40 Jahre lang wurde die „Thronende Madonna“ in Oedingen vermisst
Die Rückkehr der Königin
Lennestadt-Oedingen. Die Gemeinde hat sie wieder: Rund 175 Jahre nach dem Bau der Kirche St. Burchard kehrte die in Oedingen lange vermisste „Thronende Madonna“ in ihre Kirche zurück. Frisch restauriert ist sie und wunderschön anzusehen, so jedenfalls die allgemeine Meinung. Ein unbekannter Meister hatte sie Anfang des 19. Jahrhunderts in barockem Stil angefertigt. Ihre jetzige Bleibe, die frühere Taufkapelle des alten, aus dem 11. Jahrhundert stammenden Turms, ist wie geschaffen für sie. Dort können die Gläubigen im Schutz der dicken Mauern innehalten, Kerzen anzünden und still beten. Das Taufbecken, in dem 1871 auch Karl Joseph Kardinal Schulte, der spätere Bischof von Paderborn und Erzbischof von Köln, getauft wurde, steht nun vorne in der Kirche.
von Julia Eiden
„Rudolf Schmidt ist es zu verdanken, dass wir unsere Madonna wiederhaben; und seitdem sie wieder da ist, stieg die Kerzenkollekte um 100 Prozent“, freut sich Oliver Breiting vom Pfarrgemeinderat. Ein Blick zurück: Im Jahr 1969 wurde das Gotteshaus im Zuge der vom Zweiten Vatikanischen Konzil beschlossenen Liturgiereform umgestaltet – sehr zum Leidwesen der Gemeinde, gegen den Willen des damaligen Pfarrers Drenhaus und ohne Beteiligung des Landeskonservators. So brach man die mit bunten, anschaulichen Motiven bestückten Fenster heraus und ersetzte sie durch einfaches Glas. Weichen mussten auch, um nur einiges zu nennen, Strahlenmadonna und barocke Kanzel, ebenso der Hochaltar nebst Seitenaltären mit den dortigen Statuen von Maria und Josef. Während das Mobiliar nach Hardehausen gelangte, die Herz-Jesu-Figur und die Reliefs aus dem Hochaltar auf die Orgelbühne verlagert und mit grauer Wandfarbe überstrichen wurden, wanderten Maria und Josef ins Diözesanmuseum nach Paderborn. Und dort spürte sie Pfarrgemeinderatsmitglied Rudolf Schmidt, Mitglied im Malteser-Hilfsdienst, bei der Suche nach Marienmotiven für seine Andenkenbilder auf: „Vor sieben Jahren kam ich auf die Idee, dass es doch schön wäre, wenn jeder der Teilnehmer an der jährlichen, von den Maltesern organisierten Autobus- Wallfahrt nach Werl eine kleine Erinnerung mit nach Hause nehmen könnte.“ Schließlich seien die Mitfahrenden vorwiegend ältere oder kranke Menschen, die seit Kindertagen, wie es früher Usus war, Andenkenbildchen schätzen.
Rudolf Schmidt hatte sich auf Marienmotive spezialisiert. Und was lag da für ihn näher, als während einer Malteser-Veranstaltung im Paderborner Dom einen kleinen Abstecher ins dortige Museum zu machen? Den Tip hierzu hatte er von Oliver Breiting bekommen, der über den Verbleib der Madonna informiert war. Doch die Gute sah nicht besonders gut aus. Erst nach ihrer Renovierung für rund 2500 Euro war sie fit für ein Fotoshooting. Aber nicht nur dafür; das Diözesanmuseum gab den Bitten der Oedinger nach und ließ die Madonna wieder in ihre Heimat ziehen.
Jetzt fehlt der Gemeinde St. Burchardt von der alten Ausstattung nur noch der heilige Josef. „Und damit die Werl-Wallfahrer ihn zumindest in Erinnerung behalten, wurde er im vergangenen Jahr auf dem Andenkenbildchen verewigt“, erzählt Rudolf Schmidt.
In den 80er-Jahren hatte mit Hilfe von Pfarrer Franz Josef Wrede ein großer Teil der vormals entfernten oder übermalten Schätze im Rahmen einer umfassenden Innenrenovierung wieder Einzug in die Kirche gehalten. Bereits 1973 würdigte Dr. Dorothea Kluge vom Landesdenkmalamt „die stattliche, spätklassizistische Saalkirche“. In ganz Westfalen gebe es nur noch in Verl und Ibbenbüren zwei katholische Kirchenbauten verwandter Art.
Vor 200 Jahren gingen der Entscheidung zum Neubau jahrzehntelange schwere Kontroversen bezüglich seiner Notwendigkeit voraus. Pastor Fabri brachte es 1798 in seinem Brief an den Dechant auf den Punkt: „Die Kirche ist baufällig, erbärmlich und leicht in ein Parallel mit jener Wohnung zu ziehen, in welche der Weltheiland bey seiner Geburt einzuziehen sich gewürdigt hat.“ Im November 1832 konnte dann die neue Kirche eingeweiht werden. Nur der romanische Turm der alten Kirche aus dem 11. Jahrhundert steht trutzig wie eh und je.







