Aktuelle Ausgabe
2012-20

Ein ganz spezieller Ballon aus der Schweiz war Teilnehmer der Montgolfiade in Warstein

Eine Kathedrale ging in die Luft

Viel mehr als nur heiße Luft: Bei der Montgolfiade in Warstein erhob sich ein Ballon in der Form der Kathedrale von St. Gallen in den Himmel.

Warstein. Die Brenner fauchen und erhitzen die 3100 Kubikmeter Luft in der großen Hülle. Langsam baut sich der Stoffberg auf und aus dem unförmigen Gebilde entsteht ein mächtiger Heißluftballon. Er hat nicht die gewöhnlich runde Form, sondern stellt ein Gotteshaus dar – die Kathedrale von St. Gallen in der Schweiz. Zwar hat er nicht die Originalgröße, doch mit seinen 31 Meter hohen Kirchtürmen, seinem 26 Meter langen und 15 Meter breiten Kirchenschiff entspricht er einem Drittel der St. Gallener Bischofskirche und ist damit größer als so manche Kirche. Bei der Internationale Montgolfiade in Warstein ging die Heißluft-Kathedrale an den Start.

 

von Dirk Lankowski

 

Jedes Jahr im September verzaubert die Kleinstadt im Sauerland zehntausende Besucher mit einem Meer aus Heißluftballonen, denn dann wird Warstein zum Anziehungspunkt für alle Fans der fantasievollen und farbenfrohen Himmelsstürmer. Auch in diesem Jahr waren bei der 18. Auflage über 200 Ballonteams dabei und rund 200000 Besucher bestaunten das Schauspiel, wenn die bunten Riesen die Luft bevölkerten.

Neben den üblichen Heißluftballonen gibt es die Sonderformen in allen Variationen. Für Kathedralen-Pilotin Marlies Nägeli steht aber fest, dass die fliegende Kirche eine der schönsten ist. Im Jahr 2002 schenkte sich das 200 Jahre alte Kanton St. Gallen die barocke Stiftskirche als Heißluftballon, mit dem der Kanton im Jubeljahr auch über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt werden wollte. „Die steinerne Kathedrale fliegt hinaus in alle Teile des Kantons“, sei damals die Idee gewesen, erzählt die 56-jährige Pilotin.

Danach ging es für die fliegende Kathedrale hinaus in die weite Welt, alle größeren Ballonfestivals wurden besucht. In Warstein gehört Marlies Nägli mit ihrem Team mit Urs Fiechter, Maja Wagner und René Spahn zu den Stammgästen, die immer noch begeisterte Blicke für ihren Ballon einfangen können. So ist Marlies Nägeli auch in diesem Jahr wieder 780 Kilometer nach Warstein gefahren, weil „es sich einfach lohnt“. Doch nicht nur das große Spektakel, mit Feuerwerk, Kirmestrubel und Partys überzeugt die seit 1993 begeisterte Ballonpilotin, vielmehr ist es das besondere Gefühl beim Ballonfahren. „Man ist ein ganzes Stück dem Himmel näher“, weiß Marlies Nägeli, die eine katholische Himmelsstürmerin ist. „Es ist eine faszinierende Welt, man kommt der Natur, der Schöpfung Gottes näher“, schwärmt die Pilotin: „Das ist für mich Glauben und Kirche – man wird sehr ehrfürchtig und schätzt das alles.“ Da die fliegende Kathedrale zu den wenigen kirchlichen Luftfahrzeugen gehört, hat Marlies Nägeli schon einige Geistliche gefahren.

Auch Erzbischof Hans-Josef Becker und Generalvikar Alfons Hardt sind begeisterte Ballonfahrer. Sie statteten zusammen mit Warsteins Pfarrer Thomas Wulf der Montgolfiade einen Besuch ab. Zwar bot das Wetter keine Möglichkeit zu einem der farbenfrohen Massenstarts, aber dennoch konnten sich Erzbischof und Generalvikar unter die Piloten beim Briefing mischen und auch noch das Aufrüsten eines kleinen Ballons bestaunen.

Und wie bei Ballonfahrern üblich, hat Erzbischof Becker auch einen Titel nach seiner ersten Fahrt bekommen: Er darf sich „Luftherzog des Paderborner Sauerlandes“ nennen.


22.05.2012
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