Aktuelle Ausgabe
2012-20

Spendenaktion in Halle für eine querschnittsgelähmte Frau

Ein Leben zu Hause ermöglichen

Ihr Lächeln hat Walburga Behrends trotz allem nicht verlernt. Ihre Cousine Ursula Ziesché aus Halle hat gemeinsam mit vielen anderen eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Foto: privat

Halle. Ursula Ziesché hält ein Foto in der Hand. Eine Frau lächelt in die Kamera, links und rechts von ihr zwei junge Frauen. Ihre beiden Töchter. Ein Bild aus der Zeit, als im Leben von Walburga Behrends noch alles im Lot war. Das hat sich im März dieses Jahres schlagartig geändert. Nach einer Operation ist die 49-jährige Walburga Behrends, die lächelnde Mutter auf dem Foto, vom dritten Halswirbel abwärts querschnittsgelähmt.

von Andreas Wiedenhaus

„Ihr Lächeln hat Wally, wie sie von allen genannt wird, aber trotzdem nicht verloren“, erzählt Ursula Ziesché und blickt auf das Foto. Sie ist Mitglied im Pfarrgemeinderat der Haller Herz-Jesu-Gemeinde und Walburga Behrends Cousine. Gemeinsam mit vielen anderen hat sie eine Hilfs- und Spendenaktion für „Wally“ ins Leben gerufen.
„Nötig geworden war die Operation, nachdem ein schwerer Wirbelsäulenschaden festgestellt worden war“, berichtet Ursula Ziesché. Als Ursache wurde die schwere Arbeit, die Walburga Behrends als Intensivschwester verrichtet, vermutet. „Bei der Operation traten dann schwere Komplikationen auf“, erinnert sich Ursula Ziesché, „Wally wurde innerhalb von 30 Stunden 20 Stunden lang operiert.“ Tage voller Hoffen und Bangen folgten, dann die furchtbare Gewissheit: Eine Querschnittslähmung, verursacht vermutlich durch massive Nachblutungen, die die Nervenstränge gequetscht hatten. Walburga Behrends kann ihre Arme und Beine nicht mehr bewegen und muss ständig beatmet werden.
Zu den Sorgen um die Gesundheit kamen für die Familie und die Freunde unzählige finanzielle Fragen. Ursula Ziesché: „Die Wohnung musste umgebaut werden, schließlich sollte und wollte Wally wieder nach Hause kommen, sie sollte nicht auf unbestimmte Zeit im Krankenhaus bleiben müssen.“ Rund 60 000 Euro sollte der behindertengerechte Umbau der Eigentumswohnung in Oberhausen kosten. Von der Krankenkasse gab es dazu einen einmaligen Zuschuss in Höhe von genau 2 557 Euro. „Im ersten Moment wirkte die Summe, die aufzubringen war, so unendlich hoch, dass die Vorstellung, das zu schaffen, völlig utopisch wirkte“, fasst Ursula Ziesché ihre Gefühle damals zusammen. „Die Tatsache, dass Wally trotz ihres Schicksals den Lebensmut nicht verloren und ihr Lächeln nicht verlernt hat, hat uns in dieser Situation sicherlich motiviert, die Sache anzugehen.“
Ein Spruch, der auch auf der Internetseite, die für die Aktion eingerichtet wurde, zu finden ist, wurde so etwas wie ein Motto: „Viele kleine Steine, auf einen Haufen geworfen, ergeben einen Berg.“ Der „Berg“ wuchs im Laufe der Zeit, Euro auf Euro kam zusammen. „Ursula Ziesché: „Unglaublich, wer uns alles geholfen hat. Menschen, die wir kannten, ebenso wie viele, die durch das Internet auf Wallys Schicksal aufmerksam wurden.“ Beträge aus den unterschiedlichsten Aktionen gingen auf dem Spendenkonto ein. Hinzukamen Sachleistungen von Bauunternehmern oder einem Architekten.
In der Haller Kirchengemeinde liefen ebenfalls Aktionen an. Walburga Behrends, die in Oberhausen lebt, pflegte den Kontakt zu ihrer Cousine in Ostwestfalen, besuchte immer wieder die Konzerte des Gospelchores, nahm an den Doppelkopf-Turnieren in der Herz-Jesu-Gemeinde teil. Entsprechend bekannt ist sie dort.
Der Herzenswunsch Wallys, wieder in ihre Wohnung zurückkehren zu können, scheint mittlerweile in Erfüllung zu gehen. Ursula Ziesché: „Es sieht gut aus!“ Doch viele Kosten bleiben oder sind zurzeit noch nicht einmal abzusehen. „Aber auch das werden wir hinbekommen“, ist sich Ursula Ziesché sicher: „Wenn Wally trotz allem ein positiver Mensch geblieben ist und positiv in die Zukunft blickt, dann können wir als diejenigen, die ihr helfen wollen, auch optimistisch sein!“


22.05.2012
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