Libori 2012: Erzbischof Becker fordert Besinnung auf die Menschenwürde
Zeugnis geben von Gott in der Welt

- Während die Prozession im vergangenen Jahr wegen Regens ausfallen musste, konnte sie in diesem Jahr in gewohnter Weise durch die Innenstadt ziehen. Foto: Wiedenhaus
Erzbistum. „Erneuert euren Geist und Sinn“ – dass das Leitwort des diesjährigen Libori-Festes von drängender Aktualität ist, hat Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt während des Pontifikalamtes am Libori-Sonntag deutlich gemacht: Angesichts eines Lebensstils, der von der „Ausschaltung Gottes“ geprägt sei, bekomme der Appell aus dem Epheser-Brief des Apostels Paulus gerade in heutiger Zeit einen ungeheuren Stellenwert.
von Andreas Wiedenhaus
Als Christen seien wir aufgefordert, Stellung zu beziehen in einer Welt, die ein Leben ohne Gott als Befreiung des Menschen betrachte. „Nie war das Defizit an Menschlichkeit größer, als es heute ist! Wenn man von Gott nichts mehr hält, wird man früher oder später auch vom Menschen nichts mehr halten“, sagte der Erzbischof in seiner Predigt, die er mit einem Plädoyer für die Menschenwürde verband: „In keiner Religion wird der einzelne Mensch so gewürdigt und in die Mitte des Glaubens gerückt wie im Christentum.“ Jeder Mensch sei Gottes Ebenbild und „eben kein Zufallsprodukt, kein Blindgänger“.
Dabei nahm Erzbischof Becker die Gläubigen deutlich in die Pflicht. „Es hilft kein Weglaufen und kein Wegschauen. Wir dienen auch niemandem, wenn wir andere anklagen und die schlechten Zeiten beklagen“, forderte er das persönliche Bekenntnis eines jeden ein. Auf diese Glaubwürdigkeit komme es an: „Wir schulden der Welt das Zeugnis von Gott!“ Der Erzbischof feierte das Pontifikalamt in Konzelebration mit zahlreichen bischöflichen Gästen aus der Weltkirche.
Im vergangenen Jahr hatte Dauerregen die Prozession mit dem Libori-Schrein und dem Allerheiligsten durch die Stadt verhindert – in diesem Jahr war wieder alles „normal“: Einige dunkle Wolken, die noch zu Beginn des Gottesdienstes am Himmel zu sehen gewesen waren, waren nach dem Schlusssegen verschwunden, und die Sonne hatte die Oberhand. So schlossen sich zahlreiche Gläubige der Sakramentsprozession an, die durch die Innenstadt zog und nach einer Station am Rathaus wieder zurück in den Dom führte.
Begonnen hatten die Feiern zu Ehren des Paderborner Bistumspatrons mit der Erhebung der Liborius-Reliquien während der feierlichen Vesper am Samstagnachmittag: Dreimal erklang der Liboritusch, während der Schrein von der Krypta in den Hochchor des Doms getragen wurde. Schon lange vor Beginn waren die Gläubigen in den Dom geströmt, um diesen eindrucksvollen Beginn des Libori-Festes mitzuerleben.
Neben anderen Ehrengästen begrüßte Erzbischof Becker besonders die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen Hannelore Kraft.
Mit Blick auf das diesjährige Leitwort lud der Erzbischof die Gläubigen ein, insbesondere in den vielen Gottesdiensten der Libori-Tage „die Erneuerung unseres Geistes und Sinnes zu wagen“. Dabei schlug er die Brücke zum Zweiten Vatikanischen Konzil, dessen Eröffnung sich in diesem Jahr zum 50. Male jährt: Auch dem Konzil sei die geistliche Neuwerdung eines jeden Christen ein Anliegen gewesen. Der Erzbischof wörtlich: „Heute sind wir dankbar für die Impulse, die uns das Konzil geschenkt hat und wir dürfen nicht nachlassen, die epochale Bedeutung dieses Ereignisses zu betonen.“-





