Aktuelle Ausgabe
2012-20

Fensterbild der Christkönig-Kirche in Wambeln erinnert Gläubige an den Sendungsauftrag der Kirche

„Gehet hin, ihr seid gesendet!“

Das Fenster in der Christuskirche in Wambeln zeigt den Turmbau zu Babel. Die gelben Glaselemente um die „Gesichter“ herum, weisen auf ihre Gefangenschaft im Turm hin.

Wambeln. Wenn die Sonnenstrahlen durch die Fenster der Christkönig-Kirche in Wambeln fallen, tauchen diese den sonst eher dunklen Kirchenraum in ein warmes Licht und die in den Farben Blau, Grün, Gelb und Weiß gehaltenen Glasbetonfenster mit den eingearbeiteten, biblischen Bildern aus dem Alten und Neuen Testamen kommen auf faszinierende Weise zur Geltung. Das Fenster an der Emporewand über dem Kirchenportal von Christkönig hat zudem eine besondere Bedeutung für Pfingsten, denn es zeigt das Pfingstereignis in Anlehnung an das Neue Testament. 

von Elisabeth Plamper 

Ein flüchtiger Blick genügt nicht, um das Bild in dem aus zahlreichen farbigen Mosaik-teilchen kunstvoll gefertigten Fenster, auszumachen. Doch beim zweiten Hinschauen sind die weiße Taube umrahmt von gelben „Feuerzungen“, und die weißen, gelben und grünen „Gesichter“ gut zu erkennen. „Die Taube ist das Symbol für den heiligen Geist“, erklärt Pfarrer Norbert Schickentanz, der auch seelsorgerisch für die über 200 Gläubigen in Wambeln zuständig ist. „Die farbigen ,Gesichter‘, die sich ansehen, stehen für die unterschiedlichen Völker mit ihren verschiedenen Sprachen.“

Nach christlichem Verständnis sei dieses Bild nicht nur eine Darstellung des „Pfingstwunders“, sondern ist auch als ein allgemeiner Sendungsauftrag an jeden Christen, die Botschaft Jesus in die Welt zu tragen, zu verstehen. Deshalb habe das Fenster beim Bau der Kirche zu Beginn der 1970er-Jahre auch seinen Platz über dem Portal der Kirche bekommen. „Die Gläubigen sollen beim Hinausgehen daran erinnert werden.“

Im Fenster auf der anderen Seite der Emporewand ist der Turmbau zu Babel dargestellt. „Die ‚Gesichter‘ sind einander abgewandt als Zeichen, dass sich die Menschen nicht mehr verständigen können“, erläutert Schickentanz weiter. Die gelben Glaselemente um die „Gesichter“ herum, wiesen auf ihre Gefangenschaft im Turm hin. Mit dem Turmbau habe der Mensch versucht, Gott gleichzukommen, heißt es in der alttestamentarischen Bibelgeschichte. „Für diese Selbstüberhebung strafte Gott die Völker mit der Sprachverwirrung.“

Die Bilder der beiden rechts und links von der Erde bis zur Decke reichenden Fensterblöcke in der gegenüberliegenden Altarwand beziehen sich wieder auf das Neue Testament. Sie zeigen die Verurteilung, den Fall unter dem Kreuz, die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu. „Sie bilden einen direkten Bezug zur Eucharistiefeier, wo es auch heißt, „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit“, so der Seelsorger.

Die vier Themenfenster sind miteinander durch ein unter der Decke herlaufendes,
schmales blau, gelb und weiß strukturiertes Lichtband aus Glas verbunden und entstanden nach den Enwürfen der  Benediktinerin Erentrud Trost OSB.

Die Christkönig-Kirche wurde am 9. Dezember 1973 von dem damaligen Weihbischof Johannes Joachim Degenhardt (später Erzbischof und Kardinal) konsekriert und gehört zu den neuzeitlichen Kirchen in Hamm, die in ihrer Bauweise und spirituellen Einrichtung dem zweiten vatikanischen Konzil Rechnung tragen. Sie ist die „Nachfolgerin“ der Chorkirche, die der Kirchengemeinde ihre Wurzeln in den 1910er-Jahren gab. Das Vermächnis des in Wambeln geborenen, aber lange in Amerika wirkenden Vikars Friedrich Bergmann machte den Bau der ersten Kirche mit ihrem auffallenden Zwiebelturm möglich, die später aber aufgrund baulicher Mängel nicht mehr restauriert werden konnte und abgerissen werden musste.

Info

Erentrud Trost OSB wurde durch die Gestaltung von Fenstern und Mosaiken in Kirchen international bekannt. Nach dem Krieg trat sie in das Kloster in Varensell ein, wo man ihr Talent entdeckte. Ihre Arbeiten sind überwiegend von biblischen Themen geprägt. Als letztes großes Werk entstanden 1997 die Fenster der Benediktinerinnenkirche am Omberg in Schweden. Sie wurde 1923 in Paderborn geboren und starb 2004.

 


23.05.2012
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