Aktuelle Ausgabe
2014-38

„Klostertagung“ in Münster öffnet den Blick für karitativ tätige Kongregationen

Ordensgeschichte wurde lebendig

In Münster fand die diesjährige „Klostertagung“ statt.

Erzbistum/Münster. In Zeiten gesellschaftlichen Wandels sind neue Ideen gefragt. Vor gut vier Jahren rief der emeritierte Professor für Bistumsgeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn, Karl Hengst, in Abstimmung mit der Paderborner Bistumsleitung eine „Forschungsstelle Bistumsgeschichte“ ins Leben, um die bistumsgeschichtlichen Aktivitäten aufzugreifen und neu zu bündeln. Der Lehrstuhl konnte zeitbedingt nicht wieder besetzt werden. 

von Peter Häger  

Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben führt diese Forschungsstelle in Kooperation mit der „Historischen Kommission für Westfalen“ die seit dem Jahr 2000 bestehende Einrichtung der „Klostertagungen“ fort. Alljährlich im Sommer werden bis zu 150 Fachleute und geschichtlich Interessierte an wechselnden historischen Orten vornehmlich des Hochstifts Paderborn, aber auch weiterer Regionen des Erzbistums Paderborn mit der Geschichte der reichen westfälischen Klosterlandschaft vertraut gemacht.

Hatten bisherige Zusammenkünfte in erster Linie die „alten“, zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Säkularisation aufgehobenen Klöster und Abteien – wie Dalheim oder Hardehausen – zum Thema, so will die in diesem Jahr beginnende „3. Staffel“ der Tagungsreihe unter dem Titel: „Neue Klosterwelten in Westfalen und Lippe. Veränderungen und Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert“ die jüngeren, vielen noch aus dem alltäglichen Leben vertrauten Kongregationen beleuchten. Schulen, Krankenhäuser oder auch „Kinderbewahranstalten“ waren in den katholischen Gebieten Westfalens bis in die jüngste Vergangenheit hinein ohne Ordensschwestern und -brüder schlichtweg nicht zu denken.

In diesem Jahr hatten sich, nun in einem Nachbarbistum, etwa 80 Teilnehmer in den weitläufigen Anlagen des Mutterhauses der „Mauritzer Franziskanerinnen“ in Münster eingefunden, um sich über Entstehung, Werdegang und heutiges Wirken von drei karitativ tätigen Kongregationen zu informieren.

Neben den erwähnten Franziskanerinnen hatten die Veranstalter noch die „Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern“, die umgangssprachlich nach ihrem Ordensstifter Clemens August Freiherr Droste zu Vischering Clemensschwestern genannt werden, sowie die im 15. Jahrhundert im Rheinland gegründeten Alexianer ausgewählt. Zum ersten Mal zeichnete für die diesjährige Tagung auch der Westfälische Heimatbund mitverantwortlich. Als Tagungsleiter begrüßte Professor Hengst die zahlreich Erschienenen, dankte den Franziskanerinnen für die Gastfreundschaft und betonte die Wichtigkeit der Pflege und Bewahrung kirchlichen Herkommens in heutiger Zeit. Die Provinzoberin der Mauritzer Franziskanerinnen, Sr. Birgitte Hermann, zeigte sich namens ihrer Kongregation in ihrem Grußwort über die gute Resonanz, die die Tagung gefunden hatte, erfreut. Sie schilderte das gastgebende Mutterhaus als „ein mächtiges Gebäude, aber zugleich auch als ein lebendiges Kloster“, das nicht zuletzt als eine Art Begegnungshaus für unterschiedlichste Bevölkerungsschichten, national und international, diene.

Der erste Vortrag von Sr. Marianne Kamlage bot eine gelungene Zusammenschau der spirituellen Grundlagen und historischen Entwicklungen der Mauritzer Franziskanerinnen. Ausgehend von der Armutsbewegung des Franz von Assisi verdeutlichte sie die Beweggründe, die im von bitterer Armut gezeichneten frühen 19. Jahrhundert zur Gründung der Kongregation geführt hatten. Noch heute, in einer gewandelten gesellschaftlichen Situation, sieht sich die Kongregation mit der Pflege von Armen und Kranken in der Tradition der Gründer.

Im zweiten Vortrag des Tages zeichnete Sr. Elisabethis Lenfers aus der „Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern“ detailgetreu die mit dem Jahr 1808 beginnende Gründungszeit und die darauf folgende Entfaltung der Clemensschwestern über Westfalen hinaus nach. Die punktuelle Auswertung von Ordensarchivalien ermöglichten der Referentin eine für den Zuhörer faszinierende Einbindung der Ordensgeschichte in die Profangeschichte der letzten gut zweihundert Jahre.

Am Nachmittag fand ein Ortswechsel statt. In Amelsbüren bei Münster machten sich die Tagungsteilnehmer über die Spezifika eines psychiatrischen Fachkrankenhauses in Trägerschaft des Alexianer-Ordens kundig. Nach allgemeinen Ausführungen zur Geschichte und karitativen Ausrichtung des Ordens durch Br. Benedikt erläuterte der Geschäftsführer des Alexianer-Krankenhauses, Stephan Dransfeld, anschaulich die aktuelle Situation des Fachkrankenhauses, die auch durch Probleme, wie etwa das Misstrauen in der Nachbarschaft, gekennzeichnet ist. Mit einer Einladung zur nächstjährigen Tagung in Bielefeld mit Stationen in den dortigen Diakonissenanstalten sowie im Kloster der Ursulinen endete die Veranstaltung.


21.09.2014
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