Aktuelle Ausgabe
2012-20

Seit 25 Jahren nähen und sticken Frauen im ganzen Erzbistum Paramente und vieles andere

Ein Messgewand für die Mission

Seit 25 Jahren stellt die Paderborner Gruppe „Ein Messgewand für die Weltmission“ Paramente für Gemeinden in den Missionsländern her. Jedes Jahr zum Patronatsfest des Erzbistums, dem Liborifest, stellen sie ihre Werke in einer Ausstellung im Kreuzgang des Domes aus. Am Ende der Ausstellung können sich die Empfänger die Gewänder und sonstigen liturgischen Utensilien abholen und in ihre Heimatgemeinden mitnehmen. Foto: Vieler

Paderborn/Erzbistum. In etwa 40 lokalen Gruppen engagieren sich 130 Frauen und Männer in der Diözese ehrenamtlich für die Aktion „Ein Messgewand für die Weltmission“. Jeweils zum Liborifest, das am kommenden Samstag wieder beginnt, stellen sie ihre Arbeiten im Kreuzgang des Paderborner Doms aus – in diesem Jahr zum 25. Mal. Gegründet hat die Aktion Else Oskamp, Haushälterin des emerierten Paderborner Weihbischofs Pauls Consbruch, der Bischofsvikar für die Weltmission war.

Ein bisschen neidisch ist Weihbischof Matthias König doch. Ehrfürchtig schaut er auf ein Segensvelum, einen breiten und reich bestickten Schal, bei dem die Goldfäden mit fliederfarbenem Garn aufgenäht wurden. So wechselt das Gold auf Violett. „Das ist ja viel zu schön für die Mission!“, sagt er augenzwinkernd und korrigiert sich sofort: Nein, das Beste ist gerade gut genug! Mit diesem Velum bekleidet wird demnächst ein katholischer Priester in einem sogenannten Missionsland die Gläubigen segnen. Nur dafür ist es bestimmt, nur dafür hat es eine fleißige Stickerin aus dem Erzbistum Paderborn gefertigt.
Die Handarbeiterinnen und Handarbeiter schneidern Gewänder und Stolen, besticken sie mit religiösen Symbolen, arbeiten alte Gewänder auf und polieren Kelche aus priesterlichen Nachlässen wieder auf Hochglanz, und das alles nur zu einem Zweck: um es kostenlos an Gemeinden in Afrika, Lateinamerika oder Asien weiterzugeben.
In den Wochen vor Libori herrscht Hochbetrieb in dem Kellerraum direkt neben dem Dom. Das ganze Jahr über hat das Paderborner Leitungsteam die Gruppen im Bistum mit Material versorgt. „Die Gruppen bekommen von uns zugeschnittene Stoffe, auf die wir schon die Muster gemalt haben, und das Garn dazu und dann können sie loslegen“, sagt Anneliese Lengeling.
Sie leitet gemeinsam mit ihrem Mann sei drei Jahren die Aktion. Anfang Juli, drei Wochen vor Libori, kommen die fertigen Sachen zurück.
„Wir sortieren und beschriften sie und bereiten sie so für die Ausstellung vor.“ Im vergangenen Jahr konnten die Ehrenamtlichen rund 350 Stolen und 75 Messgewänder an Missionare geben, dazu Chormäntel, Taufkleider und Alben. Nicht mitgezählt ist die Kelchwäsche. Die Missionare kommen traditionell zu Libori in das Erzbistum. Viele von ihnen wissen inzwischen, dass sich der Weg zum Kreuzgang im Dom lohnt. Andere sind immer noch erstaunt, wenn sie erfahren, dass sie ein solches Gewand kostenlos haben dürfen. „Manche sind zu Tränen gerührt und können es kaum fassen“, so Anneliese Lengeling, „und manche wollen dann gleich richtig zugreifen.“
Das geht natürlich nicht. Auch die Ausgabe erfordert also eine geschickte Hand. Tatsächlich mitnehmen können die Priester und Ordensleute ihre neuen Gewänder sowieso erst am zweiten Libori-Sonntag. Während der Festwoche bleiben alle Stücke in der Ausstellung. „Schließlich kommen ja unsere Leute auch und wollen gucken“, erklärt Anneliese Lengeling.
Das Material, das die Stickerinnen und Sticker verarbeiten, ist entweder gespendet oder durch Spenden finanziert, vieles kommt aus Nachlässen.
„Bei manchen Gewändern sieht man richtig, wie hoch der Altar war, wenn sie auf einer bestimmten Höhe abgeschabt sind.“Auch solche Stücke werden sorgfältig geprüft und wieder aufgearbeitet.
Claudia Auffenberg


22.05.2012
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