Mit Tränen in den Augen verabschieden sich Thuiner Franziskanerinnen aus Herzebrock
Ein letztes Bad in der Menge
Herzebrock. Es war ein Abschied, der emotionaler kaum hätte ausfallen können: Nach über 115 Jahren verabschiedeten sich jetzt die Thuiner Franziskanerinnen aus Herzebrock, schon seit Wochen war die Schließung der dortigen Schwesternstation beschlossene Sache. Doch ganz so einfach ließ die Kirchengemeinde „ihre“ noch verbliebenen Ordensschwestern nicht gehen. Nach einem gemeinsamen Festhochamt bereiteten unzählige Kinder und Gläubige den Franziskanerinnen Ortrud, Hilga, Inge und Alexandra vor der Kirche und wenig später auch im Pfarrzentrum einen rührigen Abschied.
von Stefan Niggenaber
Schon zum Festhochamt am Sonntagmorgen zog es die Herzebrocker in Scharen in die Pfarrkirche. Jeder wollte noch einmal ein letztes Lebewohl sagen, hatte man sich in der katholischen Kirchengemeinde doch so an die Präsens der Franziskanerinnen gewöhnt. In seiner Predigt ging Pastor Johannes Epkenhans noch einmal auf den Gruß der Franziskanerinnen ein: „Pace e bene“ – Friede und Gutes, genau das wünsche er den Ordensschwestern für ihren weiteren Lebensweg. Denn das Gute müsse schließlich immer stärker bleiben als das Dunkle.
Sichtlich bewegt ergriff zum Ende des Gottesdienstes dann auch Schwester Inge, mit 65 Jahren die jüngste der vier Herzebrocker Franziskanerinnen, das Wort: Alle Schwestern hätten in der katholischen Pfarrgemeinde St. Christina ihren festen Platz gehabt, jetzt hoffe man auch im neuen Dienst eine Heimat zu finden. Nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen konnte an diesem Sonntag Schwester Ortrud. Die 83-Jährige war in der Woche zuvor gestürzt, hatte sich dabei sogar den Arm ausgekugelt.
Vor der Kirche drängelten sich beim Auszug dann auch schon die unzähligen Kinder Schulter an Schulter, überreichten den Schwestern zum Abschied Rosen. Sichtlich bewegt genossen diese ihr letztes Bad in der Menge. Beim Empfang im Pfarrzentrum würdigte auch der Kirchenvorstand das Schaffen der vier noch verbliebenen Schwestern. „Herze-brock trauert“, brachte es die stellv. Vorsitzende Ursula Schulte-Beckhausen auf den Punkt, und ohne die Schwestern sei das Gemeindeleben kaum vorstellbar. Auch der Neffe von Schwester Ortrud, Bernhard Henkelmann, bedankte sich im Namen seiner Tante. Über viele Jahre sei Herzebrock für sie so etwas wie eine Familie gewesen. Im Namen der politischen Gemeinde würdigte schließlich auch noch Bürgermeister Jürgen Lohmann die Taten der Franziskanerinnen.







