Aktuelle Ausgabe
2012-20

Klaus Töpfer referiert beim Pfingstempfang des Diözesankomitees

Entwicklung ist der neue Name für Frieden

Den Pfarrer gleich mitgebracht: Klaus Töpfer sprach beim Pfingstempfang.

Paderborn. Der frühere Bundesumweltminister und ehemalige Leiter des UN-Umweltprogrammes, Klaus Töpfer,  sprach beim Pfingstempfang des Diözesan-Komitees über „Die Bewahrung der Schöpfung“. Es war für ihn ein Heimspiel: Klaus Töpfer (CDU), ehemaliger Bundesumweltminister und früherer Leiter des UN-Umweltprogrammes (UNEP), ist im Erzbistum Paderborn aufgewachsen. Nach der Vertreibung aus Schlesien ging er in Höxter zur Schule und hat dort Abitur gemacht.

Mit einem schelmischen Lächeln bezeichnete er es deshalb als „Krönungspunkt“ nun mit „fast 70 Jahren“ noch einmal in der eigenen Erzdiözese sprechen zu dürfen, beim Pfingstempfang des Diözesankomitees, der Vertretung der katholischen Laien. Der Vorsitzende Hans-Georg Hunstig hatte ihn mehrmals eingeladen und den vielgereisten Töpfer dabei unter anderem in Neu Delhi und New York kontaktiert. Zum Empfang erwies sich Töpfer aber wieder als ganz bodenständig und verwurzelt in der Region, er brachte seinen ehemaligen Pfarrer aus Höxter, Rudolf Graefenstein, mit.
„Die Bewahrung der Schöpfung – religiöse Verpflichtung oder wirtschaftliche Notwendigkeit?“ war Töpfers Thema im Kolpingforum. Und zunächst verfuhr er dabei nach dem Motto, dass er sich bei seiner Frau, die Lehrerin ist, abgeschaut hatte. „Die Wiederholung ist die Mutter der Pädagogik.“
Der Umweltpolitiker erneuerte seine Überzeugung, dass die Menschen in einer zutiefst „zweigeteilten Welt“ leben. Die Begriffe „Ernährungspolitik“ und „demografischer Wandel“ bedeuteten bei 25 Prozent der Weltbevölkerung etwas völlig anders als bei den 75 Prozent, die in armen Ländern lebten. „Wir geben viel Geld für Schlankmacher aus, und die anderen wissen nicht, wie sie satt werden“, sagte Töpfer. Und beim demographischen Wandel gehe es im reichen Norden darum, mehr Kinder zu bekommen. Während in den Entwicklungsländern das Bevölkerungswachstum eingedämmt werden soll.
Die Kluft zwischen Arm und Reich zeige sich bereits am Mittelmeer, sagte Töpfer weiter. Während die Menschen in Nordafrika von im Schnitt 2500 Euro pro Kopf und Jahr leben müssten, betrage das jährliche Pro-Kopf-Einkommen in Europa 35000 Euro. Diese zweigeteilte Welt sei nach der Überzeugung Töpfers „keine stabile Situation“. Deshalb „brauchen wir Entwicklung, keine Mauern“, sagte Töpfer, „Entwicklung ist der neue Name für Frieden.“
Der CDU-Politiker, der als UNEP-Direktor lange in Nairobi gelebt hatte, berichtete viel von seinen Gesprächen und Erfahrungen in anderen Ländern wie Indien, China – und Kontinenten wie Afrika. Die Menschen dort, so Töpfer, „wissen von Umwelt viel mehr als wir, sie leben damit“. Aber wenn ein armer Afrikaner eine große Familie ernähren müsse, bleibe ihm bisher oft keine Wahl, als als Brennstoff Holz zu nutzen. Auch wenn der Mann wisse, dass das die Böden austrockne, Erosion und Wüstenbildung fördere.
Töpfer betonte, dass vor allem Industrieländer für Umweltverschmutzung und Klimawandel verantwortlich seien. „Die Afrikaner waren es nicht, aber sie leiden darunter“ – durch die Zunahme von Dürren und Unwettern. Der CDU-Politiker plädierte für Respekt vor der Schöpfung – und zitierte dafür die Bibel. „Der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und bewahre.“ (Gen,2,15.) Und das gelte nicht nur beim Schutz etwa von Elefanten in Afrika, sondern auch für seltene Tier- und Pflanzenarten bei uns. „Es gibt eine Verantwortung für die Schöpfung, ohne dass sie ihre Nützlichkeit beweisen muss“, sagte Töpfer. 
Deshalb habe der heutige verschwenderische Lebensstil nach Ansicht Töpfer keine Zukunft, denn er stelle die Schöpfung in Frage. Im Jahr 2050 werde es auf der Erde rund neun Milliarden Menschen geben. Alleine deshalb müsse sich das Verhalten der Menschen ändern,  betonte der Umwelt-Experte.
Dabei räumte der Vielflieger Töpfer selbstkritisch ein, dass auch er selbst auch einiges tun könne. Schließlich sei seine CO2-Bilanz nicht die beste. Er müsse sich fragen, ob es immer sinnvoll ist, nach New York oder Neu Delhi zu reisen – „vielleicht reichen auch mal Videokonferenzen aus“, meinte der Umweltpolitiker.
Michael Ruffert


22.05.2012
Impressum | Kontakt
4002