Adveniat-Weihnachtsaktion 2010: Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga besuchte das Erzbistum
„Ein wahrer Segen für die Kirche“

- In Olpe besuchte Kardinal Oscar Rodríguez Maradiaga (r.) die Erste Deutsche Bäckerfachschule, wo er sich über das deutsche Bäckerhandwerk informierte. Der Besuch war auch mit einem Dank verbunden: Deutsche Bäcker unterstützen schon lange die Bischöfliche Aktion Adveniat. Im Hintergrund Ulrich Klauke, Referent für Weltmission im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn. Foto: Nückel
Erzbistum. „Mit 17 Delegados ist das Projekt gestartet, heute gibt es in der katholischen Kirche von Honduras rund 17 000 Leiter von Wort-Gottes-Feiern.“ Bei seinem Besuch in Paderborn im Rahmen der diesjährigen Adveniat-Aktion erläuterte Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga aus Honduras die Arbeit der „Delegados de la Palabra“. Die Adveniat-Weihnachtsaktion unter dem Motto: „Ihr werdet meine Zeugen sein“ stellt das Engagement der Laien in Kirche und Gesellschaft Lateinamerikas in den Mittelpunkt.
von Andreas Wiedenhaus
Rund acht Millionen Menschen leben in Honduras, 80 Prozent von ihnen sind katholisch. Acht Diözesen gibt es, die Zahl der Priester beträgt rund 420. „Wir haben Pfarreien mit etwa 80 000 Gläubigen, angesichts solcher Zahlen ist das Engagement der Delegados ein wahrer Segen für die Kirche“, sagte Kardinal Rodriguez. Die Mehrzahl der Leiter der Wort-Gottes-Feiern seien arme Bauern: „Sie leben in ganz normalen Familien“. Zu Beginn hatte sich das Projekt nur auf Männer beschränkt. Weil diese, so Kardinal Rodriguez, sonst nicht am kirchlichen Leben teilgenommen hätten, habe man sie auf diese Weise gewinnen können. Seit 1980 übernehmen auch Frauen den Dienst. Dazu gehört nicht nur die Gestaltung der Wort-Gottes-Feiern, sondern manchmal auch die Leitung von Gemeinden.
Dass dies nicht immer ohne Auseinandersetzungen mit den Pfarrern geschehe, verschwieg Rodriguez nicht. Dabei betonte der Erzbischof aber auch, dass das Engagement der Delegados nicht als Ersatz für fehlende Priester gedacht sei. Allerdings seien diese Laien „die wichtigste Quelle für Berufungen“. Um Kompetenzprobleme zu vermeiden, seien die Delegados direkt vom jeweiligen Bischof beauftragt und nicht von den Pfarrern. Dabei habe die Kirche auch die soziale Situation der armen Bevölkerung im Blick, erklärte Rodriguez. Dies sei ebenfalls Teil des „Delegados“-Projektes: „Zum einen lernen die Menschen durch unsere Aus- und Fortbildungsangebote lesen und schreiben, zum anderen werden sie aber auch beispielsweise im Gesundheitsbereich ausgebildet.“
Speziell durch diesen Aspekt des Engagements kommt es laut Kardinal Rodriguez auch zu Problemen mit den Großgrundbesitzern: Weil die Kirche sich für die Ausbildung der armen Bauern und die Menschenrechte einsetze, sei sie in manchen Kreisen „als kommunistisch verschrien“.
Kardinal Rodriguez warb während eines Treffens mit Erzbischof Hans-Josef Becker auch für die Einführung einer internationalen Transaktionssteuer als eine „Steuer gegen Armut“. Der Kardinal aus Honduras, der auc Vorsitzender der dortigen Bischofskonferenz ist, gilt als prominenter Kritiker der Gobalisierung und als streitbarer Verteidiger der Armen. Rodriguez fordert eine „Globalisierung der Solidarität“.






