Integrationsminister Armin Laschet zu Gast bei den „Werler Gesprächen“
„Eine neue Mentalität“
Werl. „Der Glaube, Integrationspolitik sei überflüssig, war kollektive Realitätsverweigerung.“ Wer diese Aussage hört und sie bis zu ihren Ursprung zurückverfolgt, kommt bei Armin Laschet an. Der Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen war Gast bei den „Werler Gesprächen“.
von Elisabeth Plamper
Unter dem Motto „Die Aufsteigerrepublik, Zuwanderung als Chance“ – so lautet übrigens auch der Titel seines neuen Buches – stellte Laschet nicht nur seine Gedanken, Anstöße und Möglichkeiten der Umsetzung auf politischer Ebene zum Thema Zuwanderung vor, sondern gab sich auch bürgernah in der Diskussion mit den Teilnehmern an der Veranstaltung im Museum der Völker.
Eine Republik erwache und entdecke nach mehr als 50 Jahren Migrationsgeschichte ihre Zuwanderer, erläuterte der erste Integrationsminister der Bundesrepublik.
Seine Vision: „Deutschland braucht eine neue Mentalität, die jedem, unabhängig von seiner Herkunft, gesellschaftlichen Aufstieg möglich macht.“ Für ihn ein unerlässlicher Prozess, der außerdem der demografischen Entwicklung Rechnung trage. Laschet skizzierte anschaulich auch anhand zahlreicher Beispiele, wie dies Deutschland gelingen könne. „Integrationspolitik ist eine Investition in Menschen, die auch ein Gewinn für die deutsche Gesellschaft sind“, so Laschet. „Ich stelle mir eine Gesellschaft vor, in der kein Talent verloren geht, sondern jeder die Chance hat, die in ihm angelegten Möglichkeiten zu verwirklichen.“
Für das Jahr 2024 prognostizierte Laschet unter Fortführung der derzeitigen Bildungsoffensive, dass es dann selbstverständlich sein werde, „dass wir im Parlament, auf den Lehrstühlen, in den Chefarztkitteln, aber auch an der Werkzeugmaschine oder in den Polizei- und Feuerwehruniformen und ganz besonders hinter den Pulten in den Schulen immer mehr Menschen antreffen werden, deren familiäre Wurzeln jenseits der deutschen Grenzen, zum Beispiel auf dem Balkan, in Kasachstan oder jenseits des Bosporus liegen“. Doch wie sieht Migration an der Basis, in Werl, aus? Bürgermeister Michael Grossmann brachte es in der anschließenden Diskussionsrunde auf den Punkt: „Integration muss einen Rahmen haben.“ Die optimale Voraussetzungen sei der Wille der Bürger und Migranten zur gegenseitigen Wertschätzung und der Wunsch, gemeinsam etwas zu bewegen.
In diesem Zusammenhang wurde auch das „Werler Modell zur Chancenförderung“ kurz vorgestellt. Bei diesem Projekt ziehen Politik und Wirtschaft an einem Strang. Basis ist die Stadtentwicklungsinitiative der Stadt „Werl gewinnt die Zukunft – Syntegration 2010 plus“ mit Beteiligung von Bürgern sowie verschiedener gesellschaftlicher Gruppen.
Ein Ergebnis der Arbeit ist die Gründung des Vereins „Wirtschaft für Werl“ im November 2008, ein Verein für „Social Sponsoring“. Ziel ist die Finanzierung von Sprachfördermaßnahmen für benachteiligte Kinder, insbesondere auch Kindern mit einem Zuwanderungshintergrund.







