Ambulanter Kinderhospizdienst Kreis Unna und Hamm sucht neue Ehrenamtliche
Ein paar Augenblicke für sich haben
Hamm. Der ambulante Kinderhospizdienst Kreis Unna und Hamm bildet wieder Ehrenamtliche aus und lädt im August zu Informationsgesprächen ein. „Wir suchen Menschen, die bereit sind, in Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern zu gehen“, erklärt Koordinatorin Heike Gründken. „Die Betreuung ihrer Kinder bringt Eltern oft an den Rand der Erschöpfung.“ Auch Familie Hovermann aus Hamm machte diese Erfahrung.
von Elisabeth Plamper
Nach ihrem ersten Sohn bekam Claudia Hovermann noch Zwillinge. „Florian und Fabian waren Frühchen“, erinnert sie sich. Schon bald stellte sich heraus, dass Fabian anders war als sein Bruder. Die Ärzte stellten eine akute Herzerkrankung fest. Nach mehreren Herzoperationen ist dieses so geschwächt, dass er sich nicht mehr belasten darf. Hinzu kommt noch ein angeborenes Herzrasen, was jederzeit zum Sekundentod führen kann.
So braucht er aufgrund seiner Krankheit rund um die Uhr jemanden, der auf ihn achtet und in Erster Hilfe geschult ist. „Auch aus dem Familien- und Freundeskreis konnten viele damit nicht umgehen“, erzählt Claudias Ehemann. So mancher Kontakt brach ab. Lange bemerkte das Paar nicht, wie die Sorge und die Angst um Fabian neben den zahlreichen Arztterminen und der ganz „normale“ Alltag an ihren Kräften zehrte.
Sich Hilfe von außen zu holen, daran dachten sie zunächst nicht. „Man lebt so in seiner eigenen Welt“, blickt die 39-Jährige zurück. Petra Golisch, Krankenschwester an der Hedwig-Dransfeld-Schule für Körperbehinderte in Werl, erkannte die Gesamtsituation und half. „Sie ließ nicht locker und brachte uns schließlich dazu, uns an den ambulanten Kinderhospizdienst zu wenden.“ Seit gut einem Jahr besucht nun Monika Lange zwei bis drei Stunden in der Woche die Familie. Für sie ist die ehrenamtliche Arbeit beim Kinderhospizdienst eine Bereicherung. „Ich bekomme soviel zurück“, sagt sie. „Das ist ein schönes Gefühl.“ Begleitet wird sie von Norbert Dahlhoff. Seine Motivation ist „die positive Einstellung zum Leben“. Und die ist auch inzwischen wieder bei der Familie da. „Sie haben uns ins Leben zurückgeholt“, erklären Claudia und Ingo Hovermann.
„Als die Ehrenamtlichen das erste Mal kamen, war uns schon ein bisschen mulmig.“ Und es habe auch lange gedauert, bis sie sie mit den Kindern das erste Mal allein ließen. „Wir mussten die Beiden regelrecht rausschubsen“, erinnert sich Monika Lange lachend und Claudia Hovermann fügt hinzu: „Ingo und ich sind dann auch nur mal eben in den Aldi und zum Kaufland um die Ecke gegangen.“ Doch inzwischen hat sich ein enges Vertrauensverhältnis gebildet, die Kinder freuen sich auf die Nachmittage mit den Ehrenamtlichen und das Paar genießt die gemeinsame „Freizeit“. „Wir sind so froh und dankbar, dass es noch Menschen gibt, die so etwas Großes leisten.“
Heike Gründken vom Kinderhospizdienst Kreis Unna und Hamm informiert und berät als Koordinatorin die Familien und kümmert sich unter anderem um die Schulung und Vermittlung der Ehrenamtlichen. Jeder, der sich in der ambulanten Hospizarbeit engagieren möchte, nimmt zunächst an einem sogenannten Befähigungsseminar teil. Umfangreiches Hintergrundwissen über Kommunikation, Trauer und Bestattungsrituale, aber auch Übungen zur Selbsterfahrung und Informationen über soziale Strukturen werden in diesem Seminar vermittelt. Insgesamt umfasst der Kurs 80 Stunden. „Auch wer meint, nur wenig Zeit zu haben, ist als Ehrenamtlicher willkommen, damit die Familienangehörigen auch einmal ein paar Augenblicke für sich selbst haben.“
Kontakt
Ambulanter Kinderhospizdienst, Heike Gründken, hauptamtliche Koordinatorin, Telefon 0 23 03/ 94 24 90; www.deutscher-kinderhospizverein.de
Der nächste Informationsabend findet am 26. August im Emaus-Gemeindehaus in Rhynern und am 20. August, jeweils von 18.30 bis 20.00 Uhr im ambulanten Kinderhospizdienst in Unna, Käthe-Kollwitz-Ring 32, statt. Telefonische Anmeldung: Montag und Mittwoch, 9 Uhr bis 12 Uhr oder per E-Mail: unna.hamm@deutscher-kinderhospizverein.de







