvor von der Kirche und – zumindest teilweise – auch vom Glauben entfernt.
Das ist auch heute der Fall. Wer wegen ein paar Krimineller die Gemeinschaft der Gläubigen verlässt, hatte schon vorher keine Bindung mehr zur Kirche. Dass viele engagierte Katholiken unter den Ausgetretenen seien, wie mancher „Experte“ behauptet, ist deshalb eine krasse Fehleinschätzung. Wer fest im Glauben und in der Gemeinschaft der Gläubigen verankert ist, verlässt seine Kirche nicht mit vorgeschobenen Gründen.
Auch wenn die Austritte schmerzen – sie sind kein Grund zu verzagen. Im Gegenteil: Jesu Auftrag „Gehet hinaus in alle Welt und bekehret alle Völker“ gilt gerade jetzt. Rückzug ist unchristlich.
Nehmen wir uns ein Beispiel an den ersten Jüngern! Wären sie so missmutig und pessimistisch gewesen, wie viele Christen heute, dann würde längst niemand mehr über Jesus Christus reden.






