Kommentar
Eigenartige Koalition
von Matthias Nückel
In Deutschland hat sich eine eigenartige Koalition gegen finanzielle Leistungen des Staates für die Kirche und gegen die Erhebung von Kirchensteuern gebildet. Auf der einen Seite wettern eher linke Politiker gegen diese Regelungen, auf der anderen Seite sehr konservative Katholiken.
Die Motive der Politiker liegen auf der Hand. Sie wollen die Kirche am liebsten ganz aus der Gesellschaft verbannen. Was Katholiken dazu bewegt, ins gleiche Horn zu blasen, ist nicht nachvollziehbar.
Die staatlichen Leistungen, die sogenannten Dotationen, beruhen auf Entschädigungszahlungen für frühere Enteignungen der Kirche. Wollte der Staat diesen Vertrag kündigen, müsste er eine nicht unerhebliche Abstandszahlung leisten. Das ist im Rechtsstaat üblich.
Entscheidender ist aber die Kirchensteuer. Sie ist keineswegs – wie der unglücklich gewählte Name irrtümlich vermuten läßt – keine Steuer des Staates für die Kirche, sondern ein Beitrag ihrer Mitglieder. Der Einfachheit halber zieht der Staat die Kirchensteuer ein. Diese Dienstleistung lässt er sich übrigens von den Kirchen fürstlich bezahlen.
Würde aus der Kirchensteuer ein freiwilliger Beitrag, wie es der Freiburger Theologie-professor Hubert Windisch vorschlägt, hätte dies erhebliche Einnahmeverluste zur Folge. Katholische Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und vieles mehr müssten aufgegeben werden. Eine große Chance der Glaubensvermittlung wäre vertan. Zudem hätte die Kirche weniger Geld, um ärmere Glaubensschwestern und -brüder in der Dritten Welt zu unterstützen. Wollen die innerkirchlichen Gegner der Kirchensteuer dies alles in Kauf nehmen? Das ist biblisch nicht zu begründen.






