Ökumenische Partnerschaftsvereinbarung in Holzwickede/Opherdicke unterzeichnet
Gegenseitige Wertschätzung
Holzwickede/Opherdicke. Mit einem ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto: „Gemeinsam im Glauben“ haben die katholischen und die evangelischen Kirchengemeinden in Holzwickede/Opherdicke vergangenen Sonntag ihr ökumenisches Kirchenjahr beendet. Als Höhepunkt wurde eine „Ökumenische Partnerschaftsvereinbarung“ unterzeichnet. Es ist erst die zweite ihrer Art im Erzbistum.
von Matthias Nückel
„Die Vereinbarung ist Frucht der Partnerschaft vor Ort“, sagt der evangelische Pfarrer Christian Bald. „Sie ist so stabil, dass wir der Partnerschaft auch nach außen hin eine verbindliche Form geben können.“ In acht Paragraphen verpflichten sich die katholischen Kirchengemeinden Liebfrauen Holzwickede und St. Stephanus Opherdicke sowie die evangelische Kirchengemeinde Holzwickede und Opherdicke das „Miteinander auch weiterhin zu fördern und zu entwickeln“. Dabei, so der Leiter des Pastoralverbundes Holzwickede-Massen-Opherdicke, Pfarrer Bernhard Middelanis, „geht es jedoch nicht nur um konkrete Projekte, sondern auch um Haltungen“.
Unter den Gemeinden hat sich in den vergangenen Jahren eine selten gute Zusammenarbeit entwickelt, wie Ehrenamtliche und Pfarrer berichten. „Der katholische Singkreis und die evangelische Song-Gruppe gestalten viele Gottesdienste gemeinsam“, berichtet Burkhard Funke. Er leitet nicht nur den Singkreis, sondern ist auch Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Liebfrauen. „Neben dem ökumenischen Arbeitskreis gibt es auch einen ökumenischen Elternkreis und eine Vielzahl gemeinsamer Aktivitäten“, fügt der Vorsitzende des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde, Pfarrer Michael Niggebaum, hinzu.
Die enge Zusammenarbeit der 7300 Protestanten und der 5300 Katholiken bietet für beide Seiten viele Vorteile. „Caritas und Diakonie können oft nur gemeinsam weitergeführt werden“, sagt Bernhard Weberink vom ökumenischen Arbeitskreis. Auch manche Doppelveranstaltung sei nicht mehr nötig. Pfarrer Middelanis nennt die ökumenischen Fastenpredigten eine Erleichterung. Auch die gemeinsamen Umweltleitlinien für nachhaltiges Wirtschaften seien ein gelungenes Beispiel für ökumenisches Handeln, fügt Pfarrer Bald an. „Gemeinsame Stellungnahmen, etwa zum Sonntagsschutz, haben in der Öffentlichkeit ein stärkeres Gewicht“, hebt Funke einen weiteren Vorteil hervor.
Die Ökumene hat in Holzwickede und in Opherdicke eine lange Tradition. „Schon in den 70er-Jahren arbeiteten die beiden Pfarrer in Holzwickede eng zusammen“, betont Funke. „In Opherdicke wurde der ökumenische Arbeitskreis 1998 mit Blick auf den Ökumenischen Kirchentag in Berlin gegründet“, berichtet Presbyter Willi Cramer. „Von dort kamen wir dann voller Tatendrang zurück.“
Nach der Neuordnung der Gemeinden in der katholischen Kirche „gelang es uns, den ökumenischen Virus nach Holzwickede zu tragen“, meint Presbyter Reinald Imig augenzwinkernd. Und als das Lehrschreiben „Dominus Jesus“ aus Rom erschienen sei, in dem Papst Johannes Paul II. der evangelischen Kirche das Kirchesein abgesprochen habe, da hätten alle gesagt „jetzt erst recht“, betont Imig.
Ökumene bedeutet jedoch für alle Beteiligten nicht Gleichmacherei oder eine Vermischung der Konfessionen. Es gehe um das Verständnis für den anderen, sagt Pfarrer Bald. „Wir wollen positiv würdigen, was dem anderen wichtig ist. Wir wollen dem anderen nichts nehmen“, betont er.
Die Jugendarbeit etwa sei offen für die jeweils andere Konfession. „Wir machen aber auch Unterschiede deutlich, die ihren je eigenen Wert haben“, so Bald. Gerade junge Menschen hätten ein Gespür dafür, dass christlicher Glaube Vielfalt ermögliche. Bei älteren Menschen sei Ökumene oft aus schmerzlichen Erfahrungen entstanden, sagt Pfarrer Middelanis. „Die Jugendlichen sehen das eher pragmatischer. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie durch die gemeinsamen Schulgottesdienste geprägt sind“, vermutet der katholische Geistliche.
Sowohl vom Erzbistum Paderborn als auch von der Evangelischen Landeskirche Westfalen sind die Aktivitäten unterstützt worden. „Das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik des Erzbistums hat uns immer sehr kompetent begleitet“, hebt Middelanis hervor. Und Bernhard Weberink bringt seine Erfahrungen vor Ort auch in die Bistumskommission für Ökumene ein.
Info
Die Partnerschaftsvereinbarung stellt auf sechs Seiten gemeinsame Aufgaben und Visionen der beteiligten Gemeinden heraus. Stellung bezogen wird zu den Themen „Gemeinsames Handeln“, „Begegnungen“, „Gemeinsame Verkündigung“, „Caritas und Diakonie“, „Gottes Schöpfung bewahren“, „Konfessionsverschiedene Ehen und Familien“ sowie „Strukturelle Zusammenarbeit“. Die Partnerschaft ist ausdrücklich offen für „weitere christliche Gemeinden am Ort und in der überschaubaren Nachbarschaft“.







