Neues Buch gibt Überblick über die Geschichte der Hammer Bestattungskultur
„Die letzte Reise“ im Wandel der Zeit
Hamm. Herbstlich gefärbte Bäume, weite Grabflächen, liebevoll bepflanzt und mit Grabschmuck versehen, wechseln sich mit gepflegten Grünflächen ab. Auf den ersten Blick scheint sich der Friedhof an der Birkenallee nicht von anderen zu unterscheiden und doch geht die Stadt Hamm dort neue Wege, um dem Wandel in der Bestattungskultur in akzeptabler Weise zu begegnen.
von Elisabeth Plamper
„Kann ich mir meine Grabstätte auch schon vor meinem Tod aussuchen“, fragte eine Teilnehmerin während einer Friedhofsführung, die die Stadt Hamm kürzlich anbot. „Das ist durchaus möglich“, erklärte Markus Klüppel, Landschaftsarchitekt bei der Stadt und für das Friedhofswesen mit verantwortlich. Das komme häufig bei Urnenstelen, wie ganz aktuell auf dem Südenfriedhof aufgestellt, und Baumgrabstätten im Bestattungshain vor, ein etwa 1300 Quadratmeter großes Eichenwäldchen mit rund 100 Jahre altem Baumbestand.
„Bei der Bestattung wird die Totenasche in einer leicht vergäng-lichen Urne im Wurzelbereich des ausgewählten Baumes beigesetzt“, so Klüppel. Das Nutzungsrecht der Wahlgrabstätte liege bei 30 Jahren und könne auf Wunsch auch für 50 Jahre verliehen werden.Diese Bestattungsform werde häufig gewählt, wenn abzusehen sei, dass eine regelmäßige Grabpflege nicht möglich ist, weil die Angehörigen beispielsweise sehr weit entfernt wohnen. „Der Bereich wird naturnah belassen und der ursprüngliche Charakter des Waldes bewahrt“, erklärte der Landschaftsarchitekt weiter.
„Namensschilder der Verstorbenen können auf Wunsch an einer gemeinschaftlichen Gedenkstätte angebracht werden.“ Dort sei auch das Ablegen von Grabschmuck und Kerzen möglich. Die Gedenkstätte wurde von Pater Abraham Fischer, Benediktiner aus der Abtei Königsmünster Meschede, entworfen und errichtet.
Ein Stück weiter führte der Rundgang die Teilnehmer an einem kleineren Gräberfeld vorbei. In der Mitte stehen zwei Grabsteine dicht nebeneinander. Auf dem einen sind Sonne, Mond und Sterne eingraviert, auf dem anderen der dazugehörige Spruch von Friedrich Güll. Porzellanengel, Grablichter und kleine Sträuße schmücken sie. „Hier können Eltern das Andenken ihrer Kinder nach einer Fehlgeburt bewahren.“ Die Stadt Hamm übernimmt mit der Einrichtung dieses Grabfeldes in NRW eine Vorreiterrolle, denn für Kleinsttotgeburten unter 500 Gramm besteht dem Gesetz nach keine Bestattungspflicht. „Für die Betroffenen war das häufig emotional sehr belastend“, weiß Klüppel aus Erfahrung. „Das Gräberfeld soll ein Platz der Trauer für die Eltern sein.“
Neben den Einzelbestattungen findet einmal im Jahr im Herbst eine ökumenische Sammelbestattung statt. Diese wird von den vier Hammer Krankenhäusern, den Kirchen, dem Bestatterverband und der Stadt organisiert. Die St.-Barbara-Klinik hatte im Jahr 2001 das besondere Konzept ausgearbeitet.
Zum Rundgang gehörte auch die Besichtigung der Trauerhalle. In den drei Aufbahrungsräumen können die Angehörigen ganz für sich Abschied nehmen. Ob mit Musik oder in aller Stille, mit individuellem Blumenschmuck und mit oder ohne Kreuz. „Das bleibt den Angehörigen überlassen“, erklärte Rafaela Hegel vom Bestattungshaus Richter-Sowicki, das die Trauerhalle von der Stadt übernommen hat.
Der Friedhof an der Birkenallee wurde erst 1967 angelegt und hat neben dem Ostenfriedhof einen festen Platz in der jüngeren Stadtgeschichte. Bis dato lag das Friedhofswesen allein in den Händen der katholischen bzw. evangelischen Kirchengemeinden.
Dr. Maria Perrefort ist am Hammer Gustav-Lübke-Museum Ansprechpartnerin für Stadt- und Regionalgeschichte und begleitete die Friedhofsführung aus historischer Sicht. „Die Geschichte der Friedhöfe in Hamm reicht bis weit in das Mittelalter zurück“, erläuterte sie.
Zunächst habe die katholische Kirche und seit der Reformation im 16. Jahrhundert auch die evangelische Kirche das sogenannte Bestattungsmonopol innegehabt. Mit dem preußischen Landrecht von 1794 wurde dann auch von kommunaler Seite das Bestattungswesen neu geordnet. „Friedhofsneuanlagen wurden nicht mehr innerhalb der Stadtmauer direkt neben der Kirche, sondern außerhalb der Stadttore angelegt.“
Die Geschichte der Bestattungskultur in Hamm haben Dr. Maria Perrefort und Markus Klüppel auch in einem Buch zusammengefasst. Es ist unter dem Titel: „Die letzte Reise“ sofort über den Verkehrsverein Hamm erhältlich.







