Gedanken zum Evangelium
Eine Verkündigung, die betroffen macht
Wenn unser Glaube und Leben übereinstimmen, werden die Menschen auch heute der christlichen Botschaft glauben.
von Andreas Kurte
Immer wieder kann man in unserer Zeit die Klage hören, dass die christliche Verkündigung zu kraftlos sei und deshalb die Menschen nicht überzeuge. Deshalb komme die Botschaft nicht über und erreiche die Menschen nicht wirklich. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass wir verlernt haben, über unsere Glaubenserfahrungen zu sprechen. Die Betroffenheit von der Botschaft, die wir zu verkünden haben, merkt man uns allzu oft nicht an.
Wie anders tritt im Evangelium vom vierten Sonntag im Jahreskreis Jesus als Verkünder vor uns. Da heißt es: „Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.“ Und am Ende des Textes heißt es: „Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl. Und sein Ruf verbreitete sich im ganzen Gebiet von Galiläa.“
Hier spricht einer, der die Menschen aufrüttelt, der sie betroffen macht, sie in seinen Bann zieht. Er verkündet die Botschaft von der Gottesherrschaft, die nahegekommen ist. Er spricht von dem um die Menschen besorgten Gott, der ihnen gegenüber bedingungslos gut ist. Dieser Gott ist ein grenzenlos vergebender und barmherziger Vater, so wie Jesus das in seinen Gleichnissen erzählt. Es ist ein Gott, der für alle da ist, gerade auch für die Ausgestoßenen, Verachteten und die Armen.
Jesus verkündet nicht nur diesen menschenfreundlichen Gott, sondern er macht diesen Gott erfahrbar in seinem eigenen Verhalten und Tun seinen Zeitgenossen gegenüber. Jesus nimmt sich der Menschen an. Er pflegt die Tischgemeinschaft mit Armen und Ausgegrenzten, mit Sündern und Zöllnern, was für die religiösen Autoritäten von damals unangemessen oder gar verboten war. Auf diese Weise eröffnet er ihnen eine neue Zukunft und zeigt, was Gott für die Menschen will: nicht ihr Unglück, sondern ihr Heil.
Das Evangelium möchte uns ermutigen, die Botschaft Jesu, zu deren Verkündigung wir berufen sind, ebenfalls mit Vollmacht zu verkünden. Das gelingt, wenn wir von dem sprechen, was wir selbst erfahren haben von dem Gott, der uns bedingungslos liebt; und wenn wir uns täglich neu auf den Weg machen, die Beziehung zu Gott zu leben. Auf diese Weise werden auch heute Menschen spüren, dass unser Gott auch heute zu den Menschen unterwegs ist. Wenn unser Leben in dieser Weise im Einklang mit unserer Verkündigung steht, dann ist unsere Botschaft eine Lehre, die auch heute noch mit Vollmacht verkündet wird.
Die Französin Madeleine Delbrel (1904-1964), eine der bedeutendsten Frauen des 20. Jahrhunderts, war darum in ihrem Leben in besonderer Weise bemüht. Sie schreibt einmal:
„Unser ganzes Dasein ist dazu bestimmt zu lodern und zu wärmen. Überall, wo die Liebe Eingang findet, verwandelt sie unser Leben in Brennstoff. Aber wenn Gott der brennende Dornbusch ist, der lodert, ohne sich zu verzehren, so sind wir jedenfalls schnell verzehrt, falls wir aufhören, den Glauben zu erbitten, für ihn bereit zu sein, ihn zu empfangen, kurz, wenn wir aufhören, aktiv mit dem Leben des lebendigen Gottes in Verbindung zu bleiben. Der Glaube will unterhalten sein wie ein Feuer. Die Zeugen werden durch den, der in ihnen wohnt zu Zeugen. Brecht auf ohne Landkarte und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist, und nicht erst am Ziel. Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden, sondern lasst euch von ihm finden in der Armut eines banalen Lebens.“







