Gedanken zum Evangelium
Die je größeren Möglichkeiten Gottes
Glauben heißt, auf die je größeren Möglichkeiten Gottes vertrauen. Einen solchen Glauben empfiehlt Pastor Burkhard Neumann uns und der Kirche in heutiger Zeit.
von Burkhard Neumann
„Stärke unseren Glauben!“ (Lk 17,5) – wer würde nicht unmittelbar in diese Bitte der Jünger mit einstimmen! Aber was antwortet Jesus darauf! Wie so oft, ist es eine ganz bewusst zugespitzte und provozierende Antwort, die auf den ersten Blick kaum zu helfen scheint. Um sie zu verstehen, ist es hilfreich, zunächst zu klären, was Jesus auf jeden Fall nicht damit gemeint hat.
Jesus lehnt es immer ab nur um zu beeindrucken, Wunder zu wirken. Deshalb kann seine Antwort nicht bedeuten, dass der Glaubende sozusagen ein christlicher Magier wird, eine Art geistlicher David Copperfield, der anstelle komplizierter Tricks mit seinem festen Glauben arbeitet und damit alle in Erstaunen versetzt. Es geht hier nicht um irgendwelche Wunderkräfte, die dem Glaubenden zuwachsen. Wenn das so wäre, dann hätte es im Laufe der Geschichte keinen Menschen gegeben, der wirklich geglaubt hätte, denn konkrete Berge versetzt hat noch niemand. Jesus übrigens auch nicht!
Um was aber geht es dann? Glauben meint in der Bibel das feste Vertrauen auf Gott. Glaube meint keine besondere Kraft, die ich in mir habe und dann dementsprechend einsetzen kann, sondern glauben heißt: Ich halte mich fest an Gott, ich vertraue nicht zuerst auf mich, auf meine Fähigkeiten und Kräfte, sondern ganz und gar auf ihn. Und dann bedeutet dieses drastische Wort Jesu wohl: Wer an Gott glaubt, der vertraut darauf, dass dieser Gott viel mehr vermag, als wir Menschen uns vorstellen und ausdenken können. Der vertraut darauf, dass Gottes Möglichkeiten größer sind als unsere menschlichen Vorstellungen und Erwartungen. Der vertraut darauf, dass „bei Gott kein Ding unmöglich ist“ (Lk 1,37). Der vertraut auf den Gott, der selbst da noch wirken kann, wo das menschliche Tun an seine Grenzen kommt.
Was aber heißt das nun konkret für unseren Glauben heute und hier? Es heißt beispielsweise, dass ich auch da auf Gottes Möglichkeiten vertraue, wo meine Möglichkeiten an ein Ende kommen, wo ich selbst andere Menschen nicht mehr erreichen kann. Wenn sich etwa die eigenen Kinder oder gute Freunde dem Glauben und damit anscheinend auch Gott entfremden, wenn sie nichts mehr von ihm wissen wollen und ich selbst nicht mehr weiß, was ich machen soll – könnte es dann nicht helfen, wenn ich so glauben kann? Denn es würde bedeuten, dass ich immer noch an Gottes je größere Möglichkeiten glaube. Es würde bedeuten, dass ich darauf vertraue, dass Gott viel mehr Wege zum Menschen kennt, als ich es mir vorstellen kann. Es würde bedeuten, dass ich diese Menschen ganz in Gottes Hände gebe und darauf vertraue, dass sie dann wirklich in den besten Händen sind.
Ein solcher Glaube würde auch in der gegenwärtigen Situation der Kirche auf Gottes je größere Möglichkeiten vertrauen und die Kirche den Händen Gottes anvertrauen. Er könnte mit Mut und Gelassenheit zugleich in die Zukunft gehen, Neues wagen und manchen Ballast abwerfen, anstatt sich vor lauter Angst einzuigeln und sich vorzumachen, es sei alles beim Alten oder man könne vergangene Zeiten wiederbeleben.
Was könnten wir mit diesem Glauben also erreichen, wenn er wirklich aus dem Vertrauen auf Gottes Möglichkeiten leben würde? „Stärke unseren Glauben!“ – das ist nicht nur die Bitte der Jünger, das ist und bleibt auch unsere eigene Bitte.







