Kirchenführer „Dortmund entdecken, Schätze und Geschichten aus dem Mittelalter“
Eine spannende Entdeckungsreise
Dortmund. Kirchen wecken bei Kindern und Jugendlichen nicht unbedingt großes Interesse – es gibt „cooleres“, als alte Gotteshäuser zu besichtigen. Dabei gibt es viel zu entdecken, wie ein gerade erschienener Kirchenführer für Kinder beweist. Lousia Heuter hat sich stellvertretend für die Zielgruppe des Buches mit dem Kirchenführer unter dem Arm auf den Weg durch die vier Dortmunder Innenstadtkirchen gemacht und das Werk einem Praxistest unterzogen.
von Louisa Heuter
Als Tochter eines Kunsthistorikers bin ich mit viel Kunst(-Geschichte), zahlreichen Kirchen und auch Museen aufgewachsen; vielleicht zu vielen. Aber dieser Mangel an Interesse ist bei vielen Kindern in meinem, in jüngerem oder älterem Alter leider oft vorhanden. Und genau bei dieser Einstellung braucht man Infos und Interessen-Anreger, die möglicherweise auch noch lustig sind.
Ich habe den Kirchenführer „Dortmund entdecken, Schätze und Geschichten aus dem Mittelalter“ für Kinder von etwa sieben bis zehn Jahren, aber auch für ältere, sehr gut gefunden. Das Buch ist schön und kindgerecht geschrieben und die sympathische Comic-Figur Dr. Oskar Francke verschafft dem Thema etwas Unterhaltsames, Lustiges und Spannendes – also genau das, was wir Kinder brauchen.
Die Seiten des Führers sind übersichtlich gestaltet, mit schön vielen Fotos und Zeichnungen, es gibt Forschungsaufträge, die dazu anregen, sich selbst mal auf die Socken zu machen und alles unter die Lupe zu nehmen. Die Einleitung zur Stadtgeschichte lockt zum Weiterlesen, und am Ende der Kapitel, die sich auf die evangelischen Kirchen Petri, Reinoldi, Marien und die katholische Propsteikirche beziehen, bekommt man Einblicke in das Leben von fünf Kindern, die im Mittelalter in Dortmund lebten, dass damals noch Tremonia hieß. Der Leser kann sein Leben mit dem der Buchkinder vergleichen und herausfinden, wie im Mittelalter gelebt wurde – das macht Spaß!
In jedem Kapitel wird ein anderer Schwerpunkt gesetzt. Bei der Reinoldikirche wird über den Stadtpatron, seine Reliquien und seine Begegnung mit Karl dem Großen berichtet. Bei der Marienkirche erfahren wir etwas über die Architektur, besonders aber über die Künstler der beiden Altäre und wie sie die tollen Farben hergestellt haben. Über Klöster berichtet das Kapitel zur Propsteikirche, da lernen wir auch die älteste Dortmunder Stadtansicht kennen. Und in der Petrikirche ist natürlich das Goldene Wunder der Höhepunkt; wir erfahren, wie dieser Schnitzaltar entstanden ist und wie er kürzlich restauriert wurde.
Im Buch wird außerdem von Personen erzählt, die in Dortmunds Geschichte eine wichtige Rolle spielten, etwa Reinoldus, der Patron Dortmunds, oder auch Spender, die halfen, die im 2. Weltkrieg zerstörten Kirchen wieder aufzubauen.
Nur ganz selten stutzte ich wegen undeutlicher oder umständlich geschriebener Sätze. Und darüber, dass inmitten der Bilder der Reinolduskirche plötzlich zwei Fotos vom Dreikönigsschrein, der eigentlich in Köln ist, abgebildet waren.
Das Buch war ansonsten wirklich toll zu lesen und als ich mit den 144 Seiten fertig war, sah ich die vier Innenstadtkirchen Dortmunds aus einer ganz anderen Perspektive. Vielleicht geht es anderen Lesern ja auch so!? Meine Empfehlung: einfach mal „draufloslesen“ und die Kirchen noch einmal genauer angucken. Ist alles Beschriebene zu finden? Oder fällt noch mehr auf, das im Buch gar nicht vorkommt? Ich habe beispielsweise in der Reinoldikirche entdeckt, wie schön die Farbfenster dort eigentlich sind. Also: „Dortmund entdecken, Schätze und Geschichten aus dem Mittelalter“ mitnehmen und selbst herausfinden, wie gut und informativ das Buch ist!







