Aktuelle Ausgabe
2012-20

Manfred Frigger im Gymnasium Theodorianum

Eheberatung im Klassenzimmer

Manfred Frigger (rechts) spielt mit Schülern der Jahrgangsstufe 11 des Paderborner Gymnasiums Theodorianum Szenen aus dem Ehe-alltag durch. Foto: Schleyer

Paderborn. Zwei interessante Religionsstunden erlebten Schüler des Gymnasiums Theodorianum mit dem Eheberater Manfred Frigger. Sie sprachen mit ihm über Ehe und Partnerschaft. 

von Richard Schleyer  

Die Kirche will für die Menschen da sein, kirchliches Handeln vollzieht sich nicht allein in Liturgie, Verkündigung, sondern auch im diakonischen Handeln. Sehr engagiert verdeutlichte Manfred Frigger, Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Paderborner Bistum diese theologische Grundlage seiner Beratungstätigkeit vor dem Grundkurs Religion der 12. Jahrgangsstufe im Paderborner Gymnasium Theodorianum. Frigger gelang es, die 29 Schülerinnen und Schüler nachdenklich zu stimmen. Denn diese waren, ihren Fragen gemäß, von dem Missverständnis ausgegangen, kirchliche Eheberatung diene dazu, kirchliche Moralvorstellungen bei den Ratsuchenden zu verankern. „In der Diakonie geht es nicht zuerst um die rechte Lehre. In ihr wendet sich die Kirche den schwachen, den in Krisen Rat und Trost suchenden Menschen zu!“ In der Beratung gelte es, jeden Menschen in seiner Not zunächst so zu akzeptieren, wie er komme, betonte Frigger: „Auch wenn ein Mann trinkt und seine Frau schlägt; ich darf ihm das nicht um die Ohren hauen.“ Der Mann erscheine ja freiwillig in der Beratung. Damit gestehe er ein, dass er Hilfe brauche, habe von sich aus gespürt, dass in seinem Leben und seiner Beziehung etwas in die falsche Richtung laufe. Da müsse er als Berater zunächst genau zuhören, wie der Betreffende selber seine Situation beschreibe und beurteile und durch Nachfragen Hintergründe aufdecken und helfen, Veränderungsmöglichkeiten zu eruieren. „Wir wollen in der Beratung beitragen, dass das Leben besser gelingt, dass Partner einander vergeben und sich wieder versöhnen können.“ 

Das Stichwort Vergebung hatte eine Schülerin in die Runde geworfen. Die Fragen der Grundkursteilnehmer zeigten, wie sehr es diese jungen Menschen beschäftigt, unter welchen Voraussetzungen eine Partnerschaft zwischen Mann und Frau gelingen kann. „Das treibt in diesem Alter um!“, bestätigt Gudrun Hammerschmidt, die Lehrerin. Fast jeder 12. Jahrgang wünsche sich, im Religionsunterricht über die Ehe zu sprechen. Sehr sensibel spielten die Schüler Ehekonflikte nach. Sie probierten aus, wie ein alltägliches Gespräch darüber, wer den Frühstückstisch decken soll, verunglücken oder gelingen kann. Sie lernten, wie Mann klugerweise einen Wunsch äußert, damit Frau ihn auch akzeptieren wird, und wie eine Frau am besten nicht reagiert, wenn ein junger Gatte seine Freunde zum gemeinsamen Fußballschauen einlädt und seine Männerfeste arrangieren will. Mehr Gefühl und Veränderungsbereitschaft, dies erwarten die jungen Damen von ihrem Partner; die männlichen Schüler wünschten sich von möglichen Partnerinnen klare Worte und klares Verhalten. Die Schüler erfuhren, dass sie Gesten und äußeres Verhalten bei anderen nicht vorschnell interpretieren sollten. Frigger: „Wir müssen miteinander sprechen. Was im anderen wirklich vor sich geht, können wir nur erfahren, wenn wir ihn zum Reden bringen und gut zuhören.“ In vielen Ehestreitigkeiten gehe es gar nicht um die Sache, sondern um die Macht über den anderen. Da rede der eine stets „von oben herab“, während der andere sich „unten“ fühle und dann das Gespräch und die Partnerschaft blockiere. 

Wie es denn in einer Ehe aussehe, wenn wie bei ihm beide Partner Eheberater wären, wollten die Schüler noch wissen. Manfred Frigger lächelte: „Ich weiß zwar vieles in der Theorie, bin aber auch nur ein Mensch. Da gibt es auch Konflikte.“ Seine Frau sei aber darin geübt, es mit ihm auszuhalten. 


22.05.2012
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