Abt Benedikt aus Jerusalem stellte in Paderborn sein neues Buch vor
Einsichten eines Mönchs
Paderborn. Abt Benedikt Maria Lindemann hat sein Glück im Kloster gesucht und gefunden – auch wenn der Weg dahin eher holprig gewesen ist. Der Leiter der weltbekannten Dormitio-Abtei der Benediktiner in Jerusalem gab in der Bonifatius-Buchhandlung in Paderborn Einblicke in sein klösterliches Leben und in den nicht immer einfachen Alltag in der Stadt mit den drei monotheistischen Weltreligionen.
von Andreas Götte
Der freie Publizist Georg Schwikart stellte dem Geistlichen so manche interessante Frage – wie er es vor rund einem Jahr in Jerusalem auch getan hatte. Das gedruckte Ergebnis mit dem Titel „Freiheit, die ich meine – Einsichten eines Mönchs in Jerusalem“ stellten die beiden vor rund 80 Zuhörern vor.
Im beschaulichen Örtchen Welschen Ennest im Sauerland machte Abt Benedikt seine erste Gotteserfahrung– mit einer Milchkanne in der Hand. „Auf meinem Weg nach Hause hat mich als Kind immer die Dorfkirche fasziniert. Mit der Zeit hatte ich gemerkt, dass da jemand ist, mit dem ich still sprechen kann“, erzählt der Geistliche.
Doch sein Weg zur Priesterweihe 1988 war lang. Mit 14 Jahren habe er das Messdiener-Amt noch als langweilig empfunden, später habe er als Wehrpflichtiger auf Befehl geschossen. Danach verweigerte der heute 50-Jährige den Kriegsdienst und beschäftige sich stattdessen mit der Bibel.
Seinen Ordensnamen Benedikt – getauft wurde er auf den Namen Gerhard – hat er mit Bedacht gewählt. Der Name sei für ihn Programm. Benedikt bedeute der Gesegnete, um zu segnen. Mit dem gleichnamigen Papst in Rom habe das nichts zu tun. „Da war ich einfach schneller“ sagt er und schmunzelt.
Bei seinen Ausführungen über das Klosterleben räumte der Benediktiner gleich mit einem Vorurteil über Klöster auf. „Es herrscht dort keine hehre heile Welt. Ich habe nach 14 Tagen festgestellt, dass meine Mitbrüder auch nicht besser sind als ich“, verriet er dem Publikum. Lindemann hat eine genaue Vorstellung vom Freiheitsbegriff, der etwas mit dem inneren Frieden zu tun hat. „Wir müssen immer mehr wir selbst werden, so wie Gott uns haben will“, ist er überzeugt.
Als Deutscher in Israel spüre er, dass er in einer besonderen geschichtlichen Verantwortung stehe, auch wenn Deutschland in Israel ein hohes Ansehen genieße. „Als Ausländer ist es in Israel sehr schwer, die Balance zu halten“, sagt er. Eine Lösung des Nahost-Konfliktes sieht er momentan nicht, auch wenn das Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch in seinem Kloster in Jerusalem nicht verstehen wollte. „Die beidseitigen Vorurteile sind nur schwer abzubauen“, schilderte er. Alle wollten ihren Besitz bewahren und auch die Religionen seien leider ein Hindernis für einen möglichen Frieden. Nur bei gehörigem Druck von außen auf die Politiker in Israel sei vielleicht etwas möglich. Frieden sei schließlich nicht nur eine Gabe, sondern auch eine Aufgabe, meint Abt Benedikt.







