Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Die Stunde der Gewissheit

Elsbeth Bihler, Gemeindereferentin in Schwerte, Violainesstr. 34, 58239 Schwerte

Fest der Taufe des Herrn – eine klare Sache, denken vielleicht viele. Jesus lässt sich – wie etliche seiner Zeitgenossen auch – von Johannes im Jordan taufen. Deshalb werden wir ja auch getauft, wenn wir in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen werden. Was so einfach scheint, ist es aber gar nicht, meint Elsbeth Bihler, Gemeindereferentin in Schwerte, in ihrer Evangeliums-Betrachtung.

von Elsbeth Bihler

Wenn ich an Taufe denke, dann fallen mir die vielen Großeltern ein, die darunter leiden, dass ihre Enkel und Urenkelkinder nicht mehr getauft werden, dass da der immer schon geahnte Glaubensschwund deutlich sichtbar wird. „… dabei haben wir doch unser Möglichstes getan, um unsere Kinder im Glauben zu erziehen, damit sie es auch ihren Kindern weiter geben können.“
Wir können an dieser Stelle keine ausführliche Analyse darüber anstellen, warum viele Eltern heute ihr Kinder nicht mehr taufen lassen. Aber ich glaube, dass die vielen Großeltern wirklich das ihnen Mögliche getan haben um ihren Glauben weiter zu geben und dass man auf keinen Fall – wie viele es tun – hier von Schuld dieser Generation sprechen kann.
Aus vielen Gründen scheinen es Menschen heute schwerer zu haben, den Glauben an Jesus Christus anzunehmen und ihn auch in der Kirche zu leben. Und wenn sie das nicht können und nicht tun – dann ist es ja vielleicht auch besser und konsequent, wenn sie ihre Kinder nicht taufen lassen wollen.
Wenn wir im Evangelium lesen, dass Johannes der Täufer im Jordan Menschen taufte, dann war das eine sogenannte Umkehrtaufe. Die Menschen hatten im Hinhören auf die Bußpredigten des Johannes ihre falsche Lebensorientierung erkannt und wollten umkehren. Und als symbolisches Zeichen dafür stiegen sie in den Jordan und tauchten unter, damit die Schuld von ihnen abgewaschen würde und sie ein geläutertes Leben beginnen konnten.
Für Jesus, der am Jordan getauft wurde, war diese Taufe des Johannes etwas anderes. Da er, wie später Paulus sagte, in allem uns gleich war außer der Sünde, brauchte er keine Umkehrtaufe zur Buße. Für Jesus war seine Jordan-Taufe, wie das Evangelium berichtet, die Stunde der Gewissheit, dass der Geist Gottes über ihn kam und er dazu berufen war, das Reich Gottes auszurufen.
Jesus selbst hat dann offensichtlich seine Jünger nicht getauft. Nur in einem ganz bestimmten Zusammenhang spricht Jesus später von der Taufe. Er sagt: „Ich muss mich taufen lassen mit einer Taufe und wie ist mir so bang, bis sie vollendet wird.“ Und ein anderes mal: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke und euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?“ Damit sagt Jesus, dass für ihn getauft werden und untergehen im Tod ein und dasselbe ist.
Taufe ist also nicht, wie manche ahnungslosen Kirchenmitglieder meinen, die Aufnahmezeremonie in einen frommen Verein. In der Taufe tut Gott etwas an uns. Er lässt uns mit Jesus Christus sterben und auferstehn. Das heißt, wir sind nachher grundsätzlich ein anderer Mensch als vorher. Wir sind neu geboren.
Und wie das bei Neugeborenen so ist: sie haben alle Anlagen bei ihrer Geburt mitbekommen – aber atmen müssen sie dann schon selber! Leben und Handeln als Christ ist die Konsequenz der Taufe – und wenn viele das nicht mehr können, dann können wir das nur akzeptieren.
Ja, es bleibt zu hoffen, dass immer wieder viele Menschen den Weg Jesu Christi gehen. Aber es ist wohl nicht mehr selbstverständlich, dass das in unseren Breitengraden von einer Generation auf die andere übertragen wird und letztlich sollten wir nicht vergessen, dass es Gott, Jesus selbst ist, der in seine Nachfolge beruft.
Das geweihte Wasser, mit dem wir uns am Eingang der Kirche bekreuzigen, erinnert uns jedes Mal an unsere Taufe – erinnert uns daran, dass wir das atmen nicht vergessen als Neugeborene. 


22.05.2012
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