Eine besondere Adventsnacht in Körbecke in der Warburger Börde setzt das Land ins rechte Licht
Ein Dorf beleuchten und begehen
Körbecke. „Das Landleben ist tot und der Letzte macht das Licht aus!“ Solche Prognosen kursieren in Zeiten des demografischen Wandels. Junge Menschen und Wirtschaftsbetriebe verlassen die ländliche Region, besonders im Kreis Höxter. Da wollten die Körbecker einen Gegenakzent setzen.
von Sandra Wamers
Bei uns läuft es anders“, dachten sich die 750 Einwohner des schmucken Dorfes in der Warburger Börde. Sie haben mobil gemacht und in der Nacht zum zweiten Advent dazu eingeladen, ihren Heimatort zu „beleuchten, betonen und zu begehen“.
So lautete das Motto des Abends. Punkt 17 Uhr am Samstagabend startete die Aktion in der Pfarrkirche St. Blasius mit einem Konzert der Gruppen „Gegenwind“ und „Kreuz&Quer“.
Und welch Wunder: Die Kirche war ausverkauft – bis auf den letzten Platz. Acht Euro kostete eine Karte im zunächst schleppenden Vorverkauf – so viel wie ein 90-minütiger Kinobesuch. Großes Kino gab es dann auch in Körbecke zu sehen. 1 750 Glaslichter säumten die Bürgersteige. Weitere 80 Lichtspots setzten im Dorf Akzente auf die Akteure.
Hauptdarsteller waren die alten Fachwerkfassaden und der Kirchturm, die sich erhaben im stimmungsvollen Scheinwerferlicht in der Winternacht präsentierten. Und natürlich die Bürger selbst. Sie gaben ihrem Ort und ihrem (Land-)Leben ein Forum in der kalten Nacht.
17 Stationen zum Sehen, Hören und Staunen hatte die Dorfgemeinschaft um das Organisationsteam von Pfarrgemeinderat und einer Bürgerinitiative auf den Programmplan gesetzt. Von der Minutenandacht am Bildstock ging es zum Skelett im Keller des ehemaligen Pfarrhauses bis hin zur Kunst über Körbecke. Auch die tollen Töne der Musiker auf den Deelen oder in den Scheunen fehlten nicht.
„In Körbecke stimmt die Dorfgemeinschaft“, betonte Wolfgang Mikus vom Traktorenclub Körbecke. Der Verein präsentierte seine mächtigen alten Zugmaschinen – denn das Ackern und Wirtschaften gehören zum Landleben dazu. In der „Hohl Deele“ von Landwirt Rainer Wittkopp konnten die Besucher dem Landleben um die Jahrhundertwende auf Fotografien begegnen. Auf dem Acker, so bewiesen es die Bilder, packten damals alle mit an – und so ist es noch heute auf dem Land. „Wir halten zusammen, dann klappt es auch“, sagte Rainer Wittkopp.
Aber von den Ackerfrüchten allein wird der Mensch nicht satt. Auch Geist und Seele brauchen Nahrung – sie brauchen Kultur, Kunst und Musik. Auch die gab es in dieser Adventsnacht. Eine besondere Station hatte sich die Gruppe „Gegenwind“ ausgesucht. Sie hatten es sich mit Keyboard und Gitarre in einer Raumausstattungs-Werkstatt gemütlich gemacht – bei Kerzenschein. Der Schein des siebenarmigen Leuchters verwies auf die Historie des Ortes: die jüdische Synagoge in Körbecke. Für diesen Ort mit Geschichte hatten die Musiker ein extra Stück komponiert: Israel.
Getanzt wurde zu Musik und Chorgesang bis tief in die Nacht. „Da leuchtete ein Dorf von Herzen“, freute sich Axel Eggers, Vorsitzender des Körbecker Pfarrgemeinderates.







