Aktuelle Ausgabe
2012-20

Professor Dr. Helge Paulus referierte beim KKV in Iserlohn-Letmathe

Ein gern gesehener Gast

Zu den besonderen Fähigkeiten von Prof. Dr. Helge Paulus gehört es, komplexe Themen lebensnah darzustellen. Foto: Steinhofer

Iserlohn-Letmathe. Vorstandsmitglieder katholischer Vereine kennen das Problem: ein attraktives Programm zusammenzustellen und geeignete Referenten zu finden, die nicht nur die eigenen Mitglieder faszinieren, sondern auch noch Gäste in die Veranstaltungen locken. Manche Referenten sind zwar ausgewiesene Fachleute, können aber ihr Thema nur „trocken“ darstellen. Dann überlegen die Verantwortlichen, ob dieser Referent zu einem ähnlichen Thema noch einmal eingeladen wird. Der Katholisch Kaufmännische Verein (KKV) in Iserlohn-Letmathe kennt dieses Problem nicht.  

von Meinolf Steinhofer 

Prof. Dr. Helge Paulus ist bei den Mitgliedern ein gern gesehener Gast. Bereits zum sechsten Mal kam er ins Lennetal, um aus den unendlichen Weiten der Psychologie zu berichten. Dieses Mal ging es um die Aufmerksamkeit für den anderen. „Sind wir wirklich am anderen interessiert, dann wollen wir, dass sich bei ihm eine Notlage aufhellt, er sich aus ihr ein Stück lösen, er wieder aufblicken kann, es ihm wieder gut gehen möge. Nehmen Sie die Zuwendung einer Mutter, die ihr weinendes Kind tröstet, es an sich schmiegt“, nannte der Hochschullehrer ein Beispiel aus der Praxis.

„So hilft sie über den Schmerz hinweg, wobei es gar nicht so wichtig ist, was sie sagt, sondern dass sie es sagt. Meist ist es doch der Hinweis ,es wird wieder gut'“. Die wissenschaftliche Definition hörte sich da schon anders an: „Aufmerksamkeit ist ein Sichrichten auf bestimmte gegenwärtige oder erwartete Erlebnisinhalte …“ Im Wechsel zwischen Theorie und Lebenspraxis brachte der erfahrene Wissenschaftler den Zuhörern das Thema näher. „Es gibt Menschen, die an anderen Interesse haben. Trösten kann beispielsweise nur der, der am anderen interessiert ist, der sich verwunden lässt von der Not des anderen.“

Dieses „sich verwunden lassen“ sei wesentlich für die Aufmerksamkeit erklärte Professor Paulus, der in jungen Jahren auch katholische und evangelische Theologie studiert hat. So geriet die Versammlung bald in eine Diskussion und sparte religiöse Fragen nicht aus. „Wir denken in den Kategorien „stark – schwach, arm – reich oder machtvoll – ohnmächtig“ bestätigte er die Stellungnahme eines Zuhörers. „Im christlichen Denken ist alles darauf ausgerichtet, nicht in diesen Kategorien zu denken, sondern auf der gleichen Ebene zu stehen“, stellte der Psychologe und Theologe klar. „Es geht um eine Haltung der Offenheit Menschen gegenüber, die wir treffen“, meinte er.

Dazu bemerkte ein Arzt aus einem Krankenhaus, dass bei der Vielzahl seiner Besuche am Krankenbett diese Aufmerksamkeit nicht immer gelingen würde. Der Hochschullehrer tröstete ihn und die anderen, die ähnliche Erfahrungen im Beruf gemacht haben: „Wir werden alle schuldig aneinander, ob wir es wollen, oder nicht. Das ist menschlich.“ Menschen seien eben verschieden. „Bereits Kinder, wenn sie geboren werden, bringen verschiedene Fähigkeiten mit“, erklärte der Wissenschaftler und schloss den Abend mit dem Hinweis, dass die Psychologie immer auf der Suche sei: „Vieles ist uns noch unbekannt.“


22.05.2012
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