Aktuelle Ausgabe
2012-20

Verein zur Förderung Christlicher Sozialarbeit feierte Jubiläum

Dort sein, wo Hilfe gebraucht wird

Herdecke-Ende. Der Verein zur Förderung christlicher Sozialarbeit (VCS) feierte jetzt 25-jährigen Geburtstag und weit mehr als einhundert Gäste – darunter Gründungsmitglieder, Wegbegleiter aus Politik, Verwaltung und Kirche sowie engagierte Ehrenamtliche – fanden den Weg in die St.-Urban-Kirche am Westender Weg. 

von Ingrid Piela

Die Jubiläumsfeier begann mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Dörte Godejohann von der evangelischen Kirche in Ende und Pfarrer Franz Meurer, dem Kölner „Ghetto-Prediger“, wie ihn der „stern“ einst nannte. Der katholische Armenpfarrer im Problemviertel Höhenberg-Pfingst und „alternativen Ehrenbürger“ Kölns entwickelt in dem Arbeiterstadtteil erfolgreiche Projekte und baut Netzwerke.

Meurer legte im Gottesdienst den Finger in die Wunde: Geiz ist geil, the winner takes it all und meide den Kontakt mit Verlierern, denn es macht dich selber schwach. „Schicksalskorrektoren“ würden gebraucht. Der Staat mache bereits Einiges, er sorge für das Existensminimum und demnächst vielleicht sogar für fünf Euro mehr. Der Papst sehe im Ehrenamt und in der Freiwilligenarbeit ein Geschenk.

Meurer fordert mit Blick auf das Buch des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Paul Kirchhof, das verlorene Gleichgewicht sei wieder herzustellen. Er zitiert Böll, Habermas und kennt sich aus mit Harry Potter. Er resümmiert: „Wir bekommen immer das, was wir verdienen.“

Beim anschließenden Geburtstagsfest in den Katakomben des Urban-Hauses gab der Katholik in schönstem Kölsch und launisch wie in der Bütt Tipps und Tricks aus der „Werkzeugkiste für Weltverbesserer“ zum Besten.

Seine Erfahrung, dass ein Pfarrfest, wo man für Essen und Trinken bezahlen müsse, die Armen ausschließe, wurde sofort aufgegriffen und umgesetzt. VCS-Vorsitzender Klaus Kraus, der allen Engagierten für 25 Jahre VCS-Unterstützung dankte, zerriss kurzerhand die Preisliste und bat stattdessen um eine Spende für Speis und Trank.

Grußworte sprachen Pfarrer Karl-Heinz Schanzmann für die evangelische Kirche, Brigitte Krüger von der Baptisten-Gemeinde und Lothar Gerber von der Bürgerstiftung. Die Bürgermeisterin hatte nicht nur freundliche Worte und Zeit, sondern auch einen Scheck mitgebracht.

Mit Tango-Stücken bot das Habanera-Duo aus Dortmund den musikalischen Rahmen der Feier.

Pfarrer Franz Meurer verschenkte sein Buch „Von wegen nix zu machen – Werkzeugkiste für Weltverbesserer“, das er zusammen mit dem Kabarettisten Jürgen Becker und dem Journalisten Martin Stankowski geschrieben hat.


22.05.2012
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