Gastfreundschaft an der Jugend ist Zukunft für die Kirche
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit in Trägerschaft der katholischen Kirche ist ein Feld kirchlichen Engagements, das in seiner pastoralen Bedeutung wenig wahrgenommen und vielfach unterschätzt wird. Dabei zeigen Kirchengemeinden, die Träger einer Offenen Tür sind, dass sie über die eigenen (Gemeinde-)Mitglieder hinaus auch für andere Menschen da sind, vor allem für Kinder und Jugendliche, denn sie heißen diese als Gäste willkommen.
von Heinrich Meyer
In dieser Gastfreundschaft zeigt sich zum einen die gesellschaftliche Dimension der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, da dabei das im Kinder- und Jugendhilfegesetz förmliche Recht eines jedes jungen Menschen auf Förderung seiner Entwicklung und Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit eingelöst wird.
Aber zuallererst geht es da um die einfache und direkte Weise, die Frohe Botschaft von Gottes unbedingter und grenzenloser Liebe zu den jungen Menschen zu bringen. Dieses Anliegen ist für uns der Grund zur Offenheit für alle Kinder und Jugendlichen, die unseren Dienst brauchen und annehmen. Insbesondere auch für jene in prekären Lebenslagen.
In einem Feld der kirchlichen Jugendarbeit, das gekennzeichnet ist von Schnelllebigkeit, Unvorhersehbarem und wenig Verlässlichem, wird ein solcher Jugendtreff von Außenstehenden häufig als chaotisch wahrgenommen. Dies trägt dazu bei, dass so mancher heimlich oder auch öffentlich die Frage stellt: „Muss das denn sein?!“
Für uns ist dies aber ein unverzichtbarer Teil der kirchlichen Jugendarbeit, sicherlich keine leichte Aufgabe, aber ein Feld mit vielen Chancen und Möglichkeiten.
In den Grundlagen und Eckpunkten zur katholischen Jugendarbeit in unserem Erzbistum steht, dass Pfarrgemeinden, die Träger einer Jugendfreizeitstätte sind, sich mit dieser Arbeit einen pastoralen Akzent setzen und ihre Türen der komplexen Lebenswelt junger Menschen öffnen.
Aus dieser Sicht heraus sind somit die Offenen Türen wie eine „Brücke“ der Pastoral in die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen heute. Kinder und Jugendliche bringen oft einen höchst unterschiedlichen soziokulturellen Hindergrund mit in eine Jugendfreizeitstätte. Im Bereich des Religiösen findet sich dabei immer seltener ein überzeugter konfessioneller Hintergrund, denn die religiöse Praxis nimmt immer mehr ab. Der Glaube und das alltägliche Leben stehen oft in keiner Verbindung mehr. Nicht selten liegt bei den jugendlichen Besuchern ein nichtchristliches Bekenntnis oder religiöse Orientierungslosigkeit vor.
Trotzdem geht es auch dann in der Begegnung mit jungen Menschen um die Verbindung von Verkündigung, Liturgie und Diakonie. Dies erfordert zunächst, jugendliche Lebensrealitäten vorurteilsfrei wahrzunehmen und kennen zulernen und daraus situativ angemessene Handlungsstrategien zu entwickeln.
Ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter in der Jugendarbeit stellen für viele Besucher offener Einrichtungen die ersten oder auch nächsten Zeugen christlichen Glaubens dar. Sie bieten jungen Menschen eine Beziehung an, die nicht nur aus Serviceleistungen besteht. Sie werden vielmehr als Menschen erfahren, die mit ihnen leben. Ihre Freuden, Sorgen und Nöte, Trauer und Angst werden in Verbindung gebracht mit der befreienden Botschaft des Evangeliums, die sich konkretisiert in einem solidarischen Mitgehen und Eintreten für die Beseitigung ausgrenzender Lebensverhältnisse. Christliche Werte wie Toleranz, Achtung, Gemeinschaft, Solidarität und andere werden im Umgang miteinander erlebt und damit für junge Menschen wertvoll.
Papst Benedikt XVI. betont in seiner aktuellen Enzyklika: „Wer im Namen der Kirche karitativ(pastoral) wirkt, wird niemals dem anderen den Glauben der Kirche aufzudrängen versuchen. Er weiß, dass die Liebe in ihrer Reinheit und Absichtslosigkeit das beste Zeugnis für den Gott ist, dem wir glauben und der uns zur Liebe treibt.“
Offene Kinder- und Jugendarbeit ist umso authentischer christlich, je eindeutiger es in ihr um das menschenwürdige Mensch-Sein der Jugendlichen und nicht um irgendwelche anderen verdeckten oder fremdbestimmten Zwecke geht. Eine persönliche glaubens- und lebensbejahende Grundhaltung muss daher die pädagogische Kompetenz von Mitarbeitern der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auszeichnen, damit Evangelisierung als Aufgabe gelingt.







