Aktuelle Ausgabe
2012-20

Prälat Heinrich Festing feiert am 10. Dezember seinen 80. Geburtstag

Ein Leben mit Kolping


Erzbistum. „Kolping hat mein Leben geprägt!“ Wenn Prälat Heinrich Festing dies kurz vor seinem 80. Geburtstag am 10. Dezember feststellt, dann gilt diese Aussage sicherlich auch in umgekehrter Richtung: Er hat in seinen Ämtern als Diözesan- und Generalpräses auch das Kolpingwerk in Deutschland und darüber hinaus entscheidend mitgeprägt. Gewürdigt wird dieses Wirken am Kolping-Gedenktag, 4. Dezember, mit einer Festakademie im Kolpinghaus International in Köln. 

von Andreas Wiedenhaus 

In Prälat Festings Arbeitszimmer in Lügde-Sabbenhausen herrscht Ordnung: Alles ist penibel abgeheftet, lang ist die Reihe der Ordner in den Regalen. Die  Aufzeichnungen dienen allein der Dokumentation, als Gedächtnisstütze hat der 79-Jährige sie nicht nötig. Die Erinnerungen an die Jahrzehnte im deutschen und Internationalen Kolpingwerk sind auch ohne einen Blick auf die eng beschriebenen Seiten lebendig: Von der ersten Wahl zum Diözesanpräses im Erzbistum Paderborn im Jahr 1965 über das Jahr 1972, als Festing zum Generalpräses des Internationalen Kolpingwerkes sowie zum Zentral- und Bundespräses gewählt wurde. Das Amt des Generalpräses übte er bis 2002 aus, die Zeit als deutscher Bundespräses endete mit der Ämtertrennung 1996.

Doch die erste Begegnung mit der Idee des Priesters aus Kerpen liegt noch viel weiter zurück: „Wahrscheinlich ist mir das Kolping-Lied schon an der Wiege gesungen und gepfiffen worden“, meint Heinrich Festing lachend. Als Sohn eines Schuhmachers kam er 1930 im lippischen Ratsiek zur Welt. Nach der Ausbildung zum Tischler  besuchte er das Abendgymnasium und studierte anschließend Theologie und Philosophie. Zum Priester wurde er am 21. Dezember 1961 geweiht.

Die vom Vater übernommene Begeisterung für die Ideen Adolph Kolpings hatte ihn in allen Jahren nie losgelassen. Mit entsprechendem Elan ging er 1965 an seine Aufgaben als Diözesanpräses.

Begeisterung und Elan waren eine wichtige Starthilfe, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen aber ebenso gefragt: Denn nicht immer waren die Gesprächspartner von den Ideen Festings so ohne Weiteres überzeugt: „Da musste man manchmal im wahrsten Sinne des Wortes den Fuß in der Tür haben“, erinnert sich Heinrich Festing mit einem Schmunzeln an die ein oder andere Begegnung. Gerade auf internationaler Ebene war aber auch viel diplomatisches Geschick vonnöten. Dies hatte Festing. Das zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass es zu Beginn seiner Amtszeit als Generalpräses in 13 Ländern Kolpingsfamilien gab – zum Ende im Jahr 2002 waren es 56 Länder.

Zugute kam Festing dabei, dass ihn seine Gesprächspartner immer akzeptierten – hohe kirchliche Würdenträger genauso wie die Handwerker in den Kolpingsfamilien: „Da kam mir sicherlich zugute, dass ich als gelernter Tischler wusste, worum es ging.“ Und Festing wusste, wie man Menschen überzeugt: Als er zu Beginn seiner Amtszeit als Diözesanpräses vorschlug, eine Altkleidersammlung ins Leben zu rufen, da schlug ihm einiges an Skepsis entgegen: Als „Lumpensammler“ unterwegs zu sein, überstieg die Vorstellungskraft manches gestandenen Kolpingbruders.

Nicht nur der finanzielle Erfolg der Aktion beeindruckte alle Beteiligten: Spätestens, als der Präses selbst im Blaumann mit anpackte, war das Eis gebrochen.


22.05.2012
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